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Haan
Jetzt hat Gruiten seinen eigenen Wein

Haan: Jetzt hat Gruiten seinen eigenen Wein
Hans Joachim Friebe, Reiner Nieswandt, Heiner Wolfsburger und Christoph Hickstein stoßen an. FOTO: ola
Haan. Am Nikolausturm pflanzten Liebhaber des edlen Tropfens fünf Rebstöcke. Von Dirk Neubauer

Chateaux Gruiten? Oder "Auslese von der Welschenmauer"? Nun, mit der Namensfindung haben die Gruitener noch ein wenig Zeit. Erst im dritten Jahr nach der Pflanzung werfen ihre Rebstöcke genug Trauben ab, um daraus Traubensaft pressen, klären, vergären und keltern zu können. Ein Anfang aber ist immerhin gemacht: Fünf Weinstöcke zieren ab sofort den Gruitener Steilhang zum alten Friedhof. Und weitere Pflanzen sind von der Mosel her im Zulauf.

Da es sich um geweihten Boden handelt, gab Pastor Dr. Rainer Nieswand ganz offiziell den kirchlich-katholischen Segen zu der Pflanzaktion - natürlich mit "Gottes Lob aus der Schöpfung", Psalm 104: "...und dass der Wein erfreue des Menschen Herz..." So weit wird es wohl nicht kommen mit den Gruitener Trauben. Als Faustregel der Winzer gilt: Ein Weinstock trägt die Früchte für eine Flasche Wein. Streng mathematisch kämen daher momentan drei Flaschen der roten Rebsorte Regent und zwei der weißen Traube Solaris zusammen. "Aber solch geringe Mengen verarbeitet natürlich niemand", sagt Heinrich Wolfsperger lachend, der die Rebstöcke in seinem Heimatdorf, dem badischen Buchholz besorgt hat. Regent und Solaris sind relativ junge Traubensorten, die weitgehend resistent gegen Pilzkrankheiten sein sollen. Am Gruitener Mini-Hang muss also nicht mit der Chemiespritze gearbeitet werden.

Hans Friebe hat den Boden unterhalb der Rebstöcke vorbereitet; hat die Bodendecker entfernt, das Erdreich gelockert. Deshalb geht es mit dem Pflanzen ziemlich zügig voran. Noch ein paar Handvoll Schafsdung als Düngung hinzu geben - fertig! Wie so oft in Gruiten ist auch diese Erinnerung an alte Traditionen ein Gemeinschaftswerk. Die Anwohner haben auch gleich ihren eigenen Lohn vorbereitet: Ein bisschen Käse und badischer Regent-Rotwein geben Zunge und Gaumen einen Eindruck davon, wie es schmecken könnte - würde aus den hiesigen Trauben nicht maximal Traubensaft gemacht. Erst 2018 wird sich zeigen, ob der Gruitener Aufstieg zur Weinanbauregion gelingt; dann erfolgt die erste Ernte. Bis dahin sollen die Rebstöcke nach allen Regeln der Kunst gepflegt werden.

(dne)
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