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Haan-Gruiten
Berufsschüler bauen besonderes Windrad

Haan-Gruiten. Vertikal ist die Achse des Windkraftanlage, die die Schüler mit ihrem Physiklehrer auf dem Dach der Waldorfschule installiert haben. Von Julia Puzalowski

Es sieht aus wie eine übergroße verschlungene Schraube, die sich dreht. Doch tatsächlich ist das Gebilde auf dem Dach der Waldorfschule ein vertikales Windrad. Berechnet, entworfen und gebaut haben das ungewöhnliche Windrad sechs Schüler der Abschlussklasse des Berufskollegs. Anlass dafür war die Aktion der Energieagentur NRW, die unter dem Stichwort "Schulen machen Wind" Windkraft-Projekte mit 500 Euro gefördert hat.

Eigentlich hatten sie ihr Fach-Abi längst in der Tasche. Trotzdem kamen die Schüler der technisch-wissenschaftlichen Abschlussklasse in den vergangenen zwei Wochen weiter zur Schule, denn das Windrad musste schließlich noch fertig werden: Dünne Drahtseile zur Stabilisation tauschten die Schüler gestern noch schnell gegen stärkere aus, und dem Windrad verpassten sie einen Farbstreifen in der Schulfarbe Rot.

Das schwerste Unterfangen hatten sie aber bereits hinter sich. Die vier mit Beton gefüllten Autoreifen, die als Füße dienen, wiegen je 70 Kilogramm. "Die haben wir an Seilen gemeinsam aufs Dach gehievt", berichtet Abschlussschüler Sebastian Grunwald. Ebenso wie die anderen Materialien Metall, Holz und Glasfaser-Gewebe. Insgesamt wiegt das 2,40 Meter hohe Windrad rund 400 Kilo. Unterstützung bei der Planung erhielten die Schüler von Physiklehrer Florian Schulz und bei der Umsetzung von Schmiede-Lehrer Udo Hoffmann. Dass das Windrad auf dem Flachdach der Werkstatt und nicht auf dem Haupthaus steht, hat aerodynamische Gründe. Das Dach ist höher und dort weht der Wind einfach am stärksten, wie die Schüler bei Messungen festgestellt haben. Dafür haben sie Windmesser auf den Dächern installiert und diese täglich per Fernrohr abgelesen. 21 Meter pro Sekunde war der höchste gemessene Wert, fünf Meter der durchschnittliche - um Strom durch Windkraft zu erzeugen, ist das relativ wenig.

Deswegen entschieden sich die Berufsschüler auch für die Form einer Doppelhelix. "Die hat zwar nicht so einen großen Wirkungsgrad wie die üblichen Propeller-Räder, aber sie läuft schon bei geringeren Geschwindigkeiten an", erklärt Physiklehrer Schulz. In Deutschland sei diese Form zwar selten, aber in China zum Beispiel seien diese Windräder üblich. In kleinem Format eigneten sie sich gut als mobile Stromlieferanten. Weitere Vorteile der ungewöhnlichen Form unterstreicht Schüler Julius Roskothen: "Es ist leiser als ein herkömmliches Windrad. Und es ist gleichgültig, aus welcher Richtung der Wind kommt."

Noch liefert das Windrad allerdings gar keinen Strom. Der Generator ist zwar schon gekauft, aber noch nicht angeschlossen. "Das soll die Aufgabe der nächsten Abschlussklasse werden", sagt Lehrer Schulz, der sich über Praxis im Unterricht freut. Die Schüler sollen sich dann nicht nur mit der Windgeschwindigkeit auseinandersetzen, sondern auch die Berechnung von Akkuleistung lernen. Schulz hat schon einmal vorgerechnet: "Die Maximal-Leistung liegt etwa bei 300 Watt." Das ins allgemeine Stromnetz einzuspeisen, würde sich nicht lohnen. Aber: "Damit können wir den ganzen Schulhof beleuchten."

Quelle: RP
 
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