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Grevenbroich
"Zug der Erinnerung" ist da

"Zug der Erinnerung" macht in Grevenbroich Station
"Zug der Erinnerung" macht in Grevenbroich Station FOTO: Berns, Lothar (lber)
Grevenbroich. Die rollende Ausstellung steht seit Mittwoch im Grevenbroicher Bahnhof. Sie erinnert an Kinder und Jugendliche, die während der NS-Zeit deportiert und ermordet wurden. Die Bahn unterstützt die Schau nicht. Von Arne Lieb

Der "Zug der Erinnerung" ist in den Grevenbroicher Bahnhof eingefahren. Mittwochmorgen wurde die Ausstellung über deportierte Kinder und Jugendliche von Landrat Hans-Jürgen Petrauschke und Landtagsvizepräsident Oliver Keymis eröffnet. Bis heute Abend können Besucher sie anschauen. Mehr als 1000 Schüler ab der sechsten Klasse, die von allen Grevenbroicher Schulen kommen, werden durch die Waggons geführt und sprechen mit Zeitzeugen aus der Region, die der Grevenbroicher Geschichtsverein eingeladen hat. Weil die Deutsche Bahn die Ausstellung nicht unterstützt, ist Zugang nur vom Parkplatz an der Hinterseite des Bahnhofs möglich.

Die 2007 erstmals gezeigte Wanderausstellung erinnert an die Deportation und den Mord an Juden sowie Sinti und Roma während der NS-Zeit. Sie zeichnet Einzelschicksale von Opfern und Tätern nach – so sollen vor allem Jugendliche einen neuen Zugang zum Thema erhalten. Auf Schautafeln mit vielen Fotos und kurzen Texten und mit einem Film zeigt sie die Geschichten vieler getöteter Kinder und Jugendlicher, die oft per Zug deportiert wurden. Die Ausstellung schafft eine intensive Atmosphäre, weil sie in drei verdunkelten alten Eisenbahn-Waggons aufgebaut ist. Im hintersten können Besucher selbst recherchieren, dort geht es auch um Opfer aus Grevenbroich.

Mittwochvormittag hatten unter anderem Schüler der Katholischen Hauptschule außerdem die Gelegenheit, mit einem Überlebenden zu reden. Der Jude Rolf Levy (81) entkam, weil er in Frankreich versteckt wurde, verlor aber seine Verwandten, die in Grevenbroich auf der Breite Straße wohnten. Ulrich Herlitz vom Geschichtsverein hatte das Schicksal unter anderem dieser Familie in Archiven recherchiert und den Kontakt zu einigen Zeitzeugen wie dem Rentner, der in Aachen wohnt, hergestellt.

Die Bahn beteiligt sich nicht: Im Bahnhofsgebäude weist nichts auf die Schau hin – außer dem Blick auf die historische Dampflok, die ein weit sichtbarer Blickfang auch für Zugreisende sein soll. Das Betreten des Zugs ist nur über den städtischen Parkplatz an der Rückseite möglich. Um das Abstellgleis zu nutzen, zahlt der Verein mehrere Hundert Euro Gebühren pro Tag an die Bahn-Tochter DB Netz. Die Bahn erklärt das mit rechtlichen Vorgaben. "Wir können keine Ausnahme machen", sagt ein Sprecher.

"Das ist haarsträubend", meint Hans-Rüdiger Minow vom Ausstellungsverein. "Seit die Ausstellung läuft, haben wir insgesamt mehr als 200 000 Euro aus Spenden an die Bahn überweisen müssen." Die Wirtschaftsbetriebe hatten den Zugang über den Parkplatz und einen Stromanschluss eingerichtet.

Quelle: NGZ
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