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Haan
Bessere Chancen nach Herzstillstand

Haan. Förderverein spendet an St. Josef-Krankenhaus Thermogard-Gerät, das die Körpertemperatur senkt.

Vier bis fünf Minuten reichen - dann sind nach einem Herzstillstand schon die ersten Schädigungen im Gehirn zu sehen. Dagegen hilft Kälte: "Kälte bietet dem Gehirn nach einem Herzstillstand einen besonderen Schutz", sagt Dr. Thomas Ellermann. Dies sei durch mehrere Studien belegt, so der Kardiologe weiter, der selbst seit zwölf Jahren auch als Notarzt im Rettungsdienst unterwegs ist. Der Förderverein hat nun ein Gerät angeschafft, mit dem die Körpertemperatur exakt gesteuert werden kann. Mit dem Thermogard können Schäden am Gehirn nach einer Reanimation auf ein Minimum reduziert werden.

Die Entscheidung ist dem Vorstand um den Vorsitzenden Friedhelm Rüffer nicht schwer gefallen: "Der Thermogard hilft den Haanern genau dann, wenn sie es am notwendigsten brauchen - im akuten Notfall, wenn es im wahrsten Sinne um Leben und Tod geht."

Rund 17.000 Euro wurden dafür vom Förderverein zur Verfügung gestellt. "Mit der Finanzierung erfüllen wir deutlich die Zielsetzung des Vereins, das Krankenhaus ideell und finanziell zu unterstützen, besonders bei der Anschaffung von medizinischen Geräten, für die staatliche Unterstützung und die eigenen Mittel des Hauses oft nicht ausreichen, die aber für das Wohl der der Patienten von großer Bedeutung sind." Äußerlich ist der Thermogard eher unspektakulär, es sind seine inneren Werte, die ihn so besonders machen.

Über einen Katheter wird ein Ballonsystem in die Vene eingebracht. "Eine kühle Kochsalzlösung in den kleinen Ballons senkt die Temperatur des Blutes und damit des gesamten Körpers auf 34 Grad", erklärt Dr. Henning Henke, Chefarzt der Inneren Medizin. Ein Tag der medizinischen Kühlung sei in der Regel ausreichend, bis langsam und durch den Thermogard sehr dosiert wieder auf die Normaltemperatur hochgefahren werden kann. "Diese zwei bis drei Grad reichen, um das Gehirn wirksam zu schützen." Nicht nur nach einem Herzstillstand kann die Prozedur erforderlich sein - auch bei hohem Fieber beispielsweise bei einer Blutvergiftung kann die Temperatur ganz fein geregelt werden und so bleibende Schäden minimiert werden. "Das ist absolut fantastisch", freut sich Thomas Ellermann.

Damit im Notfall jeder Handgriff sitzt, werden Ärzte und Pflegekräfte im St. Josef-Krankenhaus Haan regelmäßig in Reanimation durch Rolf Möllmann-Gronau, Leiter der Intensivstation und Mega Code Trainer, sowie den Oberärzten einmal im Jahr nach den aktuellen ERC-Leitlinien geschult und ausgebildet. An einer Puppe wird so realitätsnah wie möglich praktisch geübt und die Abläufe trainiert - bis sie in Fleisch und Blut übergehen.

(arue)
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