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Haan
Gestaltungsfibel beugt Bausünden vor

Haan. Stadtplaner haben einen Leitfaden entwickelt, der das Ortstypische der Bebauung und das bauhistorische Erscheinungsbild der Haaner Innenstadt verbessern helfen soll. Von Eike Hövermann

Bereits im November 2015 hat der Haaner Rat das "Integrierte Handlungskonzept Innenstadt Haan" beschlossen. Dazu gehörte im Bereich "Städtebauliche Gestaltung und innerstädtische Plätze" das Erstellen einer sogenannten Gestaltungsfibel, die den Bürgern, der Verwaltung, Investoren und Bauherren einen Instrumentenkoffer mit Hilfestellungen bei der Gestaltung baulicher Anlagen an die Hand geben soll.

Jetzt wurde die Gestaltungsfibel, die die Stadt in Zusammenarbeit mit dem Stadtplanungsbüro "Norbert Post und Hartmut Welters" mit Sitz in Dortmund und Köln erstellt hat, den Bürgern im Sitzungssaal des Rathauses vorgestellt. "Es geht um das Ziel, die Innenstadt aufzuwerten und positiv zu gestalten", sagte Anne Jentgens vom Planungsbüro. Dabei gehe es vor allem um den Erhalt wertvollen baulichen Erbes aber auch um eine Attraktivitätssteigerung beispielsweise für den Einzelhandel.

Hierfür hat der Dienstleister das Stadtbild analysiert und herausgestellt, was typisch für Haan ist. Dazu gehört nach Ansicht der Stadtplaner unter anderem der bergische Schieferstil der Vorkriegszeit, der sachliche Stil der Nachkriegsjahre sowie Neubauten ab den 1980er Jahren und sogenannte "kritische Stadtrekonstruktionen", wie Ergänzungen und Lückenfüller.

Die Gestaltungsfibel soll nun dafür sorgen, dass sich zukünftige Bauten und Umbauten dem typischen Haaner Stadtbild anpassen und dass Bausünden vermieden werden. Dass es da bereits sehr konkrete Vorstellungen gibt, zeigte die präsentierte, noch vorläufige, Fibel. Da gibt es viele bebilderte Beispiele im Bereich der Gestaltung von Häuserfassaden, der Einheit von Erd- und Obergeschoss, Werbeanlagen von Einzelhandels-Betrieben (Größe, Menge, Art) oder auch der Gestaltung von Geschäftsauslagen, wie in Zukunft im Sinne eines attraktiveren Stadtbildes damit umgegangen und was vermieden werden sollte. Als Negativbeispiele wurden Überformungen von prägenden Objekten (Balkone, Erker) sowie grelle Farben sowohl bei Hausfassaden als auch bei Werbeelementen genannt.

Das vorgestellte Konzept warf natürlich Fragen unter den anwesenden Bürgern auf. "Lässt sich rückwirkend Einfluss auf Bauten nehmen?", war eine Frage. Das verneinte Jentgens. Daraufhin kam die Frage in den Raum ob es möglich wäre "die zum Teil doch recht unschönen Bauten am Neuen Markt beispielsweise mit Bepflanzungen zu verschönern." Dies sei nach Angaben der Stadt aber nicht Teil der jetzigen Planung.

Dass ein Wandel in Haans Innenstadt gewünscht ist, zeigte die Aussage, dass die Pläne des Stadtplanungsbüros einen "Rettungsring für das Stadtbild" darstellen könnten, fand einer der anwesenden Bürger. Aber eben nur wenn die Leitlinien, "wie so viele Planungen in Haan", mit der Zeit nicht im Sande verlaufen und obendrein für zukünftige Bauten bindend würden.

Ob die Leitlinien der "Gestaltungsfibel" auch über reine Empfehlungen hinaus, als bindende Vorgaben, Anwendung finden könnten, darauf wollten sich die Planer nicht festlegen. Die Leitlinien seien aber die theoretische Grundlage, um aus ihnen auch Satzungen zu entwickeln. "Die Gestaltungsfibel bietet kein rechtliches Instrument für Änderungen im Sinne der Leitlinien" und sei zunächst einmal dafür da, bei Neubauten auf diese hinzuweisen, sagte Jens Lemke, Vorsitzender des Ausschusses für Stadtentwicklung, Umwelt und Verkehr, der auf die politische Diskussion zum Thema verwies, die zeigen würde "ob sich das Konzept verfestigt oder ob es bei Leitlinien bleibt."

Quelle: RP
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