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Heimat genießen - in Haan
Schnäpse aus Haan - verboten gut

Heimat genießen - in Haan: Schnäpse aus Haan - verboten gut
Dominik Winter, Sebastian Schad und Michael Seher (v.l.) mit den für "Handmade Moonshine" typischen flachen und eckigen Flaschen FOTO: Olaf Staschik
Haan. Zwei junge Männer lassen Hochprozentiges nach Rezepten brennen, die aus Zeiten der US-Prohibition stammen. Von Alexandra Rüttgen

Für Dominik Winter steht das Urteil fest. "Nicht zu süß, ganz reintönig, fein und mit erkennbarer Himbeernote", mit diesem glänzenden Urteil bewertet er einen Himbeergeist, den er ganz neu im Programm hat: Der Inhaber des Wein- und Spirituosen-Fachgeschäfts "Palazzo" ist über den Himbeergeist der Haaner Firma "Handmade Moonshine" voll des Lobes. Ein ähnlich gutes Urteil erhält bei ihm der Kirsch-Likör, der ebenfalls aus dem Haaner Betrieb stammt.

"Handmade Moonshine", frei übersetzt mit "handgemachtes Mondlicht", gibt es noch nicht lange. Die beiden 28-Jährigen Sebastian Schad und Michael Seher sind die Unternehmensgründer. Beide kennen sich schon seit Schulzeiten. Während Sebastian Schad in Düsseldorf lebt und Betriebswirtschaftslehre studiert, wohnt Michael Seher in Haan. Sein Studium in Wirtschaftswissenschaften an der Bergischen Universität Wuppertal schloss er Ende 2013 ab, arbeitete für Steuerberater und Finanzdienstleister.

Als sein alter Schulfreund die Idee zu einer eigenen Brauerei entwickelte, rechnete Seher einen Businessplan durch - und kam zu dem Schluss, "dass die Investitionssumme zu hoch gewesen wäre". Doch das Thema ließ die beiden nicht los. Sie recherchierten in Wirtschaft und Handel und entdeckten schließlich in einer Bibliothek Rezepte für Hochprozentiges aus dem Jahre 1926.

Damals herrschte in den USA die Prohibition; das Herstellen und Konsumieren von Alkohol war verboten. Gebrannt wurde trotzdem, meistens in abgelegenen Wäldern bei nächtlicher Dunkelheit. Und weil die Schwarzbrenner dabei das Licht des Mondes nutzten, wurden sie "Moonshiners" genannt - daher der Name der Haaner Firma.

Schad und Seher waren sofort begeistert. Doch es dauerte fünf Monate, eine Brennerei zu finden, die Spirituosen nach diesen Rezepten - für die heutige Technik mit all ihren Vorschriften und für den modernen Geschmack leicht abgeändert - herzustellen vermochte. An den Start ging das Duo mit einem Himbeergeist von 40 Volumenprozent Alkohol und einem Kirschlikör mit 18 Volumenprozent. Die Losgrößen sind klein, sie umfassen für den Brand gerade mal 150 und für den Likör 350 Flaschen. Beide gibt's für je 13,90 Euro pro 0,35 Liter, "das ist ein Schnäppchen für diese Qualität", schwärmt Dominik Winter.

Die Früchte für die Brände stammen aus der Region und sind frisch nach der Ernte verarbeitet, verspricht Seher. "Wir haben gänzlich auf künstliche Stoffe verzichtet", sagt er. So soll es auch künftig bleiben, weshalb die Losgrößen wohl auch nie 500 Flaschen überschreiten werden.

Schließlich ist auch die Abfüllung in die charakteristischen, an einen Flachmann erinnernden eckigen Flaschen sowie die Etikettierung reine Handarbeit. Daher der zweite Bestandteil des Namens: "Handmade". Durch die wachsende Nachfrage sehen sich die jungen Männer in ihrer Idee bestätigt. Und auch Weinhändler Dominik Winter sieht noch Potenzial: "Das ist ein spannendes Projekt. Die Haaner mögen Produkte aus ihrer Heimat, daher sind Brand und Likör als Geschenkartikel sehr reizvoll."

Und so ist eine weitere Leckerei bereits in Planung: ein Apfel-Zimt-Likör. Die Produktion soll diesen Monat beginnen, damit er Anfang November in den Handel kommen kann. Passend zum dann bevorstehenden Winter.

Quelle: RP
 
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