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Analyse
Seniorenbeirat fühlt sich alleingelassen

Haan. Der Seniorenbeirat arbeitet gerade an der Neuauflage der Haaner Seniorenbroschüre - und gerät dabei organisatorisch an seine Grenzen. Nicht nur in diesem Bereich profitiert die Stadt von dem Engagement im Ehrenamt, lässt es aber an Unterstützung mangeln. Von Ralf Geraedts

Früher war oft vom "Haaner Standard" die Rede. Dieser Begriff stand nicht für außergewöhnlich Gutes, aber immer für Zweckmäßiges. Aber auch dafür, dass Sinnvolles für wenig Geld erreicht werden konnte. Beispiel Musikschule Haan. Da hatte sich Anfang der 1970er Jahre ein Trägerverein gegründet, der die junge Generation an die Musik und das Musizieren heranführte. Die Stadt zahlte dem Verein einen Zuschuss und konnte sich seither mit einer Musikschule schmücken, für die - als kommunale Lösung - Nachbarstädte ein Vielfaches zahlen mussten.

Beispiel Kindergärten. Während die meisten Städte ringsum Kindertageseinrichtungen selbst betrieben, setzte Haan jahrzehntelang auf Kirchen und freie Träger. Die Kita Alleezwerge war 2003 die erste und ist bisher auch die einzige in städtischer Trägerschaft.

Beispiel Seniorenbeirat. Nach jahrelangem Zögern der Ratsmehrheit war 2009 die Wahl des ersten Seniorenbeirates möglich. Bis Vertreter aktiv an Ausschusssitzungen teilnehmen durften, gab es manchen Kampf auszufechten. Inzwischen ist das Gremium etabliert - hat aber immer noch keine feste personelle Unterstützung aus der Stadtverwaltung. Was allerdings das Engagement nicht bremst. Im Augenblick sind die Aktiven dabei, die 2012 nach einjähriger Vorbereitung neu aufgelegte Seniorenbroschüre zu aktualisieren; erneut kostenfrei für die Stadt. Allerdings wird das neue Heft nicht mehr so aufwendig gestaltet, dafür mehr Text und weniger Werbung enthalten. Denn weil die damals hohen Kosten durch Anzeigen und verkaufte Unternehmensporträts finanziert wurden, geriet der Inhalt in den Hintergrund. Diesmal ist das Werbe- und Gestaltungsunternehmen nicht mehr dabei. "Wir machen es jetzt selbst", sagte Karlo Sattler im Sozialausschuss, als er den Bericht des Seniorenbeirates vorstellte. Er machte keinen Hehl daraus, dass die Beteiligten an ihre Grenzen stießen, die gesamte Arbeit allein zu leisten.

Für ein weiteres Projekt reklamierte Sattler schon jetzt eine auch finanzielle Unterstützung durch die Stadt. Denn in Haan sollen - im Nachgang zu dem vom Seniorenbeirat erarbeiteten ersten Seniorenbericht - "Hochaltrige" befragt werden. Den Fragebogen hat der Seniorenbeirat schon als Muster vorliegen, das jetzt noch auf Haaner Verhältnisse angepasst werden muss. "Aber zur Auswertung wird Unterstützung nötig sein", sagte Sattler und nannte einen Betrag von 5000 Euro, der für den Haushalt 2017 beantragt werden solle.

Monika Morwind (CDU) dankte artig für den Einsatz des Seniorenbeirates. Ausschuss-Vorsitzender Bernd Stracke (SPD) erklärte, der Seniorenbeirat bestehe aus Ehrenamtlern, für deren Arbeit die Stadt auch entsprechende Gelder bereitstellen müsse. Allerdings könnte hier die Tücke im Detail stecken. Denn Haan steckt in der Haushaltssicherung und darf sich freiwillige Ausgaben eigentlich nicht leisten. Das bekam auch die Musikschule in den vergangenen Jahren mehrfach zu spüren. Denn die Stadt reduzierte ihre Zuschüsse und brachte den Trägerverein immer wieder in Bedrängnis. - auch das ist anscheinend "Haaner Standard".

Quelle: RP
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