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Haan
Wohnheimplatz kostet die Stadt 486,29 Euro

Haan: Wohnheimplatz kostet die Stadt 486,29 Euro
Abdoul Ghaoir, selbst vor 25 Jahren aus Syrien gekommen und jetzt im Dienst der Stadt, zeigt Walter Drennhaus die spartanische Grundausstattung. FOTO: Staschik
Haan. Händeringend sucht Haan nach Wohnungen für Flüchtlinge. Die Unterbringung in Unterkünften ist auf Dauer sehr teuer. Von Alexandra Rüttgen

Das helle Neonlicht verschluckt alle Schatten. Die Wände sind schneeweiß, das Linoleum auf dem Fußboden ist hellgrau. Es riecht nach Farbe. "Sauber und hell", sagt Marlene Altmann (CDU) und wirkt zufrieden. Noch lebhaft vor Augen haben die Politiker ältere Wohnheime, in denen die Zustände noch ganz anders waren. "Schlicht, einfach, aber funktional", ist daher aus einer anderen Ecke zu hören: Der Sozialausschuss besichtigte am Dienstagabend das neue Übergangswohnheim am Neandertalweg in Gruiten.

Hintergrund: Flüchtlinge in Turnhallen

Erst seit wenigen Tagen leben dort Flüchtlinge, die aus den Massenquartieren herausgenommen wurden: Es sind so genannte unbegleitete Minderjährige, also junge Asylbewerber, die ohne einen Familienangehörigen nach Deutschland gekommen sind. Aktuell leben sechs in Haan, berichtete die erste Beigeordnete Dagmar Formella beim Besichtigungstermin. Sie rechnet damit, dass es noch weitaus mehr werden. 50 Zimmer bietet daher der Standort am Neandertalweg. Vier der jugendlichen Flüchtlinge, die zuvor in einer Ferienwohnung lebten, sind jetzt in diese Unterkunft umgezogen. Während des Besichtigungstermins waren sie abwesend und wurden in einem Sportangebot betreut.

Kinder und Jugendliche stehen unter dem besonderen Schutz der UN-Kinderrechtskonvention: Sie haben ein Recht darauf, dem Kindeswohl entsprechend untergebracht, versorgt und betreut zu werden. Daher hat die Stadt Haan ein Wohnheim abseits der Massenquartiere eingerichtet, in dem sich die ausschließlich männlichen Jugendlichen weitestgehend selbst versorgen können. So stehen Waschmaschinen und Trockner, Putzmittel, Besen und Reinigungsmittel bereit. Zwei Betreuer, die sich abwechseln, sind über Stunden vor Ort, um zu helfen. Gleichwohl ist Formella unglücklich über diese Art der Unterbringung. "Ich hätte gerne Wohnungen für die Jugendlichen. Doch die Resonanz läuft gegen Null."

Fotos: Wo Flüchtlinge wohnen können FOTO: dpa, rwe jai

Auch die WLH-Fraktionschefin Meike Lukat wünscht sich, dass die Stadtverwaltung Alternativen findet. Das auch im Hinblick auf die finanzielle Belastung der Kommune. Sie wurde dem Ausschuss später während seiner eigentlichen Sitzung anhand der "Entgeltberechnung" vor Augen geführt: Die Unterbringung in der Mehrzahl der Übergangswohnheime kostet die Stadt Haan pro Person und Monat 486,29 Euro. Hinzu kommen Stromkosten für 34,63 Euro.

"Diese Zahlen sind erschreckend, denn sie zeigen, dass wir uns dringend um für die Stadt bezahlbaren Wohnraum kümmern müssen", schreibt Lukat in einer Pressemitteilung. Es gelte nun, Optimierungsmöglichkeiten und Einsparpotenziale zu finden. Ein Thema, das anlässlich der WLH-Klausurtagung zum Haushalt am 30. Januar auf der Tagesordnung steht.

Quelle: RP
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