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Grevenbroich
Zeitreise in die Ära von Tonband, Musiktruhe und Röhrenfernseher

Grevenbroich. Morgen wird im Museum die Ausstellung "Sound der 50er" mit Rock'n'Roll und Pettycoats eröffnet. Viele Exponate stammen aus dem Phono + Radio-Museum. Von Carsten Sommerfeld

In der Villa Erckens wird morgen ab 19 Uhr kräftig gerockt. Songs von Elvis Presley, Bill Haley, Peter Kraus und anderen werden auf alten Schellack-Schätzchen und 60 Jahre alten Plattenspielern zu hören, Frauen in Pettycoats und Herren mit Schmalzlocke beim Rock'n'Roll zu sehen sein. Zur Eröffnung der Ausstellung "Sound der 50er" erwartet die Besucher eine Zeitreise mit Vertretern mehrerer Rock'n'Roll-Vereine. Bis zum 2. Oktober präsentiert das Museum der Niederrheinischen Seele in Kooperation mit dem Phono + Radio-Museum Dormagen eine sehenswerte Ausstellung mit Radios, Tonbandgeräten, Plattenspielern und Uralt-Fernsehern. Die Ausstellung ergänzt, wie Thomas Wolff von der Stadt erklärt, die seit Mai laufende Dauerausstellung "50er Jahre: Nierentisch und Wirtschaftswunder".

Opas Hifi-Technik füllt drei Museumsräume. Dafür sorgten Helmut Dietsch (80) und Volkmar Hess (58) vom Phono + Radio-Museum, die einen Teil der Sammlung in die Villa verfrachtet haben. "Musik in den 50er Jahren war ein Lebensgefühl, die Menschen wollten nach der Not Vergnügen, gingen viel tanzen", weiß Hess. Und sie holten sich die Musik mit neuer Technik nach Hause. Bescheiden wirkte noch das erste deutsche Grundig-Nachkriegsradio "Heinzelmann" aus dem Jahr 1948. "Nach dem Zweiten Weltkrieg waren viele Radios zerstört oder wurden beschlagnahmt, dann merkten die Alliierten, dass sie die Menschen nicht erreichten", erzählt Helmut Dietsch. Saba, Braun, Nordmende, AEG, Telefunken, Grätz und andere sorgten für die Radio-Ausstattung. Kofferradios kamen groß in Mode, "die Walkman der 50er", sagt Hess. Auch Koffer-Plattenspieler, für Schellack oder schon Vinyl, gingen mit zum Picknick oder auf die Italien-Reise. "Mit so einem Gerät war man der King", so Hess. Immerhin ein halber Facharbeiter-Monatslohn wurde dafür fällig.

Prestige-Objekte in der Wohnung wurden die großen Musiktruhen - mit Plattenspieler, Radio und vielleicht Tonbandgerät. So mancher Vater "quälte" seine Familie sonntags mit den in der Woche aufgenommenen "Schnulzen" der 50er. Die Jugend wollte anderes - Rock'n'Roll eben. Und dann kam das Medium auf, das das Freizeitverhalten der Familien gravierend änderte: Fernsehen. Das älteste im Museum gezeigte Gerät hat einen Bildschirm von gerade mal 43 Zentimetern und kostete knapp 1000 Euro - für viele unerschwinglich. "Als meine Großmutter den ersten Fernseher an der Straße bekam, war es im Wohnzimmer abends rappelvoll", berichtet Volkmar Hess.

Quelle: NGZ
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