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Grevenbroich
Zwölf Hektar Wiesen für Vogel des Jahres angelegt

Grevenbroich. RWE Power schafft Wildwiesen in den Rekultivierungsgebieten. Sie locken Insekten und den Distelfinken an.

Wiese - das ist nicht der englische Rasen hinterm Haus oder auf dem Golfplatz. Auch nicht die öffentliche Grünfläche, auf der Kinder mit dem Fußball bolzen, oder die Weide, auf der Kühe grasen dürfen. Wiese - das ist ein seltenes Landschaftselement in unserer Region. Die Rekultivierung ehemaliger Bergbauflächen ist eine Chance, diesem besonderen Biotop-Typ Raum zu verschaffen.

Die Forschungsstelle Rekultivierung von RWE Power hat zum Beispiel in der Rekultivierung des Tagebaus Garzweiler, an der Indeaue und am Forum "Terra nova" bei Elsdorf insgesamt zwölf Hektar Wiesen angelegt. Sie stehen zurzeit in voller Blüte und ziehen nicht nur Nektar sammelnde Insekten, sondern auch andere Tiere an. Eines von ihnen ist der Stieglitz, auch Distelfink genannt und Vogel des Jahres 2016.

"Der Stieglitz bewohnt sogenannte Halboffenlandschaften. Das sind Wiesen und Hochstaudenfluren, die mit einem Anteil von Gebüschen und Gehölzen versehen sind", berichtet Gregor Eßer, Leiter der Forschungsstelle und Naturschutzbeauftragter von RWE Power. "Während die Gebüsche vor allem als Brutstätte und Singwarten dienen, sind die offenen Bereiche wichtige Nahrungsräume für den Stieglitz." Der Vogel pickt vor allem halbreife und reife Sämereien von Stauden und Wiesenpflanzen zusammen. Solche Nahrungsquellen sind in der auf Effizienz getrimmten Kulturlandschaft jedoch selten geworden. Daher hat die Forschungsstelle dieses Jahr gezielt zusätzliche solcher sehr artenreichen und samenreichen Wildwiesen im Umfeld gebüschreicher Landschaften angelegt. Weitere folgen. "Das Ergebnis gibt uns Recht. Der Stieglitz konnte in allen der neu angelegten Lebensräume beobachtet werden, teilweise sogar in größeren Stückzahlen. Aufgrund seines regelmäßigen Vorkommens können wir davon ausgehen, dass die Art dort auch brütet", sagt Gregor Eßer.

Der Stieglitz ist ein sogenannter Standvogel. Er bleibt ganzjährig und ist daher über alle Jahreszeiten auf Futter angewiesen. Seine Vorliebe gilt Samen von Wiesenkräutern, wobei er Distelsamen bevorzugt. Wo das Nahrungsangebot stimmt, siedelt er sich in großen Gruppen an. Auch andere Vögel, wie das Schwarzkehlchen, das Rebhuhn und die Schafstelze, profitieren nachweislich von den Wiesen und Hochstaudenflächen. "Die Insektenfauna auf den Stieglitzflächen ist augenscheinlich sehr artenreich. Somit hat die Maßnahme nicht nur einen positiven Effekt für den Vogel des Jahres erreicht, sondern auch die lokale Artenvielfalt erhöht", erklärt Gregor Eßer.

Für die Einsaat nutzen die Fachleute der Forschungsstelle unter anderem das sogenannte Heudrusch-Verfahren: Sie mähen zunächst eine schnittreife Wildblumenwiese in der Rekultivierung oder an anderer Stelle der Region ab. Das komplette Pflanzenmaterial einschließlich aller Samen wird umgehend auf einer anderen Fläche verteilt und in den Boden eingearbeitet. Auf diese Weise ziehen die Naturschützer eine Kopie der ersten Wiesen und verbreiten damit das standortgerechte Genmaterial in der Rekultivierung. In diesen Tagen werden auf diese Weise Flächen in der Rekultivierung des Tagebaus Garzweiler - an der Neubaustrecke der A 44 - eingesät.

Quelle: NGZ
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