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Haan
Stadtkasse leer - trotz vieler Millionäre

Haan. Laut IT NRW hat Haan nach Meerbusch und Schalksmühle die meisten Millionäre im ganzen Land. Von Christoph Schmidt

Die Gartenstadt liegt auf Rang 3 der 396 NRW-Städte mit den meisten Einkommensmillionären, berichtet der Landesbetrieb IT NRW. Dort leben 28 Steuerpflichtige auf 10.000 Einwohner mit Einkünften von über einer Million Euro pro Jahr. Stand 2010 - das sind die aktuellsten Zahlen, die vorliegen.

Gleichwohl sind die Stadtfinanzen tief in den roten Zahlen. In diesem Jahr klafft im städtischen Haushalt bei Einnahmen von geschätzt 90,6 Millionen Euro und Ausgaben von 97,7 Millionen Euro ein Defizit von 6,1 Millionen Euro. Wie hängt das eine mit dem anderen zusammen? Die RP klärt die wichtigsten Fragen.

Müssen Millionäre nicht mehr Steuern zahlen? Ja und Nein. Ja: Je höher das Einkommen, um so mehr Steuern und Abgaben werden fällig. Ab einem Monatseinkommen von 5000 Euro zahlt ein Alleinstehender bereits mehr als 40 Prozent Steuern. Die oberen zehn Prozent der steuerpflichtigen Einkommensbezieher müssen deutlich mehr als die Hälfte abführen, sagt das Institut der deutschen Wirtschaft in Köln.

Nein: Dank gewiefter Steuerberater haben Einkommensmillionäre und Vermögende in der Regel ganz andere Möglichkeiten als Normalverdiener, ihre Steuerlast zu senken. Auch wichtig: Einkommen und Vermögen sind in Deutschland unterschiedlich verteilt. Während sich die vermögendsten 10 Prozent der Bevölkerung rund 60 Prozent der Vermögen teilen, beziehen die einkommensstärksten 10 Prozent etwa 30 Prozent der Einkommen, so das Institut der deutschen Wirtschaft.

Welche Rolle spielen Millionäre bei den Haaner Stadtfinanzen? Sie müssen Einkommenssteuer zahlen. Sie ist für den Staat das wichtigste Umverteilungsinstrument. Die Reichen zahlen den Löwenanteil der Einkommenssteuer. 2011 brachten die oberen zehn Prozent der Einkommensbezieher 46 Prozent oder knapp 105 Milliarden Euro der gesamten Einkommenssteuer (227,6 Milliarden Euro) auf, so das Institut der deutschen Wirtschaft. In Haan leben zwar relativ viele Millionäre, die Gartenstadt hat aber finanziell nichts davon - zumindest nicht unmittelbar. Denn die Einkommenssteuer wird von Bund, Ländern und Gemeinden nach einem komplizierten Schlüssel verteilt. Kämmerin Dagmar Formella erwartet in diesem Jahr rund 20,5 Millionen Euro als Gemeindeanteile aus der Gemeinde- und der Umsatzsteuer. Zum Vergleich: Das sind nur rund 20 Prozent der geplanten Ausgaben.

Kann Haan seine Millionäre nicht höher besteuern? Nein, nur so wie alle anderen Bürger auch. Die Kommune hat in den vergangenen Jahren bereits kräftig an der Steuerschraube gedreht. Sie kann beispielsweise die Höhe der Grundsteuern A und B festsetzen. Sie wurden zuletzt 2015 erhöht - und sollen 2019 weiter steigen, wenn sich die Finanzlage nicht grundlegend bessert. Einnahme 2017: 6,193 Millionen Euro. Die wichtigste Einnahmequelle der Stadt ist und bleibt die Gewerbesteuer. Die Kämmerin plant in diesem Jahr mit Einnahmen von 25,7 Millionen Euro, 890.000 Euro weniger als im Vorjahr und drei Millionen Euro weniger als 2014. Daneben kann die Stadt auch die Vergnügungs- und die Hundesteuer festsetzen. Haan nimmt nicht zu wenig Geld ein, sondern gibt zu viel aus: Das sagt Martin van Treeck, Haushaltsexperte der IHK Düsseldorf. Autopapst Henry Ford war vielfacher Millionär. Ihm wird das Zitat zugeschrieben: "Reich wird man nicht durch das, was man verdient, sondern durch das, was man nicht ausgibt." Insofern könnte Haan von seinen Millionären vielleicht noch etwas lernen.

Warum fallen die 28 Einkommensmillionäre in Haan nicht auf? Weil sie mit ihrem Reichtum anders umgehen als etwa die Düsseldorfer. Dort zeigt man gern, was man hat und was man ist. Das würde einem Millionär aus Haan nie einfallen. Er ist ein Bergischer und hat eine ganz andere Mentalität als die Rheinländer. Der Bergische stellt seinen Reichtum nicht zur Schau, sondern genießt ihn im Stillen. Das hat auch etwas mit dem Protestantismus im Bergischen zu tun. Ökonomischer Erfolg wurde - vereinfacht ausgedrückt - als Zeichen für Gottes Wohlgefallen gesehen. Damit protzt man einfach nicht auf der Kö.

Quelle: RP
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