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Haan
Flüchtlinge: Vermieter brauchen Geduld

Fotos: Eine Nacht in der Düsseldorfer Flüchtlingsunterkunft
Fotos: Eine Nacht in der Düsseldorfer Flüchtlingsunterkunft FOTO: Bernd Schaller
Haan. Der Haaner Jürgen Wies hatte der Stadt eine Wohnung angeboten - und vermisste eine Rückmeldung. Von Alexandra Rüttgen

Das könnte passen, dachte Jürgen Wies. Der Haaner besitzt eine zirka 70 Quadratmeter große Wohnung im dritten Stock eines Mehrfamilienhauses an der Feuerbachstraße. Das Haus ist 30 Jahre alt, der Renovierungszustand gut, das Badezimmer ist neu gemacht, die Fenster sind wärmegedämmt. Diese Wohnung könnte doch auch gut für eine Flüchtlingsfamilie geeignet sein, meinte der 72-Jährige.

Auf dem Wochenmarkt kam er mit dem Ratsherrn Klaus Mentrop (CDU) ins Gespräch, bot ihm stellvertretend für die Stadt Haan die Wohnung an. Mentrop setzte sich einen Tag später, am Sonntagmorgen, 16. August, 10.32 Uhr, an den Computer und schrieb dem Leiter des Sozialamtes, Udo Thal, ins Rathaus eine entsprechende Mail. Der antwortete Mentrop - ebenfalls am Sonntag - nur 14 Minuten später und versprach: "Ich werde mich um die Sache kümmern."

FOTO: Staschik

Doch seither "hat sich das Sozialamt nicht mehr bei mir gemeldet", berichtet Jürgen Wies. Die Wohnung hat der pensionierte Lehrer zwischenzeitlich anderweitig vergeben. Drei Wochen lagen zwischen seinem Angebot und dem Einzug. Wies hätte auch noch länger warten, den Mietausfall verschmerzen können. "Aber ich laufe niemandem hinterher", sagt er enttäuscht.

Marica Basic, Flüchtlingsbetreuerin bei der Caritas, wirbt um Verständnis. Nach Aufrufen der Stadtverwaltung haben zwischenzeitlich mehrere Haaner leer stehende Wohnungen angeboten. Die Stadt melde sie an die Caritas weiter, die die Wohnungen besichtigt und dann prüft, ob es Familien gibt, die ausziehen dürfen und für die die Wohnungsgröße passt. Das ist nicht immer der Fall. 70 Quadratmeter sind für eine dreiköpfige Familie geeignet, doch zurzeit werden eher Wohnungen für Alleinstehende oder für größere Familien gesucht, sagt Basic. Der deutsche Zuschnitt von Wohnungen für Familien mit nur einem Kind passt eben nicht immer auf Flüchtlingsfamilien. "So viele Familien mit nur einem Kind haben wir nicht, das entspricht nicht unserer Realität."

Fotos: Große Hilfsbereitschaft am Dortmunder Hauptbahnhof FOTO: dpa, mjh

Sie habe Verständnis dafür, "dass die Leute sofort vermieten wollen, aber das geht nicht so schnell". Daher sei bei der Wohnungsvermittlung Geduld angesagt. Das weiß nun auch Jürgen Wies. Er regt indes an, dass Bürger eine Rückmeldung erhalten: "So gar nichts zu hören, das ist der Punkt", sagt er. Das bedauert Sozialamtsleiter Udo Thal: "Normalerweise bekommen die Bürger eigentlich sehr schnell eine Rückmeldung", sagt er auf RP-Anfrage. Warum das in diesem Fall nicht geschehen sei, könne er nicht nachvollziehen. Für Rückfragen und Wohnungsangebote steht Thal unter Telefon 02129 911-430 zur Verfügung. Zwischenzeitlich hat die Stadt Haan außerdem ihre Homepage überarbeitet. Unter www.haan.de sind unter dem Stichwort "Betreuung für Flüchtlinge" Ansprechpartner der Stadt Haan und der Caritas sowie soziale Einrichtungen wie die Kleiderkammer und die Ehrenamtsbörse für Haan und Gruiten aufgeführt. Weitere Informationen zum Thema sollen folgen, wird auf der Homepage versprochen.

Die Politik hatte die Stadt Haan dazu aufgefordert, die Bürger auf der Homepage der Stadt ähnlich wie in Hilden über das Flüchtlingsthema und Kontaktadressen aufzuklären. Auch die katholische Kirche hat einen gut aufbereiteten Internet-Auftritt mit Kontaktadressen und Ansprechpartnern. Persönlicher Kontakt ist jeden Samstag ab 15 Uhr im "Café International" Haus an der Kirche, Kaiserstraße 40 möglich: Dann treffen sich Flüchtlinge und Haaner zu Kaffee, Klönen, Spielen.

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Quelle: RP
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