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Haan
Traumgarten rund ums Elternhaus

Haan: Traumgarten rund ums Elternhaus
Mit Strohhut und in buntem Blumenrock strahlt die fast 80-jährige Sigrid Meis mit der Sonne um die Wette. FOTO: Staschik
Haan. Sigrid Meis arbeitet täglich in dem rund 10 000 Quadratmeter großen Paradies an Haus Bellekuhl. Von Daniele Funke

Die Haaner Gartenlust ist nicht nur eine Pflanzenschau auf dem Karl-August-Jung-Platz. Auch der Besuch privater Gärten gehört seit Jahren zum festen Programm. Sigrid Meis hatte die Pforten zu ihrem 10 000 Quadratmeter großen Landschaftsgarten rund um das Haus Bellekuhl geöffnet.

Es ist ein herrschaftliches Anwesen, auf dem Sigrid Meis mitten in Haan "residiert", eine nahezu paradiesische Idylle, wie man sie sonst eigentlich nur aus Utta-Danella-Verfilmungen kennt: die weiße Herrenvilla, eingebettet in einen gepflegten Landschaftsgarten, soweit das Auge reicht: der alte Baumbestand, der große See mit Holzsteg, auf dem sich Enten in der Sonne putzen, Stallungen, ein Steingarten, prächtige Rosen, hügelige, großzügige Rasenflächen.

Noch viel mehr aber beeindruckt die Eigentümerin. Mit Strohhut und in buntem Blumenrock strahlt die fast 80-Jährige mit der Sonne um die Wette. "Der Garten ist meine absolute Leidenschaft. Ich bin täglich von 9 bis 17 Uhr draußen und kümmere mich um die Pflege." Unterstützung erhält sie nur von ihrem Mieter. "Er ist Landschaftsgärtner und kümmert sich ums Grobe, zum Beispiel um das Heckenschneiden." Alle anderen Arbeiten, die anfallen macht die unkonventionelle alte Dame selbst. "Ich setze mich jede Woche auf meinen Rasenmähertrecker und fahre meine Runden, das lasse ich mir auch nicht nehmen," sagt sie lachend. Dabei ist sie alles andere als pedantisch. Ihre Rasenflächen zieren Butter- und Gänseblümchen, blühendes Unkraut wächst im Steingarten neben Zierpflanzen - nicht nur geduldet, sondern teils auch gewollt. "Ich erfreue mich an den Dingen, die schön sind. Und wenn ich mal keine Lust habe, was zu tun, dann lass ich Fünfe auch gerade sein, setz mich in den Bus und fahr zum Einkaufen."

Besucherin Ulla Westphal ist beeindruckt. "Es ist absolut bewundernswert, wie überhaupt ein Mensch alleine solche Flächen pflegen kann, ich würde das niemals schaffen, aber ich bin auch wesentlich pingeliger."

Es ist Sigrid Meis´ Elternhaus, in dem sie heute lebt und das sie 1955 verließ, um gemeinsam mit ihrem Ehemann das Ausflugslokal Rüdenstein in Solingen zu eröffnen. Der Familienbetrieb wird mittlerweile von den Kindern betrieben, 1993 kehrte sie zurück in das Anwesen. "Mein Mann ist vor zehn Jahren verstorben, die jetzige Wohnung ist groß, wenn meine Tochter mal hier einziehen will, siedle ich einfach in unser Blockhaus um", erzählt die quirlige Rentnerin und zeigt auf einen ebenerdigen, vollständig eingerichteten Bungalow. "Hier ist alles barrierefrei, was will ich mehr", scherzt die vierfache Groß- und zweifache Urgroßmutter und begrüßt dann fröhlich eine Bekannte, die ebenfalls gekommen ist, um den Garten zu bestaunen. "Die Pflanzenvielfalt ist beeindruckend, vor allem die tollen Rosen. Es ist eigentlich das gesamte Zusammenspiel aller einzelner Elemente, die diesen Garten so einzigartig machen", sagt die Freundin.

Sigrid Meis winkt ein wenig verlegen ab. Für sie scheint das, was sie leistet, ganz normal, nicht der Rede wert zu sein. Im Gegenteil: Stillstand und Langeweile sind für sie auch im fortgeschrittenen Alter absolut tabu: "So etwas kenne ich nicht. Wenn ich wirklich mal nichts zu tun habe, setze ich mich an den Teich und füttere die Fische und beobachte die Wasserschildkröten." Oder die lebensfrohe Seniorin gönnt sich ein Entspannungsbad im 37 Grad warmen Whirlpool - unter freiem Himmel.

Quelle: RP
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