Interview Stephan David Küpper
Blutspenden: Nur Wenige machen mit

Fragen und Antworten zum Blutspenden
Fragen und Antworten zum Blutspenden FOTO: dapd
Am 14. Juni ist Weltblutspendetag. Er soll an die Bedeutung der Spende erinnern und neue Freiwillige werben.

Der Weltblutspendertag ist im Jahr 2004 von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und der Internationalen Föderation der Rotkreuz- und Rothalbmondgesellschaften ins Leben gerufen worden. Am 14. Juni 1868 wurde der Entdecker verschiedener Blutgruppen, Karl Landsteiner, geboren. Er stellte 1901 fest, dass die Blutübertragung von verschiedenen Blutgruppen zu Verklumpungen des Blutes führen kann. Hierfür erhielt er 1930 den Nobelpreis für Medizin und Physiologie. Stephan David Küpper ist Sprecher des Blutspendedienstes West.

Wer oder was ist eigentlich der Blutspendedienst West?
Küpper Der DRK-Blutspendedienst West ist durch den Zusammenschluss der bis dahin selbständigen DRK-Blutspendedienste in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz/Saarland 2002 entstanden. Als Einrichtung der DRK-Landesverbände Nordrhein, Westfalen-Lippe, Rheinland-Pfalz und Saarland ist er Teil des Deutschen Roten Kreuzes der Bundesrepublik Deutschland. Der Blutspendedienst der DRK-Landesverbände in Nordrhein-Westfalen wurde 1951 in Düsseldorf als erster DRK-Blutspendedienst in Deutschland gegründet und führte am 29. Februar 1952 einen ersten Blutspendetermin in Gelsenkirchen durch. In Rheinland-Pfalz begann der DRK-Blutspendedienst im Jahr 1953 im Regierungsbezirk Trier. Im Saarland wurden erste Blutspenden durch den DRK-Blutspendedienst im Jahr 1967 durchgeführt.

Jedes Jahr im Sommer hört man von Versorgungsengpässen mit Blutkonserven. Was sind die Folgen dieser Engpässe?
Küpper Im Laufe eines Jahres gibt es immer wieder Zeiten, in denen das Aufkommen von Blutspenden stockt. Hierzu gehören besonders die Sommerferien aber auch der Mai, mit seinen vielen Feiertagen. Grundsätzlich versuchen die Blutspendedienste des DRK immer einen "Vorrat" orientiert am Bedarf von drei Tagen im Lager vorzuhalten. Wenn aber z.B. der Vorrat bei den Rhesus negativen Blutgruppen unter dem Bedarf eines Tages rutscht, können nicht mehr alle Krankenhäuser so beliefert werden, wie benötigt. Das bedeutet, dass auch Operationen, geplante Eingriffe et cetera verschoben werden müssen. Das Problem verschärft sich zunehmend wegen des demografischen Wandels.

Wie viel Blut wird täglich gebraucht, wie viele Spenden wären nötig und was bekommen Sie tatsächlich?
Küpper In Deutschland wurden im vergangenen Jahr ca. 4,2 Millionen. Vollblutspenden entnommen. Davon stellen die sechs regional tätigen DRK-Blutspendedienste 3,0 Millionen Vollblutspenden für die flächendeckende, umfassende Patientenversorgung nach dem Regionalprinzip zur Verfügung. Rund um die Uhr an 365 Tagen im Jahr. Für die Bundesländer NRW, Rheinland-Pfalz und das Saarland werden jeden tag rund 3.500 Blutkonserven benötigt.

Wofür wird das Blut gebraucht und wer bekommt es? Nach Unfällen, zur Krebstherapie oder ganz was anderes? Küpper Die meisten Blutpräparate werden mittlerweile in der Krebstherapie verwendet.

Welche Blutgruppen sind Mangelware?
Küpper Die Rhesus negativen Blutgruppen sind fast immer Mangelware. Sehr begehrt ist die Universalblutgruppe = negativ

Wie sicher sind Blutprodukte? Seit den Infektionen mit HIV in den 80er Jahren sind immer noch viele Leute verunsichert.
Küpper Seien Sie sich sicher - Blutprodukte sind heute so sicher wie noch nie! Spender werden immer ausführlich befragt, Blutdruck und der Blutfarbstoff (Hb-Wert) gemessen. Dann prüft man, ob das Blut für die Patienten sicher ist. Hier geht es vor allem um jene Infektionen, die sich durch Blut und Blutkomponenten übertragen lassen, zum Beispiel Leberentzündungen Hepatitis B und C, HIV, Geschlechtskrankheit Syphilis. Zusätzlich wird die Blutgruppe untersucht und das Vorhandensein bestimmter Antikörper ermittelt. Für Patienten mit geschwächtem Immunsystem, zum Beispiel Neugeborene und Transplantierte, wird zudem ein gewisser Teil der Spenden auf Erreger untersucht, die in einem hohen Prozentsatz in der Bevölkerung vorkommen und beim Gesunden keinen Krankheitswert haben, aber bei diesen Patienten zu schweren Komplikationen führen können.

