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Haan/Hilden
Die Geschichte eines besonderen Mahls

Haan/Hilden: Die Geschichte eines besonderen Mahls
Die Damen des Inner-Wheel-Clubs (von links, vorne): Renate Streier, Christa Rölfs, Gisa Schneider-Heiliger. Hinten: Gisela Braun, Gabi Probst, Gabi Becker, Gertrud Back und Christine Heinen. FOTO: Olaf Staschik
Haan/Hilden. Frauen aus den Kreisstädten laden behinderte Düsseldorfer zum Abendessen ein: Donnerstagabend gab es das bereits zum siebten Mal. Von Gökçen Stenzel

Die Freude ist nicht zu überhören. Melanie juchzt laut und lacht. Der Grund dafür liegt vor der 25-Jährigen auf dem Teller: eine Pizza, groß wie ein Wagenrad. Gleich wird sie sie essen, mit Hilfe eines Betreuers. Allein schafft die Rollstuhlfahrerin das nicht. Die junge Frau gehörte zu den 27 behinderten Düsseldorfern, die am Donnerstagabend zu Essen und Trinken und Plauschen in die Waldschenke "Zwölf Apostel" eingeladen waren, zusammen mit sieben Betreuern. Gastgeber war der Inner Wheel Club Hilden-Haan-Neandertal, der mit acht Frauen an dem Mahl teilnahm, das schon Tradition hat. Es fand zum siebten Mal statt und gehört sowohl für den Club als auch für die Gäste fest in den Terminkalender. Die Eingeladenen sind Bewohner des Ferdinand-Lentjes-Hauses in Hassels oder einer der Außenwohngruppen dort.

Und das kam so: Gertrud Back aus Erkrath, selbst Inner-Wheel-Dame, war bis 2011 die Leiterin des Hauses. Der Verein für Körper- und Mehrfachbehinderte ist der Träger der Einrichtung und belegt einen Teil der Wohnungen und Zimmer, die das Haus zu bieten hat. Er gibt behinderten Menschen die Möglichkeit, ihr Leben möglichst selbstbestimmt zu leben, auch im betreuten Wohnen. "Ich fand, es sei doch viel netter und persönlicher, gemeinsam Zeit zu verbringen als ,nur' eine Spende zu überreichen", erzählt Gertrud Back. "Dem stimmten alle zu, ein geeignetes Lokal wurde gefunden - und seitdem gibt es das Treffen." Für die Eingeladenen ist es immer verbunden mit einem aufregenden Ausflug: Kleinbusse von Fahrdiensten holen die Bewohner am Haus ab, bringen sie nach Hilden und wieder zurück. Der Trubel bei der Ankunft spricht für sich. "Einer der Männer hat mich gerade gefragt, wo ich im letzten Jahr gewesen bin", erzählt Renate Streier, "er hat sich erinnert, dass ich nicht dabei war." Andere begrüßen die Gastgeberinnen wie alte Freunde, die wiederum setzen sich an die langen Tische, zwischen ihre Gäste. Während alle aufs Essen warten, erzählt die 27-jährige Laura, dass sie nun in einer eigenen Wohnung lebt, zusammen mit ihrem Freund. "Einmal in der Woche besucht meine Betreuerin Karin Klesper mich und wir besprechen alles." Diese sitzt während des Essens neben Laura und hat dasselbe Gericht bestellt: Salat Mona Lisa.

"Normalerweise kommt das Geld, das für den Abend benötigt wird, beim Weihnachtsbasar in Hilden zusammen", sagt Christa Rölfs vom Club. "Wir teilen es ja immer auf und spenden es an mehrere Einrichtungen." Der Basar im Bürgerhaus ist sehr beliebt und jedes Jahr aufs Neue erfolgreich. Diesmal aber, diesmal kam das Geld aus einer anderen Quelle. Club-Mitglied Christine Heinen hatte bei ihrem runden Geburtstag auf Geschenke verzichtet und stattdessen um Spenden gebeten. Davon wurde das besondere Mahl jetzt finanziert. Zum Dank gab es ein Ständchen aus 41 Kehlen, erst auf Englisch, dann auf Deutsch.

Danach ließ sich wirklich niemand mehr abhalten von Pizza und Salat, Grillteller und Schlemmerpfännchen, Schnitzel und Shrimps.

Quelle: RP
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