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Haan
Firmen sind ohne Telefon und Internet

Haan: Firmen sind ohne Telefon und Internet
Wenn Michael Franz (r.) Ersatzteile bestellen will, hat er oft mit Leitungsproblemen zu kämpfen. - Thorsten Schmidt ist froh, noch alte ISDN-Anschlüsse zu haben. Doch auch da nehmen Störungen zu. FOTO: Staschik
Haan. Einige Anwohner der Flurstraße können nur mit Glück telefonieren. Das Problem ist bekannt. Aber niemand hilft. Von Ralf Geraedts

Es ging eigentlich um die Möglichkeiten des Breitbandausbaus in Haan. Im Mittelpunkt der Sitzung des Wirtschaftsförderungsausschusses aber standen plötzlich Bürger von der unteren Flurstraße, die froh wären, zuerst einmal verlässlich telefonieren zu können. Und wenn dann noch die Datenleitungen so schnell wären, wie sie von der Theorie längst sein sollten, dann wäre für sie der niedrigste Level der Zufriedenheit erreicht.

Bodenleger Dirk Kurtkowiak (Flurstraße 133) sagte, er könne im Büro keine Computerarbeit machen, nutze dafür stundenweise Räume bei einem Kunden. "Das ist doch peinlich!" Michael Franz (Flurstraße 135) kämpft seit über einem Jahr um eine zeitgemäße Kommunikationsleitung. Der selbstständige Kfz-Meister kann kaum noch Ersatzteile bestellen, weil das nur online möglich ist. Und telefonisch ist er kaum zu erreichen - Kunden hören Freizeichen, bei ihm klingelt aber kein Telefon, und auch der Router meldet keine Anrufe in Abwesenheit.

Von den 16 Mbit, die seine Leitung eigentlich vertraglich liefern soll, werden an guten Tagen 2 bis 3 MBit im Download erreicht, im Upload nur bis zu 58 kBit. Da brechen immer wieder Telefongespräche ab. Thorsten Schmidt (Flurstraße 137) erhält immer öfter Hinweise, dass er als Sanitär-Großhändler nicht erreichbar sei. Sein Telefon klingele auf Festnetz jedoch teilweise nicht und Anrufer, die ihn per Kurzwahl anrufen, landeten bei anderen Unternehmen.

Die drei Gewerbetreibenden haben kein Verständnis für die Zustände. Zumal Schaltkästen für schnelle Datenleitungen nur etwa 70 Meter von ihren Firmen entfernt stehen und Anlieger auf der Nordseite der Flurstraße über 100 MBit-Leitungen verfügen könnten und die meisten Häuser ringsum mit 50 MBit und sogar Kabelanschluss versorgt sind.

Drei Grundstücke aber sind nach Aussagen von Messtechnikern auf 3,6 Kilometer langen Kupferdrähten angeschlossen (dürften also an der alten Vermittlungsstelle Kirchstraße hängen), die Leitungsverluste summieren sich auf 58 Prozent. Vermutlich steigt deshalb moderne Technik aus. "Zum Glück habe ich noch alte ISDN-Leitungen", ist Thorsten Schmidt froh, obwohl ja auch bei ihm Probleme zunehmen. Die anderen sind auf Anraten der Telekom-Techniker auf Voice over IP-Technik umgestiegen - die braucht Bandbreite, die aber am Gewerbemischgebiet Ginsterweg nicht zur Verfügung steht. Die Anlieger fühlen sich von den Anbietern und auch von der Wirtschaftsförderung der Stadt im Stich gelassen. Für Kopfschütteln sorgte der Vortrag der Breitband-Gutachter, die vortrugen, nur 56 Grundstücke in Haan würden als unterversorgt gelten; der Aufwand, sie anzubinden, sei aber in Summe so gering, dass es keine Bundeszuschüsse zu erwarten gäbe. Die Gutachter-Aussagen basierten aber auf Angaben der Telekom über ihr Ausbaupläne, die ja nicht unbedingt umgesetzt werden müssen. Und es wurde deutlich, dass das aufgelegte Bundesprogramm zum Breitbandausbau mit einem Umfang von 4,5 Milliarden Euro nicht zielführend sein dürfte; zumindest sind erst 30 Millionen Euro abgerufen. "Da sollte die Bundestagsabgeordnete Michaela Noll doch mal in Berlin über zweckdienliche Förderbedingungen sprechen", findet Thorsten Schmidt.

Udo Greeff (CDU) mahnte pragmatische Lösungen an. Die Stadtwerke könnten doch Leerrohre legen und die Telekom Kabel durchziehen. "Wo die Stadt helfen kann, da wird sie das tun", versicherte Ausschussvorsitzender Walter Drennhaus (SPD) am Ende. Darauf sind die Bürger gespannt.

Quelle: RP
 
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