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Haan
Politik will Ortsschild ohne "Gartenstadt"

Haan: Politik will Ortsschild ohne "Gartenstadt"
Aus Heckenpflanzen haben die Stadtgärtner am Kreisverkehr Nord-/Alleestraße einen "Gartenstadt"-Schriftzug gestaltet. FOTO: Olaf Staschik
Haan. CDU findet für ihren Antrag, den Zusatz zu verwenden, keine Mehrheit im Fachausschuss. Von Christoph Schmidt

Leichlingen schmückt sich mit dem Zusatz "Blütenstadt", Erkrath mit "Fundort des Neandertalers" und Mettmann mit "Neanderthal-Stadt". Haan solle seine Ortseingangsschilder um den Beinamen "Gartenstadt" ergänzen, schlug die CDU-Fraktion vor. Der Antrag stieß bei den anderen Fraktionen aber auf wenig Gegenliebe und wurde im Stadtentwicklungsausschuss knapp mit 8:7 Stimmen bei zwei Enthaltungen abgelehnt.

Die Stadt Haan führt den Beinamen Gartenstadt seit Jahrzehnten, argumentiert Harald Giebels für die Christdemokraten: etwa im Briefkopf oder auf der Homepage der Stadt. Viele Grundstücke besäßen immer noch gepflegte Gärten. Der Verein GartenLust pflege mit seiner Gartenmesse und der Teilnahme an der Aktion "Offene Gärten" dieses Image. Deshalb sollten auch die Ortseingangsschilder mit dem Zusatz "Gartenstadt" ergänzt werden. Das ist rechtlich möglich, wenn der Rat das mit einer Drei-Viertel-Mehrheit beschließt. Die Kosten schätzt die Verwaltung auf 3000 Euro. Die Wortmarke "Gartenstadt" sei rechtlich nicht geschützt.

Petra Lerch (GAL) war nicht klar, was denn genau mit "Gartenstadt" gemeint sein. Walter Drennhaus (SPD) fragte, welche Kriterien für den Beinamen angelegt werden: "Wir sollten nicht etwas auf eine Packung schreiben, was nicht drin ist." Auch Meike Lukat (WLH) wollte erst Kriterien aufstellen und wies darauf hin, dass viele Gärten inzwischen bebaut worden seien. "Das haben wir alle beschlossen", hielt Giebels dagegen. Der Beiname Gartenstadt habe historischen Ursprung und erinnere an das viele öffentliche und private Grün, das es in Haan immer gegeben habe.

Einen offiziellen Beschluss, sich Gartenstadt zu nennen, gibt es in Haan nicht, so Stadtarchivarin Birgit Markley. Der Begriff Gartenstadt taucht 1917 auf einer Kriegsnotgeldmünze auf, die aus Ermangelung eines Wappens ein Bild des Haaner Rathauses zierte, hat der Historiker Reinhard Koll festgestellt. 1921 erhielt Haan die Stadtrechte. In den 1920er- und 1930er Jahren wurde der Begriff Gartenstadt häufig verwendet. Das spielte sicher auch der Stolz der Haaner auf ihre frisch errungene Selbstständigkeit eine Rolle. Ab August 1923 hat die Stadt den Beinamen auf die Rückseite von Notgeldscheinen gedruckt, berichtet Markley.

Mit der von Ebenezer Howard in England angestoßenen Gartenstadt-Bewegung hat Haan nichts zu tun, ist sich Koll sicher. Howard hatte 1898 als Gegenmodell zu den wild wuchernden Großstädten in der Zeit der Industrialisierung mit ihren schlechten Lebensbedingungen und Umweltproblemen das Modell einer geordneten, grünen und gesunden Stadt entwickelt.

Gleichwohl hat Haan immer wieder sein grünes Image gepflegt. 1952 gab es in Haan den "Tag der Blume", hat Markley herausgefunden. Er wird 1964 in einem Zeitungsartikel erwähnt. Es gibt einige Privatfotos, die der Verein GartenLust auf seiner Homepage (www.haaner-Gartenlust.de/Historie) veröffentlicht hat. 1954 fand ein "Blumenkorso" statt. Haaner Geschäftsleute fuhren mit ihren blumengeschmückten Lieferwagen durch die von Menschen gesäumte Innenstadt. 1954 schrieb der Verkehrs- und Verschönerungsverein auch einen Blumenschmuckwettbewerb aus. 20 Juroren gingen durch die Stadt, um Gärten in Augenschein zu nehmen und zu beurteilen. Erwähnt wird in Zeitungsartikeln unter anderem die Steinfelder Straße und der Schallbruch, wo Bewohner "im Schweiße ihres Angesichts" einen früheren Schuttabladeplatz in einen Garten verwandelt hatten.

Charakteristisch für den Haaner Blumenschmuckwettbewerb war, dass die Gartenbesitzer ihre Teilnahme nicht anmeldeten und von der Prämierung überrascht wurden. Einer der Preisträger war Willi Jacob an der Breidenhofer Straße. Er erhielt den Stadtehrenpreis für den schönsten Garten von Haan.

Quelle: RP
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