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Grevenbroich
Zeltverleiher baut mehr Asylunterkünfte

Grevenbroich: Zeltverleiher baut mehr Asylunterkünfte
Beispielsweise in Bergsich-Gladbach hat die Noithausener Firma "Zelte und Hallen Späth" eine Leichtbauhalle als Asylbewerber-Unterkunft errichtet. Trennwände sorgen für ein wenig Privatsphäre. FOTO: Späth Zelte und Hallen
Grevenbroich. Der Grevenbroicher Unternehmer Hans-Georg Späth hat reichlich zu tun. Der 53-Jährige verkauft und vermietet Aluminium-Leichtbauhallen, die mittlerweile von vielen Kommunen als Flüchtlingsunterkünfte eingesetzt werden. Von Carsten Sommerfeld

Die Stadt Grevenbroich will 2016 am Hagelkreuz eine Flüchtlingsunterkunft in Zelten errichten - für 160 Menschen. Nachdem Turnhallen und andere Gebäude voll sind, setzen immer mehr Kommunen auf Zeltlösungen. Viel zu tun gibt es zurzeit für Hans-Georg Späth, der Noithausener Unternehmer hat sich auf Vermietung und Verkauf von Zelten und Hallen spezialisiert. "Für die Winterzeit haben wir deutlich mehr zu tun als sonst. Und wir erwarten für 2016 weitere Aufträge", sagt der 53-Jährige.

FOTO: Blazy, Achim (abz)

Mit 24 festen Mitarbeitern liefert "Zelte und Hallen Späth" Leichtbauhallen und Zelte beispielsweise für Partys, Schützenfeste, Betriebsfeiern, für Messen und für die Industrie. Nun ist ein neuer Kundenkreis hinzugekommen. "Im Juni hatten wir die erste Anfrage der niedersächsischen Polizei und der Johanniter Unfallhilfe, ob wir auch für Flüchtlingsunterkünfte liefern könnten", berichtet Späth. "Ab August - mit der steigenden Zahl von Flüchtlingen- überschlugen sich die Ereignisse. Da wollte mancher Kunde am liebsten, dass wir schon am nächsten Tag lieferten", schildert der Unternehmer. "Weil es oft schnell gehen muss, haben einmal sogar 25 Polizisten in Hannover beim Aufbau angepackt, während daneben bereits der Bus mit den künftigen Bewohnern, den Flüchtlingen, stand", erzählt er.

Auch in Lüchow-Dannenberg und bei Berlin hat das Grevenbroicher Unternehmen bereits Flüchtlingsunterkünfte errichtet. In Bergisch-Gladbach, im Stadtteil Katterbach, baute die Firma eine Zeltstadt auf, in der zurzeit rund 300 Menschen leben. Im November besichtigte Bundespräsident Joachim Gauck die Unterbringung dort. "In Nordrein-Westfalen haben viele Verantwortliche zunächst gezögert, Flüchtlinge in Zelten unterzubringen, vielleicht weil sie an einfache Stoffzelte wie in Krisengebieten dachten. Andere Bundesländer waren da schneller", sagt Hans-Georg Späth und betont: "Mit Kirmeszelten haben diese Asylbewerber-Unterkünfte nichts zu tun."

Vielmehr werden die Neuankömmlinge in "wintertauglichen Aluminium-Leichtbau-Hallen untergebacht, in denen sie auch bei extremen Minus-Temperaturen leben können", wie Späth erklärt. Die Wände sind nämlich keineswegs aus Stoff, sondern bestehen aus zwei 1,5 Millimeter dicken Blechen mit 38 Millimeter Polyurethan-Schaumstoff dazwischen - zur Isolierung. Und während bei den Schützenfesten auf zwei Zentimeter dicken Holzbalken gefeiert und getanzt wird, liegt in der Asylbewerber-Unterkunft noch eine Styroporschicht darunter. Auch das Zeltdach ist doppelt mit einer isolierenden Luftschicht dazwischen. "Das alles sorgt dafür, dass weniger geheizt werden muss - das spart Treibstoff", so Späth. Zum Einsatz kommen Ölgebläse-Heizungen. Mit Trennwänden werden die einzelnen Schlafstätten unterteilt.

Hans-Georg Späth ist gelernter Schreiner, 2002 machte er sich in Rommerskirchen selbstständig. 2016 wechselte der Betrieb auf ein rund 18.000 Quadratmeter großes Grundstück an der Ringstraße in Noithausen. "Unser alter Standort platzte aus allen Nähten", so Späth. Auch Hallen in einer Größenordnung von 5000 Quadratmetern und mehr machen dem Unternehmen keine Probleme. "Das größte Projekt war bislang ein provisorischer Flugzeughangar am Flughafen in Budapest - mit einer Firsthöhe von 18 Metern", berichtet der 53-Jährige. Flüchtlingsunterkünfte im Gebiet des Rhein-Kreises Neuss hat Hans-Georg Späth bislang noch nicht aufgebaut. Aus dem Grevenbroicher Rathaus sei aber bereits angefragt worden, "ob wir so etwas liefern könnten", so Späth, Entscheidungen gebe es aber nicht.

Quelle: NGZ
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