Woran liegt es, dass zu wenige Leute Blut spenden? 
Küpper Fakt ist – eigentlich bekennen sich viel zu wenige Menschen, ob aktiv oder passiv, zur Blutspende! In NRW, Rheinland-Pfalz und dem Saarland (unserem Versorgungsgebiet) spenden lediglich ca. 450. 000 Menschen aktiv für alle 23 Millionen Einwohner. Diese Zahl sagt eigentlich schon sehr viel. Die Menschen sind heutzutage vielfältigen Belastungen und auch "Zeiträubern" ausgesetzt. Beruf, Familie, Freizeit – alles will unter einen Hut gebracht werden. Der Tag hat aber nur 24 Stunden. Wenn der DRK-Blutspendedienst West einen altgedienten Blutspender verliert, der wegen seines Alters oder wegen Krankheit nicht mehr spenden darf, müssen wir im Schnitt 3 neue Spender für diesen einen zur regelmäßigen Blutspende motivieren. Ältere Stammspender kommen ca. 4,5 Mal im Jahr zur Blutspende. Junge Spender meist ca. 1,5 Mal jährlich.

Was tun sie, um mehr Spender zu gewinnen? Gibt es "Sonderaktionen" am Abend, Wochenende oder dergleichen?
Küpper Es gab, gibt und wird auch immer viele Aktionen rund um die Blutspende geben. Angefangen bei den sogenannten Blutspendemarathons, Blutspende-Großveranstaltungen mit Eventcharakter, über Sonntagstermine bis hin zu "Spender werben Spender" Aktionen – es wird viel unternommen. Aber ganz ehrlich – es muss eine gesellschaftliche Aufgabe sein, dies zu unterstützen und zu tun.

Wer kann/darf spenden, wer nicht?
Küpper Grundsätzlich gilt: man muss 18 Jahre alt sein, mindestens 50 Kilogramm wiegen, sollte am Tag der Blutspende nicht nüchtern zur Blutspende kommen und auch schon 1-2 Liter getrunken haben. Und sehr wichtig: Bitte den Personalausweis mitbringen.

Was passiert beim ersten Spendetermin?
Küpper Egal ob man zum ersten Mal spendet oder irgendwann zum zehnten Mal – die Abläufe sind immer gleich. An der Anmeldung nimmt man die persönlichen Daten auf, danach füllt der Spender einen Fragebogen aus. Hier werden Fragen rund um den Gesundheitszustand abgefragt. Hiernach geht's zur anwesenden Ärztin oder Arzt. Nachdem Blutdruck und Eisenwert des Blutes bestimmt wurden, legt er dann fest, ob man überhaupt spenden darf. Danach werden 500 ml Blut entnommen. Mit einer Blutspende hilft man immer drei Mal. Das Blut wird in die einzelnen Blutbestandteile weiterverarbeitet und kann dann so indikationsbezogen an die Patienten abgegeben werden. 

Wie werden Spender entlohnt? Gibt es Suppe oder Geld?
Küpper Bei einer Blutspende gibt es zu allererst das gute Gefühl, anderen Menschen zu helfen. Natürlich auch den obligatorischen Imbiss und auch immer ein kleines Dankeschön-Geschenk. Bis Ende Juni ist dies eine zeitgemäße Einkaufstasche aus Jute. Eine Blutspende ist eine Spende – deshalb gibt es beim DRK auch kein Geld hierfür. Dies ist der Grundsatz des DRK und auch der WHO. Dies geschieht im Übrigen nicht, weil, wie immer mal wieder behauptet, Gewinne gemacht werden! Natürlich fließt im Blutspendewesen Geld. Die Kliniken bezahlen hier letztlich den Aufwand, den der DRK-Blutspendedienst leistet. Wer einmal einen Blick in das Zentrallabor werfen konnte, in dem die Untersuchungen stattfinden, um Blutspenden so sicher wie heute machen zu können, versteht sehr schnell, welch großer Einsatz für eine sichere Blutkonserve beim DRK betrieben wird.

Was passiert mit den Gewinnen, die sie mit Blut- und Plasmakonserven machen?
Küpper Der DRK-Blutspendedienst West ist eine gemeinnützige GmbH. Wir müssen und wollen keine Shareholder-Interessen befriedigen, wie das z.B. bei Privatunternehmen der Fall ist. Wir versorgen 70 Prozent der Krankenhäuser mit sicheren Blutprodukten und haben dabei keine Gewinnmaximierung im Fokus. Aber auch der Blutspendedienst muss mal eine neue Maschine oder einen neuen Schreibtisch kaufen, dafür muss man auch etwas auf die Seite legen.

Ilka Platzek stellte die Fragen.

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