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Haan
Künstler macht aus Müll Skulpturen

Haan: Künstler macht aus Müll Skulpturen
FOTO: Staschik, Olaf (ola)
Haan. Der 81-jährige Haaner Wolfgang Niederhagen verwendet für seine Kunst das, was andere achtlos wegwerfen. Von Sabine Maguire

Meist sitzt er an der Staffelei. Und was dort entsteht, konnte noch vor wenigen Monaten in der Alten Pumpstation bewundert werden. Manchmal jedoch packt es Wolfgang Niederhagen. Dann legt der Haaner Künstler Pinsel und Farben aus der Hand und geht zu seiner großen Kiste. Wer dort hineinschaut, findet allerlei Alltägliches. Kaputte Bürsten, abgebrochene Messer, alte Flaschen: Es ist ein Sammelsurium von Gebrauchtem und Weggeworfenem.

Auch mit viel Fantasie würde es Otto Normalentsorger vermutlich nicht in den Sinn kommen, mit derartigen Utensilien noch irgendetwas Sinnvolles anfangen zu wollen. Das allerdings sieht Wolfgang Niederhagen ganz anders. "Ich sehe die Dinge irgendwo und habe Ideen, was man damit machen könnte", spricht der Künstler über seine Inspiration. Als Kunst - so sagt er - wolle er seine skurrilen Objekte nicht bezeichnen. Vermutlich muss man ihm da vehement widersprechen. Denn kaum jemandem kommt beim Anblick weggeworfener Pommesgabeln in Kombination mit zerbrochenen Spülbürsten in den Sinn, daraus einen Krebs entstehen zu lassen. Ebenso wenig denkt man bei Christbaumkerzenhaltern über Schuppentiere nach, oder bei heruntergefallenem Laub über Insekten.

Direkt nebenan stehen Soldaten stramm, einer zieht sogar für die Gartenstadt Haan in den Kampf. Eingekleidet in alte Blechdosen stehen sie auf alten Fachwerkbalken Spalier. Einer nach dem anderen - entworfen aus Holz und eben jenem Müll, den wohl nur ein Künstler zum Leben erwecken kann. Und so wundert man sich nicht, dass für einen kreativen Geist jeder Spaziergang zum Abenteuer werden kann. Abgebrochene Äste, Vogelfedern, von Bäumen abgefallene Blätter: nicht nur die Natur hat so allerlei Kostbarkeiten zu bieten. In der "Kreativbox" von Wolfgang Niederhagen landen ebenso leere Feuerzeuge oder eben jene Pommesspießer, von denen er mittlerweile ein farbenfrohes Sammelsurium zusammengetragen hat. Nicht zu vergessen wäre da allerdings auch noch der heimische Haushalt als wahre Fundgrube. Dort kann man sich die kreative Materialsuche in etwa so vorstellen. Eine Bürste zerbricht, die Ehefrau wirft sie in den Müll. Der Künstler schaut in die Tonne und hat prompt eine Idee. Und auch wenn er sie nicht sofort hat, so gelangt doch manches Teil auf Umwegen in die große Kiste. Schließlich weiß man ja nie - der zündende Gedanke könnte noch morgen kommen, oder übermorgen. Da kennt Ehefrau Karin ihren Mann genau. Beide betrieben bis 2003 über vier Jahrzehnte eine Malschule.

Übrigens haben alle seiner skurrilen Objekte einen Namen. Da steht der rote Schneckenknacker neben der Blaufußgans. Letzte ist übrigens aus einer WC-Ente entstanden. Und direkt nebenan macht es sich der grüne Ponalsauger bequem: Wie der Name schon sagt - entworfen aus einer alten Ponal-Weißleimflasche. "Bei den Namen lasse ich mich vom Material anregen", verrät Wolfgang Niederhagen.

Mehr als 100 Objekte sind nun schon durch den Griff in die Kramkiste entstanden. Und hört man dem Künstler zu, ist noch kein Ende in Sicht. Was ursprünglich als bloße Abwechslung zur Malerei begann, hat längst ein Eigenleben entwickelt. Und wie es nun mal so ist bei kreativen Feingeistern: Was auch immer ihnen in die Hände gerät, wird irgendwie zu Kunst.

Quelle: RP
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