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Haan
Innenstadt wird zur Freihandels-Zone

Haan: Innenstadt wird zur Freihandels-Zone
Franco Desiati aus Hilden schaut sich bei Jürgen Henning (r.), eine alte Säge genau an. Hennig ist seit Jahrzehnten beim weihnachtlichen Trödelmarkt aktiv. FOTO: Staschik
Haan. Seit 42 Jahren ist der erste Advent in Haan der Tag des weihnachtlichen Trödelmarktes. Er lockte Hunderte in die Stadt. Von Gundel Seibel

20 Euro für drei mal drei Meter Verkaufsfläche haben etwa 100 Trödelmarkt-Beschicker bezahlt, um am 43. Haaner Hobby-Trödelmarkt teilnehmen zu können. "Gewerbliche Händler werden seit jeher nicht zugelassen", sagt Teddy Henschke vom organisierenden Verein Närrische Zelle. Weniger Händler seien es gegenüber den Vorjahren, weiß Henschke. Aber zufrieden sei man trotzdem, denn mehr Besucher seien gekommen. Das bisschen Nieselregen habe die Käufer nicht abgeschreckt.

Und wenn man die prall gefüllten Einkaufstaschen sieht, scheint auch viel gekauft worden zu sein. "Die Leute sind wählerischer geworden", ist die Erfahrung von Hajo Schmidt, dem langjährigen überzeugten Trödelmarkt-Verkäufer. "Wenn der Koffer oder die Plastikbox bekannte Markenartikel sind, gehen sie sofort weg", fügt er hinzu. Spaß mache der Trödelmarkt, sind er, seine Tochter und seine Lebensgefährtin sich sicher. Wer kein eigenes Zelt mitgebracht hat, freut sich über ein Geschäftsvordach. Wer nichts von beiden hat, muss damit leben, dass die Gegenstände im Laufe des Tages feucht werden. Das macht dem Klodeckel aus Plastik mit integriertem Stacheldraht nichts aus. Den wollen Gryt Chuentim und seine Großmutter Heidi Schade verkaufen, Preis egal. Nach seinem Studium an der Humboldt-Universität in Berlin ist Gryt jetzt Kite-Surf-Lehrer an der Ostsee. Frische Haaner Luft musste er jetzt unbedingt mal schnuppern. Unter anderem mitgebracht hat die Haaner Familie ein Familientrödel-Plakat aus dem Jahr 1976. Der Haaner Maler und "Erfinder" des Trödelmarktes, Wolfgang Niederhagen, hatte es seinerzeit entworfen. Er kam an den Verkaufsstand, um die befreundete Familie zu begrüßen.

Zum ersten Mal hat auch der CVJM Haan einen eigenen Stand. Linda Schrock hatte die Idee und Fördervereins-Vorsitzende Sina Lorenz und fünf weitere Jugendliche verkauften Glühwein, Kinderpunsch und Erbsensuppe. Es galt, das Projekt "Stark für die Jugend" zu unterstützen. Bruno Krause-Burbulla aus Erkrath war mit Frau und Sohn nach Haan gekommen. Der mit Nikolaus-Mütze ausgestattete Vater hatte diverse Spiele für Kinder und Enkelkinder erstanden. "Das Angebot ist nicht mehr so toll wie früher", sagt er, "aber es ist ok.". Eine ganz erfahrene Trödelmarkt-Fachfrau ist Brigitte Schemmerling, denn seit 40 Jahren ist sie dabei. Sie weiß es genau: 480 Beutel Spritzgebäck hat sie 2016 hergestellt. Jeder kostet 1,90 Euro. 31 kg Mehl hat sie dafür verarbeitet. Viele Kunden haben ihre Vorbestellungen bereits abgeholt. Seit 3.30 Uhr nachts ist sie vor Ort und wirkt fit . Auch die alte Haanerin Annemarie Göttling muss jedes Jahr hierher kommen. "Es ist nicht wie früher", sagt sie wehmütig. Familie Kölsch verkauft unter anderem Produkte des eigenen Gartens, wie Lorbeerblätter, Quittengelee und Adventsgestecke. Die Bio-Walnüsse vom westfälischen Großvater sind schon ausverkauft. Und die Babysocken mit Körnerfüllung, die in der Microwelle erwärmt werden, finden schnell Absatz. Eine andere Verkäuferin will einen 30 Jahre alten Pernod an den Genießer bringen. Zunächst fehlgeschlagen, der Bieter will nur 7 Euro bezahlen. Die Verkäuferin bleibt bei 10 Euro. Fröhlich backen angehende Abiturienten des Haaner Gymnasiums Waffeln, die für 1 Euro reißend Absatz finden. Der Abi-Ball schein zumindest teilfinanziert.

Quelle: RP
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