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Grevenbroich
Wolfgang Faßbender sagt leise "Adieu!"

Grevenbroich: Wolfgang Faßbender sagt leise "Adieu!"
Neu-Pensionär Wolfgang Faßbender mit einer Schatzkiste voller Erinnerungsfotos. FOTO: von Dolega
Grevenbroich. Seine eigentliche Aufgabe im Jugendtreff GOT waren die haustechnischen Dienste. Wolfgang Faßbender organisierte auch Segel- und Sommerfreizeiten, baute für die GOT Sportstudio und Pizzaofen. Nach 37 Jahren geht er jetzt in Pension. Von Valeska von Dolega

Er kennt jede Ecke des Hauses, "besser als jeder Architekt", denn er war immer da: "Sieben Tage die Woche, 24 Stunden lang", sagt Wolfgang Faßbender. Seit der Gründung des Jugendtreffs "Ganz offene Tür", kurz GOT, in der Südstadt als Leiter des haustechnischen Dienstes beschäftigt, verabschiedet sich das GOT-Urgestein jetzt in den Ruhestand. Nach knapp vier Jahrzehnten ist Schluss. Der 61-Jährige, gesundheitlich schwer angeschlagen, geht. "Es ist jetzt sehr still", ein Zustand, an den der Grevenbroicher sich "erst gewöhnen muss. Zumal, da er seine "Arbeit nie als Pflicht, sondern immer als großen Spaß" empfunden hat.

Menschen sind ihm das wichtigste, eine "Herzensangelegenheit". Selbst Geschwisterkind - der dreifache Vater hat sieben Brüder und sechs Schwestern - , hat er "früh gelernt, mich um andere zu kümmern und mich einzusetzen". Als die GOT an St. Joseph gegründet wurde, war das Areal ein sozialer Brennpunkt. Damals wie heute hält er Jugendtreffs für "wichtig, es kommt ja nicht jeder aus einer intakten oder behüteten Familie, und was ist heute schon 'normal'?", fragt er rhetorisch. Katholisch erzogen und als Messdiener sowie Pfadfinderleiter erprobt, übernahm der ausgebildete Betriebsschlosser jenseits seiner eigentlichen Aufgaben im haustechnischen Dienst viele andere Jobs. Mit den jüngsten Besuchern bastelte er Mobiles, mit Teenagern Lautsprecherboxen, die Möbel für die Teestube entstanden nach eigenen Entwürfen - und wenn junge Leute ein Bett oder einen Schrank brauchten, wurde das Möbel gemeinsam geschreinert. Ausflüge mit dem Segelboot aufs holländische Ijsselmeer organisierte er ebenso wie Sommerfreizeiten auf dem Bauspielplatz und ein kleines Sportstudio. "Wir fuhren zur Sportmesse nach Köln, fotografierten Sportgeräte und bauten sie nach."

Wolfgang Faßbender in jungen Jahren auf einem der vielen Baustellenplätze, die er als Sommerfreizeit für die GOT organisierte und mit betreute. FOTO: Valeska von Dolega

Generation von Kindern betreute Faßbender mit, musste miterleben, wie bei einem Konzert ein Jugendlicher verstarb, und er war immer wieder bestürzt über "Einbrüche in die GOT, die von Stammbesuchern verübt wurden". "Nestbeschmutzer" nennt er sie. Allerdings überwiegen die positiven Erinnerungen, "ich habe immer 150 Prozent gegeben und es hat immer Spaß gemacht", bilanziert er seine GOT-Zeit. Eine Truhe voller Fotos dokumentiert viele dieser Erinnerungen. Menschen werden weiter sein Thema bleiben, "vielleicht engagiere ich mich ehrenamtlich in einem Altenheim oder einer Ogata". Vielleicht aber macht er etwas aus seinen technischen Fähigkeiten und bietet Kurse an. Vor allem aber hat er endlich Zeit für Freunde und den Garten. "Darauf freue ich mich."

Quelle: NGZ
 
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