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Gruiten
"Am Weinberg" - Historiker sucht nach Trauben

Gruiten: "Am Weinberg" - Historiker sucht nach Trauben
Das alte Foto zeigt das Haus um 1900. Noch bis 1987 gab es im Untergeschoss rechts einen Laden für - wie es 1927 hieß - Colonial-, Manufakturwaren, Zigarren, Zigaretten, Schulwaren, der für viele Gruitener fest mit dem Namen Elisabeth Klefisch verbunden ist. Keine der bekannten Werbeanzeigen des Ladens aus den Jahren 1927, 1931 und 1969 enthält die Bezeichnung Weinberg. FOTO: Gruitener Archiv
Gruiten. Das Gruitener Fachwerkhaus am Fuße der Anhöhe, auf der sich seit vielen Jahrhunderten der Friedhof um den alten Nikolausturm befindet, wird "Weinberg" genannt. Die Straße, an der es liegt, heißt Am Weinberg. Von Ralf Geraedts

Und spätestens ab 1983 konnte man in der Broschüre zum Historischen Lehrpfad Gruiten lesen: "Der Name 'Weinberg' deutet darauf hin, dass sich um das Haus und an den Hängen Weinstöcke befanden". In einer späteren Auflage heißt es unter Bezug auf säumige Weinlieferungen des dazu verpflichteten Gräfrather Stifts im 16. Jahrhundert sogar: So legte die Kirche eigene Weinstöcke an, um den Messwein selbst zu ernten. "Das geht weit über das hinaus, was Fritz Breidbach 1970 in seinem heute noch sehr bekannten Gruiten-Buch dazu geschrieben hat", erklärt Heimathistoriker Lothar Weller.

Die Spekulation über einen historischen Weinberg in Gruiten führte 2016 dazu, Am Weinberg unterhalb der alten Kirchhofsmauer Weinstöcke zu pflanzen. Heiner Wolfsperger, Hans-Josef Herring und Hans-Joachim Friebe pflückten im September erstmals die Trauben kelterten die Lese. Für die Zukunft kann sich Wolfsperger durchaus einen Gruitener Tropfen vorstellen,

Panorama von der Friedhofsmauer aus. Das Fachwerkhaus in der Mitte wird Weinberg genannt. Für einen historischen Weinberg in Gruiten gibt es nach heutigem Kenntnisstand keinen Beweis. FOTO: Weller

Aber mit Dokumenten lässt sich die Vermutung nicht untermauern, dass der Ortsname etwas mit dem Wein zu tun haben könnte, in dem doch die Wahrheit liegen soll. "Im Gegenteil: Neue historische Funde ergeben ein anderes Bild", stellt Lothar Weller fest.

Das Haus Weinberg wurde erst um 1810 gebaut. Vorher habe - so ist überliefert - auf dem Grundstück eine Scheune gestanden. "Davon, dass sie Weinberg genannt wurde, habe ich bisher keine Spur gefunden. Die Bezeichnung Weinberg findet sich erst um 1840-50 in einer Schornsteinfegerliste aus dieser Zeit (hier: an Weinberg) und in einer notariellen Nachlassregelung, bei der eine Teilung des Hauses zwischen den Erben vereinbart wurde (dort: zum Weinberg)." Dies sei überraschend, weil der Eigentümer des Hauses in seinem Testament von 1837, das die Grundlage für die Nachlassregelung bildet, diesen Namen gar nicht erwähnt, während er sein anderes Eigentum im Mettmanner Diepensiepen klar mit einem Namen benannte! "Der Erbauer des Hauses scheint den Namen Weinberg gar nicht gekannt zu haben", schließt Weller.

Der Text der Nachlassregelung und der dazu gehörende Teilungsplan von 1849 enthielten keinen Hinweis darauf, dass sich auf dem Grundstück ein Garten befunden hat, in dem Rebstöcke gestanden haben könnten. Nur von einem Hofraum sei dort die Rede. Der Weg vor dem Haus (heute: Am Weinberg) hat zu dieser Zeit noch keinen Namen; im Plan steht die neutrale Bezeichnung Fahrweg.

"Gänzlich ausgeschlossen ist, dass es damals Rebstöcke an der Stelle gegeben hat, an der die heutigen stehen. Dort stand nämlich mehrere Jahrhunderte lang bis 1902 ein Haus: Welschenhäuschen bzw. Welsche Mauer genannt", zeigt der Historiker auf. 1879 wird das Haus in einem Kaufvertrag noch einmal als zum Weinberg bezeichnet, aber schon kurze Zeit später lauten die Adressen des geteilten Hauses bis Ende der 1950er Jahre schlicht Dorf 100 und Dorf 101, ab Ende der 1950er Jahre dann Am Weinberg 5 und 7.

Quelle: RP
 
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