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Haan
In Haan wächst der Günsel aus der Hose

Haan: In Haan wächst der Günsel aus der Hose
Peter Kannemann hinter den drei "Toten Hosen". Den ebenfalls bepflanzten Rucksack unter der ausrangierten Parkbank holten die städtischen Gärtner aus dem Müll. FOTO: Ralph Matzerath
Haan. Plumpaquatsch kann nun wirklich nichts dafür. Die beliebte Kinder-Fernsehfigur aus den 1970er-Jahren fristet ihren Altersruhestand im Münchner Stadtmuseum und hat mit den "Toten Hosen" in Haan nichts gemein. Von Alexandra Rüttgen

"Tote Hosen"? Peter Kannemann, städtischer Gartenbaumeister, nennt so selbst die Kreation seines Teams, in der das Haaner Satiremagazin "Kommando Kikeriki" eine Ähnlichkeit mit Plumpaquatsch entdeckte.

Gemeint sind die . . . nun ja, Skulpturen? Werke? . . . an der Kaiserstraße, direkt gegenüber der Post. Auf einer Parkbank sitzen drei ausgestopfte Hosen, die Beine in Gummistiefel gesteckt. Sie sind ausgefüllt mit Blumenerde. Und da, wo eigentlich der Oberkörper sein müsste, wachsen Rotblättriger Günsel, hängender Rosmarin, Tränendes Herz, Wolfsmilch, Thymian und Ziergräser aus dem Hosenbund.

Kunst? Nein, das wollen diese Gestalten nun wirklich nicht sein, sagt Kannemann. "Aber was wir wollten, ist ein bisschen zum Nachdenken anregen, was man mit Stadtbegrünung so alles machen kann."
Das ist Kannemann sowie seinen Kollegen Nicola Wittenstein und Frank Schmiddinghoff gelungen - und nicht zum ersten Mal.

Kannemann nennt weitere Beispiele kreativer Gartenkunst. So gestaltete das Team im Park Ville d'Eu mit bunten Blumen eine französische Flagge. Der Schriftzug "Gartenstadt" prangt am Kreisverkehr Allee-/Nordstraße. Und am Neuer Markt haben die Stadtgärtner einen Baum verkehrt herum eingepflanzt, mit den Wurzeln nach oben, "damit die Leute mal sehen können, wie das Wurzelwerk eines Baumes aussieht", erklärt Kannemann.

Zurzeit hängen Ostereier daran.

Vor den Toten Hosen jedenfalls bleiben die Passanten stehen und zücken die Handy-Kamera. Nicht jedermanns Geschmack ist allerdings getroffen: Haans Satiremagazin "Kommando Kikeriki" - dahinter steckt der Künstler Wolf de Haan - zeigt sich unter dem Titel "Wenn Gartenkunst in der Gartenstadt voll in die Hose geht" wenig begeistert. "Man kann jeden Anspruch an die ,Gartenstadt' auf der kleinsten Grünfläche verplempern. Von Spießers Gartenzwergen im Vorgarten unterscheidet sich dieses Hosen- und Plumpaquatsch-Gebilde nur vom Austragungsort."

Autsch. Das tat weh. Kannemann und seine Mitarbeiter mussten ins Rathaus zum Rapport. Erstmals. Selbst der umgedrehte Baum hatte nicht so viel Furore gemacht. Bürgermeisterin und Technischer Dezernent prüften das Werk und gaben am Ende dann doch grünes Licht. Nicht jedoch ohne die städtischen Gärtner darum zu bitten, sich kreative Werke von der Rathausspitze künftig absegnen zu lassen, BEVOR größerer Ärger entsteht.

Die gebrauchten und eigentlich schon ausrangierten Hosen des Stadtgärtner-Teams sind übrigens imprägniert und mit der Bank verschraubt. So kann sie niemand stiebitzen. Bis zum September soll die Gruppe nun so stehen bleiben. "Zur Kirmes ist sie dann definitiv weg", kündigt Kannemann an.

Peter Püschel, Vorsitzender des Vereins "Kunst in der Stadt Haan" sieht darin kein Problem: "Ich finde das ganz originell. Es bringt die Leute dazu, darüber zu diskutieren", sagt er. Er selbst würde das Ensemble "nicht als Kunst bezeichnen". Es erinnere ihn vielmehr an die Werke der Strick-Guerilla, die eine Zeit lang vom Laternenmast bis zur Parkbank alles im öffentlichen Raum mit selbst gestricktem Textil verhüllte.

Zwei weitere Ideen für kreative Gartenstadtgestaltung haben die Stadtgärtner bereits.

Da sag' noch mal einer, in Haan sei alles Tote Hose.

 
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