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Haan
Caritas: In Haan fehlen Sozialwohnungen

Haan: Caritas: In Haan fehlen Sozialwohnungen
Die Unterkunft Deller Straße. Schon vor 15 Jahren gab es Forderungen, die desolaten Häuser abzureißen. Ein Verzicht scheint derzeit kaum möglich. FOTO: Staschik Olaf
Haan. Der Wohnungsmarkt in der Stadt Haan wird für sozial Schwache immer problematischer. Im Jahresbericht zum Betreuungsmanagement fordert die Caritas die Politik zum Handeln auf. Von Ralf Geraedts

Die Konkurrenz auf dem Wohnungsmarkt nimmt zu - auf jeden Fall im Segment der günstigen Wohnungen. Das stellt der Caritas-Verband für den Kreis Mettmann in seinem Jahresbericht 2015 zum Betreuungsmanagement in Haan fest. Seit Jahren kümmert sich der Verband um Wohnungslose und von Wohnungslosigkeit Bedrohte. Es werde immer schwieriger, für die meist alleinstehenden Menschen alternative Wohnungen zu finden. Hinzu kommt, dass auch Flüchtlinge auf den Wohnungsmarkt drängten. "Dadurch wird eine stärkere Selektion durch die Vermieter erfolgen", stellt Fachbereichsleiter Klaus Gärtner im Bericht fest, der morgen im Sozialausschuss beraten wird (17 Uhr, Rathaussaal).

Es bestehe politischer Handlungsbedarf. "Als erste Maßnahme müssen die Angemessenheitskriterien an die reale Situation auf dem Wohnungsmarkt angepasst werden." Das reiche aber nicht aus. Mittel- bis langfristig müsse neuer, angemessener Wohnraum geschaffen werden.

Nach den gültigen Regeln ist für eine Einzelperson eine Wohnfläche von 50 Quadratmeter bei einem Mietpreis von 275 Euro angemessen. Zwei Personen dürfen 65 Quadratmeter (357,50 Euro) bewohnen, drei Personen stehen 80 Quadratmeter (440 Euro) zu und vier Personen 95 Quadratmeter bei 522,50 Euro. "In diesem Preissegment ist es fast unmöglich, eine Wohnung zu finden", heißt es im Bericht nun.

Im Vorjahr wurden 19 Personen mit Wohnungen versorgt. 13 Personen konnten direkt aus der Präventionsberatung (2015 gab es 36 Klienten) vermittelt werden, ohne zuvor in die Notunterkunft zu müssen. Aus den Wohnungslosen-Unterkünften wurden sechs Personen in eigenen Wohnraum vermittelt.

Die Präventionsberatung beginnt in dem Moment, wenn eine drohende Räumung bekannt wird. Der Informationsfluss geriet im vorigen Jahr allerdings ins Stocken, weil das zuständige Amtsgericht eine veränderte Software einsetzt. Und so erfuhren die Sozialverantwortlichen in Haan mehrfach erst von der Zwangsräumung, als der Gerichtsvollzieher schon vor der Tür stand. Deshalb konnten im Vorfeld nur drei Räumungen verhindert werden.

Ende 2015 lebten 26 Wohnungslose in den städtischen Unterkünften - 6 im Haus Heidfeld, 20 in der Unterkunft Deller Straße. Damals wurden auch zehn Flüchtlinge in die Unterkunft Deller Straße zugewiesen; dadurch erhöhte sich die Zahl der dort einquartierten Flüchtlinge auf 18.

Die Caritas bezeichnet die Ausstattung der Häuser als "nach wie vor nicht ausreichend". Es gebe kein Mobiliar. Und auch die Beheizung der Räume über Kohleöfen oder Stromradiatoren "sehen wir als verbesserungsbedürftig an".

www.rp-online.de/haan

Quelle: RP
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