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Analyse
Asyle: Anwohner fürchten Konflikte

Flüchtlinge in Haan: Anwohner fürchten Konflikte
Als im Februar 2014 der Sozialausschuss die zur Flüchtlingsunterkunft umfunktionierte alte Grundschule Bachstraße besichtigte, war noch niemandem klar, wie sehr sich die Situation verschärfen würde. FOTO: Staschik
Haan. Für die Flüchtlinge in Haan muss mehr getan werden als sie nur unterzubringen. Sicherheit ist spätestens seit dem Einsatz am 12. August vor der Unterkunft an der Bachstraße ein wichtiges Thema. Von Alexandra Rüttgen

In Anwohnern, die am Mittwochabend, 12. August, den Polizeieinsatz vor dem Flüchtlingsheim an der Bachstraße beobachteten, wuchs ein mulmiges Gefühl. Rund 15 Männer südländischer Herkunft hatten das Gelände betreten, suchten offenbar Streit mit Bewohnern. Die lautstark ausgetragene Randale, bei der auch die Eingangstüre der Unterkunft beschädigt wurde, beendete die Polizei einem Bürger zufolge (Name der Redaktion bekannt) mit gezückten Waffen.

Ein solcher Anblick löst in den Beobachtern Befremden, Sorge und Angst aus. Die Zahl der Flüchtlinge in Haan wächst Monat um Monat um je 30 Personen. War bis vor kurzem noch davon die Rede, in der innerstädtisch gelegenen Landesfinanzschule lediglich 60 Flüchtlinge unterbringen zu wollen, sind es jetzt fast 200. Von "Verdichtung" spricht die Stadtverwaltung für alle Flüchtlingsstandorte und muss doch selbst mit einem unguten Gefühl zusehen, wie das von ihr einst für gut befundene, sozial verträgliche Maß weit überschritten werden muss, um die der Stadt Haan zugewiesenen Flüchtlinge noch irgendwie unterzubringen. Es liegt auf der Hand, dass diese "verdichtete" Unterbringung intensiver begleitet werden und über die punktuellen Besuche der ehrenamtlich arbeitenden Caritas und die Streifenfahrten der Polizei hinausgehen muss.

Willkommenskultur: Diese Menschen helfen Flüchtlingen FOTO: RP

Die Einrichtung von vier neuen Hausmeisterstellen zur Umsetzung eines 24-Stunden-Bereitschaftsdienstes in allen Unterkünften schlägt die Stadtverwaltung vor. Für die einen zu teuer, für die anderen noch zu wenig. So wächst beispielsweise auch an der Bachstraße ein Konzentrationspunkt, wenn im ehemaligen VHS-Gebäude sowie der Turnhalle weitere Flüchtlinge untergebracht werden sollen.

"Die Kita Bachstraße wäre damit links und rechts von Flüchtlingen umringt", gab CDU-Ratsherr Tobias Kaimer im Sozialausschuss zu bedenken. "Das sind insgesamt 230 Flüchtlinge in Unterhaan. Da weiß ich nicht, ob es einfach mit einer 24-Stunden-Rufbereitschaft getan ist." Und Meike Lukat (WLH) betonte: "Die Willkommenskultur fängt in dem Moment an zu bröckeln, wenn sich die Nachbarn nicht mehr sicher fühlen." Lukat forderte daher im Sozialausschuss erneut nachdrücklich einen Sicherheitsdienst. Damit sprach sie einigen der 50 Zuhörer aus dem Herzen: "Was ist da für ein Sicherheitsdienst geplant?", fragte eine Bürgerin, die die Diskussion verfolgte: "Kann dieser Sicherheitsdienst auch unsere Kinder schützen?" Auf dieses Gefühl der Unsicherheit muss die Stadt reagieren, denn "die Erstellung eines Sicherheitskonzeptes ist Aufgabe der Stadt Haan; die Polizei wirkt hieran nicht mit", erläutert Jörg Janke, Leiter der Polizeiwache in Haan. Auch an einem Sicherheitsdienst sei die Polizei nicht beteiligt, er ist kommunale Aufgabe. Jankes Angaben zufolge werden "die Flüchtlingsunterkünfte im Rahmen des täglichen Streifendienstes sowie durch die zuständigen Bezirksbeamten regelmäßig aufgesucht, um dort nach dem Rechten zu sehen." In der Regel muss die Polizei wegen Streitigkeiten, Ruhestörungen oder Körperverletzungen eingreifen. "In allen Unterkünften des Stadtgebietes gab es von Anfang Januar bis Ende Juli dieses Jahres lediglich 25 Einsätze." Lediglich heißt: Ein größeres Problem sieht die Polizei nicht.

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Dennoch muss die Stadt Geld in die Hand nehmen: Sollte die Turnhalle der Grundschule Unterhaan tatsächlich belegt werden, ist ein 24-Stunden-Sicherheitsdienst vorgeschrieben. Am 1. September beschäftigt sich der Haupt- und Finanzausschuss mit dem Thema.

Quelle: RP
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