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Grevenbroich
Zu kalt für Kröten: Tribünenweg wird später gesperrt

Grevenbroich. Zwischen der Kreisstraße 10 und dem Hemmerdener Weg lebt die größte Amphibien-Population im Stadtgebiet. Von Wiljo Piel

Eigentlich sollte der Tribünenweg schon in der Nacht zu gestern für Autofahrer gesperrt werden. Weil davon auszugehen war, dass mehrere hundert Kröten über die Straße wandern könnten. Doch da das Wetter derzeit Kapriolen schlägt, hat der städtische Umweltbeauftragte Norbert Wolf die Aktion vorerst abgeblasen. "Die Straße wird voraussichtlich erst ab Mitte nächster Woche in den Abendstunden dicht gemacht", sagt er. Zurzeit sei es zu kalt. Das Wetter locke keine Amphibie vor ihr Loch.

In der Regel machen sich die Kröten bei feuchter Witterung und Temperaturen jenseits der Fünf-Grad-Marke auf den Weg zu ihren Laichgewässern. "Davon sind wir zurzeit aber weit entfernt. Am Donnerstagabend haben wir die Fangeinrichtungen entlang der Krötenzäune an der Kreisstraße 10 kontrolliert und kein Tier entdeckt", schildert Wolf. "Daher lassen wir den in der Nähe liegenden Tribünenweg, an dem keine Zäune aufgebaut sind, vorerst offen."

Nach Schätzungen des Umweltbeauftragten leben in den Waldgebieten nahe der Kreisstraße 10 und des Tribünenwegs etwa 4500 bis 5000 Amphibien - hauptsächlich Erdkröten, aber auch Teichmolche, Gras- und Grünfrösche. Sobald die Temperaturen stimmen, machen sie sich auf den Weg zu ihren Laichgewässern in den ehemaligen Klärteichen der Zuckerfabrik, die mittlerweile zu den wertvollsten Naturschutzgebieten im gesamten Rhein-Kreis Neuss zählen. "In diesem Bereich haben wir die größte Amphibien-Population im Stadtgebiet", sagt Norbert Wolf.

Seit 1985 - nachdem Erdkröten in Massen zum Opfer von Autoreifen wurden - kümmern sich Grevenbroicher zwischen der K10 und dem Tribünenweg um den Amphibienschutz. Zunächst waren es Ehrenamtler um den Neuenhausener Naturschützer Gerhard Röhnert, die sich der Tiere annahmen, später übernahm die Stadt diese Aufgabe. "Die Maßnahmen haben sich gelohnt", ist Norbert Wolf überzeugt: "Schon seit vielen Jahren ist die Population dort stabil."

Zurzeit untersucht er mit dem Team des Umweltzentrums "Schneckenhaus" ein weiteres Amphibienvorkommen. "Aus Münchrath wurden uns neue Wanderbewegungen in der Nähe des Dorfteichs und der Gilbach-Altarme gemeldet. Sobald es etwas wärmer wird, werden wir uns dort nachts auf die Lauer legen, um uns ein Bild von der Situation zu machen", sagt Wolf.

Der Umweltbeauftragte will zeitnah über die Sperrung des Tribünenwegs informieren, damit sich Autofahrer auf Umwege einstellen können. Aktuelle Meldungen werden unter anderem im Facebook-Netzwerk gepostet.

Quelle: NGZ
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