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Haan
Haanerin zeigt Schicksalsorte

Haan: Haanerin zeigt Schicksalsorte
Marion Braunschweiger-Heuschkel erläutert am Alten Kirchplatz die wissenschaftlichen Erkenntnisse zu den dort bestatteten Äbtissinnen. FOTO: ola
Haan. Aus Anlass des Weltfrauentages bot die Volkshochschule eine besondere Führung durch Haan. Von Gundel Seibel

Wer auf der Kaiserstraße 37 in Haan aufgewachsen ist, weiß gewiss mehr über die Geschichte Haans im vorigen Jahrhundert als viele andere Menschen. Tatsächlich stand nämlich an dieser Adresse, wo heute das Zentralgebäude der Stadt Sparkasse Haan steht, früher das Elternhaus von Marion Braunschweiger-Heuschkel, die am Sonntagvormittag im Auftrag der VHS Hilden/Haan durch die Haaner Innenstadt führte. Thema des Spaziergangs: Spurensuche nach Frauenschicksalen in Haan - Frauengeschichten eben.

Der Alt-Haanerin folgten viele interessierte Frauen und ein Mann. Anlass dieser Veranstaltung ist der heutige Weltfrauentag. Im 19. Jahrhundert nämlich demonstrierten erstmalig in New York Frauen gegen unzumutbare Arbeitsbedingungen. Marion Braunschweiger-Heuschkel wusste zu berichten, dass um die vorige Jahrhundertwende in einem noch heute existierenden Haus an der Haaner Elberfelder Straße insgesamt 60 bis 80 junge Mädchen aus dem Westerwald untergebracht waren, die als Weberinnen bei Haaner Webereien beschäftigt waren.

Gleichzeitig gab es auf der Kaiserstraße (in der ehemaligen Finanzschule) ein Versorgungshaus für ledige Mütter mit Säuglingen, das von Steyler Missionsschwestern geleitet wurde. Aber auch von Selma Pickhardt war beim "Frauengeschichten -Rundgang" die Rede. Sie war etwa um die gleiche Zeit Wirtin im Becherhus. Emil Barth, der renommierte Haaner Geschichten-Erzähler hatte in seinen Jugenderinnerungen von einer Wirtin gesprochen, die von "Putzteufel und Geiz" besessen war.

Die Männer jedoch schwärmten von der gemütlichen Kneipe, in der man "die Luft mit dem Messer schneiden" konnte. Eine tüchtige Frau jedenfalls muss sie gewesen sein. Und von Karoline Kirschbaum war die Rede, die Bäuerin von Gut Stöcken. Die war verheiratet mit Jakob Litsch. Der war Post-Angestellter und lieferte seine Briefe und Pakete mit einer Schubkarre an die Kunden aus. Das war zuweilen harte Arbeit. Die kräftige Karoline ließ sich vor die Karre spannen und zog das Gefährt durch den Matsch und vorbei an nahenden Wildschweinrotten.

Diese Geschichte stammt übrigens aus der Feder von Enkel Jakob Litsch (gleicher Name), bekannter Haaner Heimatgeschichten-Erzähler. Wichtiges Thema der Haaner neueren Geschichte, die Marion Braunschweiger-Heuschkel interessant und anschaulich erzählte, war die "Unabhängigkeits-Demo" im Jahre 1974. Weder zu Solingen noch zu Wuppertal wollten Haaner und Gruitener eingemeindet werden. Mehrere Busse wurden gemietet, die Frauen zogen ihre Sonntagskleider an und in Pumps ging es zur Kö und zum Landtag, um zu demonstrieren.

Ein Lied war komponiert worden und "Haan bleibt Haan" wurde hundertfach gesungen. Einige der Rundgang-Teilnehmerinnen waren damals dabei.

Quelle: RP
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