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Johannes Günterberg
"Wilde Müllkippen sind leider fast schon normal"

Johannes Günterberg: "Wilde Müllkippen sind leider fast schon normal"
Für eine saubere Stadt: Über 800 Korschenbroicher beteiligten sich im vergangenen Jahr am Frühjahrsputz. Am kommenden Samstag wird die Teilnehmerzahl nochmals deutlich gesteigert. FOTO: Christian Kandzorra
Grevenbroich. Der Ingenieur vom Eigenbetrieb Stadtpflege in Korschenbroich spricht über den Aktionstag "Saubere Stadt" am kommenden Samstag.

Herr Günterberg, bereits zum 16. Mal bittet die Stadt Korschenbroich am kommenden Samstag zum gemeinschaftlichen Frühjahrsputz. Ist der Aktionstag "Saubere Stadt" für die Organisatoren mittlerweile ein Selbstläufer?

Günterberg Ein bisschen ist es schon so, auf jeden Fall hat sich der Tag längst fest etabliert. Wir haben eine Liste mit Gruppen, die in den Vorjahren teilgenommen haben, und fragen im Zweifelsfall auch gezielt nach, ob sie wieder mitmachen.

Wie ist die Resonanz auf die Aktion 2018?

Günterberg Nachdem wir bereits im vergangenen Jahr eine erfreulich hohe Teilnehmerzahl hatten, als wir mit der Dorfgemeinschaft Schlich und der St.-Katharina-Schützenbruderschaft neue Gruppen hinzugewinnen konnten, werden wir diese Marke wohl jetzt nochmals um jeweils 50 Erwachsene und Kinder erhöhen können. Insgesamt dürften etwa 900 Personen am Samstag aktiv sein. Diese Zahl ist uns letztlich auch noch wichtiger als das Gewicht des gesammelten Mülls. Denn da müssten wir ja eigentlich froh sein, wenn es weniger wird.

Hilft es, dass Korschenbroich stärker noch von seinen Gemeinschaften und Vereinen geprägt ist, denen etwas an ihrer Heimat liegt, und es nicht so anonym wie in einer Großstadt zugeht?

Günterberg Ein Stück weit ist das so, gerade in den kleineren Ortsteilen. Auch gibt es beispielsweise in Pesch durch die Dorfgemeinschaft und in Herrenshoff durch Bruderschaft und Feuerwehr immer eine große Beteiligung. In den vergangenen Jahren sind aber auch Privatpersonen dazugekommen, die sich für den Aktionstag zusammengeschlossen haben, um ihre Umgebung von wildem Müll zu befreien.

Wie wird die Stadt die Bürger am Samstag unterstützen?

Günterberg Wir werden die Gruppen mit Handschuhen, Greifzangen und Müllsäcken ausstatten. Zudem werden zwei Kollegen im Stadtgebiet unterwegs sein, um die vollen Müllsäcke einzusammeln. An einigen Stellen, an denen es sich besonders lohnt, werden wir aber auch Container aufstellen. Außerdem sponsern wir allen Helfern als kleines Dankeschön einen Imbiss.

Im Ausschuss der Eigenbetriebe wurde jüngst bekannt, dass alleine die Beseitigung von wildem Müll im vergangenen Jahr 22.000 Euro gekostet habe. Wie ist es denn generell um die Sauberkeit in der Stadt Korschenbroich bestellt?

Günterberg Mir fehlen Vergleichszahlen, um die Summe des Vorjahres in ein Verhältnis zu setzen, aber grundsätzlich gibt es schon immer wieder richtige Wellen an neuem wilden Müll im Stadtgebiet. Zuletzt war das im vergangenen Herbst der Fall. Da ist dann alles dabei, vom Hausmüll über Grünabfälle bis zum Bauschutt. Das ist nicht nur ärgerlich, weil der Verursacher nur schwer zu ermitteln ist, sondern auch, weil es für jeglichen Müll einen praktikablen Entsorgungsweg gibt.

Hat Korschenbroich auch richtige Schmuddelecken in Sachen wilder Müll?

Günterberg Ja, leider gibt es solche Problemzonen. Etwa nördlich von Kleinenbroich beim Gewerbegebiet Hasseldamm oder im Bereich von Glascontainern wie am Kleinenbroicher Bahnhof. Da hat man es ab und an mit einer kompletten Haushaltsauflösung zu tun.

Wie kann die Aktion dabei helfen, für eine möglichst saubere Stadt über den kommenden Samstag hinaus zu sorgen?

Günterberg Ich bin mir sicher, dass jeder, der am Samstag mitmacht, in Zukunft bewusster mit dem Thema umgeht und etwas genauer hinschaut. Denn leider wird wilder Müll schon viel zu sehr zur Normalität in unserem Alltag.

THOMAS GRULKE FÜHRTE DAS GESPRÄCH

Quelle: NGZ
 
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