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Haan-Gruiten
Sternstunde sakraler Klänge

Haan-Gruiten. Das Konzert in der Gruitener Dorfkirche bot ein bewegendes Hörerlebnis. Von Astrid Schoene

"Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen" - im vierten Konzert des aktuellen Orgelzyklus durchzogen wunderbar schlichte musikalische Momente die Dorfkirche in Gruiten. Ein großartiges Terzett - Birgit Stübler (Sopran), Gottfried Halbach (Klarinette) und Renate Schusky (Orgel) - berührte mit Psalm-Vertonungen und meditativer Musik die Herzen der Zuhörer.

Sehr lyrisch, sehr innig stimmte Birgit Stübler mit einem traditionellen jüdischen Lied auf das Orgelkonzert ein. In Herbert Peters ruhig fließender Vertonung von Psalm 139 bewiesen die drei Musiker gleich ihr harmonisches Miteinander. Psalm-Vertonungen spielen in jüdischen und auch in christlichen Gottesdiensten eine wichtige Rolle. Sie setzen Klage, Bitte, Lob und Dank in bewegende Musik um. Es war spannend, wie im Konzert die Besetzung ständig variierte und dadurch die Klangfarben wechselten.

In Mozarts Adagio KV 580 ließ Gottfried Halbach auf seiner Klarinette die Melodie sehnsuchtsvoll über der dazu abgetönten Tiefe der Orgel ausschwingen. Sopran und Orgel leuchteten gemeinsam in Haydns Vertonung von Psalm 36. Birgit Stübler mit ihrer schlanken, auch in der Höhe ungemein warmen Sopranstimme und Renate Schusky an der kleinen Schuke-Orgel. Verborgen hinter der schönen barocken Empore arbeitete sie virtuos mit leichtem Fingerspiel subtile Nuancen ihrer Grundierung heraus. Ernst, getragen, wie ein Choral mutete Beethovens Liedvertonung "Gott, deine Güte" an.

Und Mendelssohn gab es gleich viermal. Wie die "Lieder ohne Worte" - Melodisches, Zartes, Dahinfließendes mit Klarinette und Orgel. Und sehr meditativ Mendelssohns "Pilgerspruch" und "Entsagung". Viele der Zuhörer hatten die Augen geschlossen, um sich ganz in der hymnischen Musik zu verlieren. Auch in zeitgenössischen sakralen Weisen, wie in Johannes Michels "Gott ist Liebe" und in den hebräischen Liedern spürte man schlichte Ergriffenheit.

Und dann einer der schönsten langsamen Sätze der Musikliteratur: Mozarts Adagio KV 622. Halbach entlockte seiner Klarinette dieses Mozartsche Helle, Melodische in tanzender Leichtigkeit und feinen Schattierungen. Eher dunkel, in düsteren langen Tönen sang die Klarinette in Rachmaninovs Adagio aus der Symphonie Nr. 2.

Zum Ausklang Georg Philipp Telemanns wunderbar vertonter Psalm 121 - "Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen, von welchem mir Hilfe kommt". Noch einmal strahlten gemeinsam Sopran, Klarinette und Orgel. Die letzten Töne verklangen in völliger Ruhe. Dann dankte das Publikum mit innigem Beifall.

Quelle: RP
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