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Haan
Nachzügler fliegen gen Süden

Haan: Nachzügler fliegen gen Süden
Haan. Weil die Winter wärmer werden, brechen Zugvögel immer später Richtung Süden auf. Das ist auch in Haan zu beobachten. Von Alexandra Rüttgen

Sven Kübler von der Arbeitsgemeinschaft Natur und Umwelt Haan (AGNU) hat sie dieser Tage schon gesehen - Kraniche (keine Wildgänse), die in V-Formation über die Region hinwegziehen. Wer den Blick zum Himmel wendet, staunt: Zugvögel um diese Zeit? Fliegen sie noch weg oder kommen sie schon zurück? "Ich vermute, das sind Vögel, die in Norddeutschland gestanden haben. Da ist es jetzt richtig kalt geworden, und deshalb ziehen sie gen Süden", sagt Kübler.

Tatsächlich habe die Klimaerwärmung das Verhalten der Tiere verändert. "Viele der bei uns beheimateten Zugvögel ziehen später oder gar nicht mehr weg." Und andere kommen nicht mehr zu uns, um hier zu überwintern. "Es gibt auch wärmeliebende Pflanzen, die immer weiter nach Norden wandern und mittlerweile hier bei uns ansässig werden", weiß Kübler.

Everhardus Schakel hat das oben stehende Foto der Kraniche gemacht.

Everhardus Schakel kann das bestätigen. Er ist Mineraloge, Leiter der Fotogruppe der AGNU und begeisterter Fotograf von Vögeln. Die Kraniche, die man jetzt am Himmel sieht, "sind Winterflüchter", sagt er. Sie brechen erst dann Richtung Süden auf, wenn es richtig kalt geworden ist. "Die Temperatur alleine ist allerdings nicht der Grund. Es muss Schnee gefallen sein", weiß Schakel.

Die Kraniche, deren Flugrouten über Haan und Hilden hinwegführen, leben allerdings nicht in Deutschland. Die meisten kommen aus Schweden und Finnland. bleiben für einige Zeit in Norddeutschland und machen in Haan und Umgebung höchstens mal für eine Nacht Pause. Dann ziehen sie weiter - aber längst nicht mehr nach Südspanien, wo sie früher überwinterten, erläutert Schakel, sondern ins Elsaß. So sei beispielsweise der Stausee "Lac du Der-Chantecoq" ein beliebtes Winterquartier für Kraniche, da sie auf den angrenzenden Maisstoppelfeldern reichlich Nahrung finden.

Auch bei anderen Vogelarten hat Schakel Veränderungen beobachtet. "Unsere Rotkehlchen, die bei uns im Sommer leben, bleiben hier", berichtet er. Und die Rotkehlchen aus Skandinavien, die in Deutschland überwintern, "sind nicht mehr da". Auf seinen Streifzügen, die ihn auch durch das Neandertal, die Grube 7 und 10 in Haan sowie den Stadtwald an der Stadtgrenze zwischen Haan und Hilden führen, beobachtet er, dass aufgrund der warmen Witterung auch Pflanzen aufblühen, wie zum Beispiel der Gelbe Lerchensporn. "Der treibt schon Knospen und blüht. Das ist merkwürdig."

Allerdings mache ihm die Erderwärmung keine Sorgen. "Ich glaube, wir machen uns über dieses Thema zu viele Gedanken." Denn Temperaturänderungen kommen im Lauf der Geschichte immer wieder vor, "das ist wie eine Sinuskurve", sagt Schakel. Und welche interessanten Vögel fühlen sich im viel genutzten Stadtwald heimisch? "Spechte, zum Beispiel. Oder die Trauerschnäpper, die dort auch brüten."

Quelle: RP
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