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Analyse
Personen- contra Parteienwahl

Warnecke gegen vom Bovert: Bilder des Wahlabends
Warnecke gegen vom Bovert: Bilder des Wahlabends FOTO: Staschik, Olaf
Haan. Die Auswertung der Stimmbezirke zeigt: Größere Ausreißer nach oben oder unten gab es bis auf einen bei SPD-Mann Jörg Dürr nicht. Nun hat Haan die Wahl zwischen zwei sehr gegensätzlichen Kandidaten. Von Gökçen Stenzel

Bürgermeister Knut vom Bovert war sich am Wahlabend nicht mehr so sicher, ob es ein Bonus oder ein Malus ist, Amtsinhaber zu sein. Als solcher wisse er einfach, was wirklich machbar sei in Haan - und was nicht. Neulinge könnten hingegen frische Wünsche vortragen, deren Realisierbarkeit von niemandem hinterfragt werde. Dass er selbst bei seiner ersten Kandidatur (und Wahl) Neuling war, steht auf einem anderen Blatt. Kurz: Ein so schlechtes Ergebnis für sich selbst hat der Parteilose nicht vorhergesehen. Er führte dies darauf zurück, dass es durchaus keine Personenwahl gewesen sei. Sondern eine Parteienwahl. Die CDU sei gewählt worden, die Bewerber hätten nicht im Mittelpunkt beim Wähler gestanden. Wirklich?

Gewinner und Verlierer der Stichwahlen in NRW FOTO: dpa, rwe fpt

Vergleiche zu früheren Wahlgängen gibt es nicht, eine reine Bürgermeisterwahl hat Haan noch nicht erlebt. Daher muss man auf die Stimmbezirke schauen, um genauere Antworten auf die Frage zu bekommen.

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Für vom Boverts These spricht, dass Bettina Warnecke, die von der CDU aufgestellt wurde und Siegerin des ersten Wahlgangs ist, die meisten Stimmen in der Briefwahl holte. 38 Prozent im Schnitt - wer seine Stimme immer schon der CDU gegeben hat, zögerte auch jetzt nicht und brauchte sich die Kandidatin vielleicht nicht näher anzuschauen. Auch das Ergebnis von Meike Lukat von der WLH könnte so verstanden werden: Die Wählergemeinschaft ist in Haan genau so stark verankert, wie es die gut 17 Prozent der Stimmen wiedergeben.

Die Ergebnisse lassen sich aber auch völlig anders deuten. Jörg Dürr etwa. Seine 21 Prozent sind Ausdruck der SPD-Stärke, gewiss. Jedoch schwanken gerade Dürrs Ergebnisse beträchtlich. In einem Stimmbezirk (Bachstraße) hat er 38 Prozent geholt, in einem anderen nur 15. Viele hat er mit seinen Hausbesuchen also durchaus überzeugt. Wieder anderen blieb er als Person zu blass - und das war in Haan auch zu hören.

Zu hören war zudem einiges, was gegen vom Boverts These und durchaus für eine Personenwahl spricht. Die, die ihn gewählt haben und wieder wählen werden, schätzen genau seine persönliche Art und wollen sie nicht missen. Bei allen Erfolgen, die der Amtsinhaber hat, wollen ihm andere Haaner eine dritte Amtszeit jedoch nicht zutrauen. Ein Einzelner über einen solch langen Zeitraum an der Spitze der Stadt? Nein. Dann Bettina Warnecke. Sie ist nicht synonym mit CDU. Sondern ein frisches Gesicht und eine Frau, die viele davon überzeugen konnte, dass sie trotz oder wegen ihrer leisen Töne und ihres geradezu zarten Auftretens die richtige Nachfolgerin sein könnte. Klar ist, dass die erfolgreiche, berufstätige Frau und Mutter einen vollkommen anderen Stil im Rathaus prägen würde - sollte sie die Stichwahl denn auch gewinnen.

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Damit stehen sich am 27. September zwei Kandidaten gegenüber, die unterschiedlicher nicht sein könnten - das macht das Ganze doch erst spannend. Gestandener Mann gegen jüngere Frau, Kontinuität versus Neustart, Erfahrung oder lieber Erprobung.

Haan hat die Wahl.

goekcen.stenzel@rheinische-post.de

Quelle: RP
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