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Grevenbroich
Zu Hause in der Welt der Pilze

Grevenbroich: Zu Hause in der Welt der Pilze
Dieser Pilz sieht aus wie eine kleine Keule aus Holz: außen dunkelbraun, innen weiß.Essen kann man ihn nicht, sagt die Expertin. FOTO: L. Berns
Grevenbroich. Seit zehn Jahren leitet Biologin Regina Thebud-Lassak pilz- und pflanzenkundliche Exkursionen. Der Boden im Wald in Langwaden bietet dafür optimale Bedingungen. Im vergangenen Jahr wurden 70 Pilzarten in drei Stunden gefunden. Von Zuhal Yilmaz

Für Biologin Regina Thebud-Lassak war 2015 ein gutes Jahr, denn es wurde ein Rekord aufgestellt: 70 Pilzarten - gefunden innerhalb von nur drei Stunden. Die Pilzsaison beginnt Mitte September und endet etwa Anfang Oktober, und auch in diesem Jahr werden sich Pilzfreunde wieder auf die Suche nach besonderen Exemplaren machen. Die Volkshochschule in Grevenbroich lädt zu einer Exkursion in den Langwadener Wald ein. Diesmal werden Pilze in Laub- und Mischwäldern untersucht.

"Der Boden im Wald in Langwaden ist sehr nährreich, weil dort der Grundwasserstand sehr hoch ist", sagt Regina Thebud-Lassak. "Das optimale Wetter für gesprießte Pilzfruchtkörper ist warm - jedoch nicht zu warm, da nach einem Regen das Regenwasser nicht direkt verdunsten darf, sondern in die Tiefen des Waldbodens gelangen muss. Im Flachland herrscht mildes Wetter, was der Grund dafür ist, dass hier in Grevenbroich von Mitte September bis Anfang November Pilzsaison ist."

Die Biologin hat ihren Schwerpunkt im Bereich der Botanik und macht pilz- und pflanzenkundliche Exkursionen bereits seit zehn Jahren in Grevenbroich. Dabei liegt der Fokus nicht auf Pilzen zum Verzehr, sondern auch auf giftigen Exemplaren, da das Ziel der Exkursion darin besteht, verschiedene Pilzarten zu bestimmen, um giftige von nicht giftigen unterscheiden zu können. Es werden Pilze im Waldboden und auf Holz, vor allem auf totem Holz, untersucht. "Das Higlight war, als wir eine Stinkmorchel entdeckt haben", erzählt die Biologin. "Diese Stinkmorchel lockt Fliegen an, die sich von ihr ernähren. Dabei bleibt immer ein Stück von der Stinkmorchel an den Fliegen hängen, die zur Verbreitung der Sporen verhilft." Der eigentliche Pilz ist der Myzel, der sich im Boden befindet. "Ein Myzel ist ein Geflecht aus mehreren Zellen, die Hyphen genannt werden", fügt die Expertin hinzu. Einen besonderen Pilzfruchtkörper fand Thebud-Lassak im Stadtpark in einem schon stark vermoderten Baumstumpf. "Es handelt sich um die Vielgestaltige Holzkeule, auch Xylaria polymorpha genannt", erklärt sie. "Diese Pilzart besiedelt als Fäulnisbewohner Baumstümpfe. Seltener befällt sie als Schmarotzer auch lebende Laubgehölze mit Schadstellen in der Rinde."

Die äußerlich dunkelbraunen bis schwarzen, holzig-harten Pilzfruchtkörper sehen aus wie Keulen. Daher kommt auch der Name. Sie wachsen meist büschelig am Holz. Innen sind sie grau-weiß. "Es handelt sich genaugenommen um Sammelfruchtkörper, denn die eigentlichen Fruchtkörper, die Perithecien, sind von der Oberfläche her in die weiße Innenschicht eingesenkt und geben bei Reife dunkle, mikroskopisch kleine Sporen nach außen ab, mit denen sich der Pilz vermehrt", sagt Thebud-Lassak. "Jedoch ist die Vielgestaltige Holzkeule ungenießbar", Die nächste Pilz-Exkursion durch den Langwadener Wald findet am 30. Oktober statt und dauert etwa drei Stunden. Start ist um 9 Uhr am Morgen. "Pilzfreunde stehen gerne mal etwas früher auf, wobei man an diesem Tag, wegen der Umstellung auf die Winterzeit, sogar eine Stunde länger schlafen kann", sagt Thebud-Lassak. An der Pilzsuche nehmen regelmäßig auch viele Familien mit Kindern teil.

Quelle: NGZ
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