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Haan
Vom Ingenieur zum Chet-Baker-Fan

Haan: Vom Ingenieur zum Chet-Baker-Fan
Martin Zobel (r.) und Jens Filser (l.) sorgen bei der "Chet Baker Story"im Forum Dieker Carré sowie bei den Schülern der Musikschule Haan für den guten Ton. FOTO: Thomas Krautwig
Haan. Jens Filser und Martin Zobel, Dozenten der Musikschule Haan, lassen die Jazz-Größe am Freitag hochleben.

Jens Filser (Gitarre) und Martin Zobel (Trompete) gehören als Dozenten der Musikschule Haan beinahe zum Inventar, haben in der Szene des Jazz wie des Rock auch international einen hervorragenden Ruf und ehren am 4. November (19.30 Uhr) im Forum Dieker Carre der Musikschule einen "ihrer" ganz Großen: Chet Baker.

Die "Chet Baker Story" ist anlässlich des vom Musikschulleiter Thomas Krautwig in Kooperation mit der Städtischen Kulturarbeit ins Leben gerufenen Formats "Live im Carrée - the Professional Line" zu hören. Eine perfekte Bühne für die Dozenten der Musikschule, die damit Werbung für ihr Instrument betreiben. Klein angefangen haben alle mal. Bei Martin Zobel war es, parallel zum klassischen Trompetenunterricht, die Feuerwehrkapelle in Ennepetal. Vorgezeichnet war die Musikerkarriere dennoch nicht von Beginn an. Zobel machte zunächst eine Lehre als Vermessungsingenieur. Zobel: "Ich hatte schließlich die Wahl als brotloser Künstler oder arbeitsloser Vermesser."

Nun, die Geschichte ging gut aus. Mitte der 1980er Jahre hatte er Unterricht bei Größen wie Jon Eardly (WDR Big Band), nahm an Jazzkursen von Ack van Royen an der Musikakademie in Remscheid teil. Nach dem Trompetenstudium führte ihn bereits 1989 der Weg an die Haaner Musikschule. Er ist geblieben, ein Vierteljahrhundert lang, auch weil er die Atmosphäre der Schule so sehr schätzt. Zu seinen musikalischen Vorbildern zählt Zobel neben Klaus Doldinger und Miles Davis vor allem Chet Baker.

Diese Leidenschaft teilt er mit Jens Filser, auch schon seit 16 Jahren an der Musikschule als Dozent für E-Gitarre tätig. Filsers Gitarren-"Verstärker" in jungen Jahren waren Ritchie Blackmore (Deep Purple) sowie die Blues-Gitarristen Rory Gallagher und Stevie Ray Vaughan. Deren Stil hat er sich damals abgeguckt, ihre Philosophie bis heute behalten: "Beim Spielen ehrlich sein, kein Netz, kein doppelter Boden". Nach dem Jazz-Studium am Conservatorium in Arnheim spielte Filser mit namhaften Vertretern der Blues- und Rock-Szenne wie Supercharge oder Birthcontol, produzierte Rock-Ikone Anne Haigis drei CDs als Gitarrist und Soundengineer. Zurück zu Chet Baker: Der amerikanische Trompeter zählt wohl zu den rätselhaftesten und schillernsten Figuren des Jazz. Ein lässiger Einzelgänger, der selten ein Gespräch suchte, von seiner Plattenfirma als "weißer" Jazz-Cowboy vermarktet wurde und zahllose Frauenaffären hatte. "Ich hatte eine nie greifbare Nähe zu Chet Baker", erzählt Martin Zobel, der den "großartigen Musiker" lediglich ein einziges Mal auf der Treppe zu einem Jazz-Club getroffen hat.

Für die "Chet Baker Story" in Haan kommen neben Martin Zobel und Jens Filser Harro Eller am Bass und der Sprecher Olaf Reitz auf die Bühne. Der Wuppertaler Sprecher (WDR) und Schauspieler Reitz wird mit einfühlsamen Texten den legendären Trompeter skizzieren. Den Soundtrack dazu liefert die Trio-Besetzung - eben so, wie es Chet Baker in seinen letzten Lebensjahren bevorzugte: "Zwischen die Textvorträge schlichen sich heimlich, still und leise rhythmische Akzente vom Kontrabass sowie farbige Harmonien und sparsame, jedoch punktgenau platzierte melodiöse Riffs der Gitarre ein, um Trompeter Martin Zobel die Basis für ausgedehnte Improvisationen zu geben", schreibt die Musikkritik. Mehr noch: "Zobel ist bekanntermaßen einer der besten deutschen, wenn nicht europäischen Könner an der gestopften Trompete - in Stil und Rang eines Chet Baker." Mehr Ritterschlag geht nicht. Und es stimmt, Zobels weicher und sanfter Ton erinnert in der Tat an die Spielweise Chet Bakers. Die Poesie der Texte und der intime Sound des Trios verbinden sich zu einer wunderschönen Hommage an diesen großartigen Musiker.

Live im carre: The Chet Baker Story, 4. November, 19.30 Uhr, Forum Dieker Carré, Karten kosten zehn Euro, ermäßigt sieben Euro.

Quelle: RP
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