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Haan/Hilden
Kunst - so spannend wie ein Tatort

Haan/Hilden: Kunst - so spannend wie ein Tatort
"Glas ist nicht empfindlicher als Porzellan": Glaskünstlerin Uta Majmudar. FOTO: Ralph Matzerath
Haan/Hilden. Uta Majmudar, die Grand-Dame der Haaner Kunstszene, war eine von 150 Künstlern im Kreis , die am Wochenende ihr Atelier für Besucher öffnete. Wir besuchten sie ebenso wie ein Hildener Designertrio. Von Gundel Seibel

"Neanderland Tatorte - offene Ateliers" hieß die außergewöhnliche Kunstaktion, die erneut von Landrat Thomas Hendele initiiert und vom Kreis Mettmann gefördert wurde. Gut gelaunt und gastfreundlich begrüßte die Haaner Glaskünstlerin Uta Majmudar jeden Besucher. Bereitwillig gab sie Auskunft über ihre Glasobjekte, die mal Gebrauchsgegenstand, mal politische Aussage oder auch Gesellschaftskritik mit Schmunzel-Effekt waren. Einfach nur schön sind die Glasgegenstände auch. So vereinen etwa Wünschelruten die BRD und die Ex-DDR, oder auch Deutschland und Israel.

"Schal muss sein" nennt die Künstlerin ein Objekt, bei dem sie sich ein wenig über die neue Männermode lustig macht. "Glas ist nicht empfindlicher als Porzellan", sagt Uta Majmudar, wenn sie feststellt, dass ihre Besucher die Glas-Gegenstände mit besonderer Vorsicht anfassen. In Fachgeschäften kauft sie ihr Glas ein: Glasstäbe, Rohre oder buntes Flachglas. Im Moment liebt die Künstlerin das Flachglas. Die bunten Plättchen verbindet sie mit hauchdünnem Draht. Sie formt daraus Schalen, Tiere oder auch eine Kopfbedeckung für den "Großen M.". Dieses Objekt gehört eher in die Kategorie "Politische Aussage": Uta Majmudar hat kürzlich den Koran gelesen. Oder sie schneidet, biegt, verziert andere Glasformen mit unendlich vielen Maschinen und Geräten, die sie im Laufe eines langen Künstlerlebens erworben hat.

Die interaktive Medienkunst des Tatort-Ateliers "Stein und Bein" in Hilden erlaubte Eindrücke in ein total anderes künstlerisches Schaffen. Ihr Hinterhof-Atelier hatten die Grafik-Designerin Desiree Astor, die Industrie-Designerin Susanne Wittelsbürger und der Film- und Medien-Designer Ralph Gelwitzki für die Tatort-Besucher geöffnet. Im Auftrag des Neanderthal-Museums, des Stadtmuseums Langenfeld sowie vieler anderer Museen in Deutschland entwerfen die Designer Animationsfilme und -programme. Das Ziel ist, dem Museumsbesucher das angebotene Wissen spannend zu vermitteln. Die Neugierde der Besucher soll mit Frage-Antwort-Spielen oder auch mit kleinen Filmbeiträgen geweckt werden. Nie langweilig sei ihr Beruf, sagen die drei Designer übereinstimmend. Denn bei ihrer Arbeit gewinnen sie so umfangreiche wissenschaftliche Erkenntnisse von den Museumsfachleuten, dass auch sie selbst das Staunen nicht verlernen. Für die Ausstellung "Fleisch", die im vorigen Jahr im Museum gezeigt wurde hat Ralph Gellwitzki zum Beispiel einen anschaulichen Film über die Fallen-Techniken der Neandertaler gemacht. Detailliert und anschaulich wird die Konstruktion der Fallen mit Gewichten, Schnüren und Schlingen erklärt. Elche, Rentiere und auch kleineres Wild waren dann die Opfer. Später reiste die Ausstellung durch andere Museen in Deutschland. Ralph Gellwitzki zieht gerne an die Ausstellungsorte, um seine komplizierten Geräte aufzustellen. Aber auch neue Kontakte werden bei der Gelegenheit geknüpft. Ein anderes spannendes Thema war die Sonderausstellung "Ich, Germanicus". Für das Varusschlachtmuseum in Kalkriese bei Osnabrück haben sich die Hildener Designer überlegt, wie die komplizierten Gedanken römischer Kaiser bezüglich ihrer Nachfolgeregelung möglichst einfach erklärt werden können. Wann hat Kaiser Tiberius welchen Neffen als Sohn adoptiert, damit "das Geschäft" in der Familie bleibt? Komplexe Inhalte einfach erklären: das ist die anspruchsvolle Arbeit des Hildener Designer-Teams.

Quelle: RP
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