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Haan
"Kurios ist alles, was zufällig auftaucht"

Haan: "Kurios ist alles, was zufällig auftaucht"
Der BGV Haan wurde am 9. Mai 1949 unter dem Vorsitz von Ernst K. Laux gegründet. Seit 2006 ist die Abteilung Haan ein eingetragener Verein, dem Vorstand gehören zwei Historiker an, Vorsitzender ist Lothar weller. FOTO: Staschik
Hilden. Hin und wieder lohne es sich, in den Rückspiegel zu schauen: Der Bergische Geschichtsverein besteht seit 65 Jahren.  Vorsitzender Lothar Weller berichtet über Ziele.

Der Bergische Geschichtsverein (BGV) Haan feiert sein 65-jähriges Bestehen. Er wurde im Jahre 1949 gegründet. 

Herr Weller, der Verein hat Heimatgeschichte in einer Zeit zum Thema gemacht, in der es - durchaus auch im Lokalen - Berührungsängste mit der deutschen Geschichte hätte geben können.

Weller Berührungsängste hat es damals und auch später gegeben, da können wir ganz sicher sein. Außerdem hatte man so kurz nach dem Ende der Nazi-Herrschaft und dem katastrophalen Krieg doch ganz andere Sorgen. Für die meisten gab es nur den Blick nach vorn. Dass sich trotzdem schon zu dieser Zeit Menschen zusammengefunden haben, um die Geschichte nicht aus dem Blick zu verlieren, ist für mich als Nachkriegskind erstaunlich.

Wie kommt der Geschichtsverein eigentlich an die Geschichte(n)?

Weller Durch Quellensuche und Forschung. Der BGV Haan hat während der ganzen Zeit seines Bestehens immer Mitglieder gehabt, die sich aktiv und intensiv mit Themen der Haaner und später auch der Gruitener Geschichte beschäftigt und die Ergebnisse publiziert haben. Stellvertretend nenne ich Jakob Litsch, Hermann Banniza, Harro Vollmar, Friedhelm Stöcker und Dr. Reinhard Koll.

Und gab es dabei auch schon mal etwas Besonderes?

Weller Auf der Liste des Besonderen stehen für mich die Ausgrabungen in den 1970er Jahren auf dem Areal der 1863 abgerissenen romanischen Kirche Haans ganz oben. Und natürlich auch die archäologischen Funde, die 2013 bei der Sanierung des Kirchturms Gruitens zum Vorschein gekommen sind. Das sind für einen Geschichtsverein glückliche Sternstunden, denn so etwas kommt wenn überhaupt in jeder Generation höchstens einmal vor.

Haben Sie auch schon mal etwas Kurioses zutage gefördert?

Weller Kurios ist für mich vor allem, dass manchmal etwas zufällig an einer Stelle auftaucht, an der man es gar nicht gesucht und schon gar nicht erwartet hätte. So wie beispielsweise der bis zum Dreißigjährigen Krieg zurückreichende Dokumentenfund auf dem Dachboden eines nicht einmal 60 Jahre alten Hauses im vergangenen Jahr. Oder der Fund des einzigen bekannten Fotos, auf dem das gerade fertig gestellte Gruitener Amtsrathaus abgebildet ist, nicht in Gruiten, sondern in einem Haaner Fotoalbum.

Manchmal gibt es doch bestimmt auch Fragen, die sich einfach nicht mehr beantworten lassen. Oder graben Sie immer irgendwo etwas aus?

Weller Grundsätzlich beantwortet ein neuer Fund nicht nur die eine oder andere bisher unbeantwortete Frage, sondern wirft gleich auch wieder neue Fragen auf. Und je weiter die neuen Fragen in die Vergangenheit zurückreichen, desto geringer ist die Chance, auch diese noch beantworten zu können, weil die Quellenlage immer dürftiger wird. Aber manchmal kommt einem dann wieder der Zufall zu Hilfe.

Gibt's es in der Haaner Geschichte eigentlich noch etwas gänzlich Unerforschtes? Oder etwas, dass sie persönlich besonders reizen würde?

Weller Große weiße Flecken in der Haaner Geschichte gibt es nicht mehr. Das bedeutet aber nicht, dass die Suche eingestellt werden kann, denn nur durch neu gefundene Mosaiksteinchen wird das Geschichtsbild vollständig. Manchmal verändern sie es auch so, dass die bisherigen Erkenntnisse neu interpretiert werden müssen. Mich würde es reizen, durch die Erkenntnisse aus den archäologischen Funden am alten Nikolausturm in Gruiten zu einem besseren Verständnis der Gruitener Frühgeschichte zu gelangen.

Wir leben in einer schnelllebigen Zeit, in der alle auf morgen und übermorgen schauen. Werden Sie nicht auch als ewig "Gestrige" belächelt?

Weller Das mag vorkommen. Meine Erfahrung ist allerdings, dass es ein großes Interesse an geschichtlichen Themen gibt. Schließlich fährt man auf der Autobahn auch nicht nur mit Blick nach vorn, sondern schaut hin und wieder in den Rückspiegel, weil das sicherer ist. Ein Geschichtsverein ist der Rückspiegel auf dem Weg durchs Leben.

Was wüssten die Haaner nicht, wenn die Heimatforschung es nicht "zu Tage gefördert" hätte?

Weller Sie wüssten wenig über die urgeschichtlichen Fundplätze in Haan und kaum etwas darüber, wie die Geschichte von Haan und Gruiten vor 1500 verlaufen ist oder welchen Weg Haan vom Kaiserreich zum Nationalsozialismus gegangen ist. Wahrscheinlich wüssten sie auch nicht, was es mit der "Schlacht bei Gruiten" 1922 auf sich hat, was in der Reichspogromnacht 1938 hier passiert ist und wie sich der Neubeginn nach dem Weltkrieg in Haan vollzogen hat.

SABINE MAGUIRE STELLTE DIE FRAGEN.

Quelle: RP
 
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