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Haan
Caritas macht Haaner Flüchtlingshelfer fit

Haan. Die "Aktion Neue Nachbarn" macht mit Kulturen vertraut.

Khaled senkt seinen Blick zu Boden, während er mit Ernst spricht. Da, wo er herkommt, ist das ein Zeichen des Respekts gegenüber Älteren. Ernst ist völlig irritiert. Er lebt ihn Haan. Für ihn gehört es zum guten Ton, bei Gesprächen den Augenkontakt zu suchen. Gerda weicht einen Schritt zurück. Die Distanz, die sie bei einer Begrüßung braucht um sich wohlfühlen, ist ungefähr doppelt so groß wie die der jungen Afghanin, die auf Gerda zugeht, um ihr herzlich die Hand zu schütteln.

An diesem Samstagvormittag beschäftigen sich die ehrenamtlichen Helfer der Caritas in Haan mit den Themen Kultur und Identität. Es ist eines von vier Modulen, mit denen der Caritasverband für den Kreis und das Katholische Bildungswerk Köln im Rahmen der "Aktion neue Nachbarn" den Ehrenamtlern Hilfestellung für ihre Arbeit mit Flüchtigen gibt. Denn im Alltag werden alle Beteiligten mit ganz besonderen Herausforderungen, Nöten und Bedürfnissen konfrontiert.

Seminarleiterin Schahrzad Farrokhzad, Professorin an der Fakultät für Angewandte Sozialwissenschaften der TH Köln, hält nichts davon, einen Kulturknigge für die tägliche Begegnung zu erstellen. "Was soll da drinstehen?" fragt sie: "Kulturelles Rezeptwissen ist kontraproduktiv und führt zu Fettnäpfchen. Den typischen Syrer oder Iraner gibt es doch gar nicht. Genauso wenig wie den typischen Deutschen." Zwischen Hanseaten und Bayern, Katholiken und Atheisten, Konservativen und Linken, traditionellen Ehen und Patchworkfamilien lägen schließlich auch Welten. Was für den einen Menschen völlig in Ordnung sei, empfinde ein anderer unter Umständen als übergriffig.

Gewürzt wird der Seminartag durch viele fröhliche und rührende Geschichten aus dem Alltag der teilnehmenden Helfer. Als ein syrischer Familienvater in der Kleiderkammer Kleider für seine Frau aussucht, denkt die Helferin angesichts der tristen Auswahl: Mit den langweiligen Sachen werde ich den Mann auf keinen Fall nach Hause schicken. "Bei uns in Deutschland suchen sich die Damen ihre Kleider selber aus", sagt sie freundlich, aber bestimmt. "Es wäre doch schön, wenn Ihre Frau mal mitkäme." Und der in Modeangelegenheiten sichtlich überforderte Gatte seufzt erleichtert: "Das ist eine gute Idee."

"Vieles lässt sich in der persönlichen Begegnung klären", zieht Schahrzad Farrokhzad Bilanz. "Das ist gar nicht schwierig. Hinwendung und Freundlichkeit sind universelle Werte." Für die Teilnehmer bleibt als Fazit: offen sein, Fingerspitzengefühl zeigen, sich auf jeden Menschen neu einlassen und manchmal eben auch die eigenen Unsicherheiten aushalten können - das ist das ganze Geheimnis.

Info bei Susanne Schad-Curtis unter Tel. 01 72 6761016 oder per E-Mail: schad-curtis@caritas-mettmann.de

(cis)
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