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Hilden
Ach du heiliger . . . Bimbam

Hilden: Ach du heiliger . . . Bimbam
Peter Groß kniet mutig unter der größten Glocke von St. Jacobus. Es ist die "Herz Jesu-Glocke". Sie wiegt 1,8 Tonnen und ist auf die Tonlage d' gestimmt. FOTO: Stephan Köhlen
Hilden. Kirchenglocken haben oft eine bewegte Vergangenheit. Auch die drei Glocken von St. Jacobus wurden einst verschleppt. Von Alexandra Rüttgen

Wer in den Glockenturm von St. Jacobus in Hilden steigen will, der braucht starke Nerven. Die Treppen sind steil, der Turm ist eng. Und so sind wohl die Fachleute des Tüv diejenigen, die die Glocken von St. Jacobus am häufigsten sehen, wenn sie deren Aufhängung überprüfen. Manchmal aber steigt auch Peter Groß in den Turm, und wenn er das Metall der Glocken berührt, "dann ist das kalt. Blitzekalt".

Peter Groß ist 1997 nach Hilden gezogen und war zwölf Jahre lang Vorsitzender des Pfarrgemeinderats. Dort, wo er wohnt, kann er die Glocken von St. Jacobus hören. Ihr Klang, das ist für ihn Heimat, die ihn überall dort einholt, wo Kirchenglocken läuten - auch im Ausland. Und auch die Kirche, das Gotteshaus, ist für ihn ein Stück Heimat - eines, das er besonders gut kennt, denn er hat sich eingelesen in seine Geschichte. "Es gibt ja in einer katholischen Kirche nichts, das nicht eine Bedeutung hat", sagt er. Und manchmal erzählt er das auch Jugendlichen, die seine Führungen besuchen und sich vielfach fasziniert zeigen.

Die Glocken von St. Jacobus stammen aus dem Jahre 1910. Sie wurden in der Firma "Petit & Gebr. Edelbrock" gegossen, die im münsterländischen Gescher sitzt. Glocken dieser Firma sind im Kreis häufiger anzutreffen. Sie haben nicht wirklich Namen, aber sie sind, wie eigentlich jede Glocke in einer katholischen Kirche, gesegnet und gewidmet.

In St. Jacobus ist die "Herz-Jesu-Glocke" mit einem Gewicht von 1,8 Tonnen die größte und klingt in der Tonlage d'. 1,25 Tonnen wiegt die zweitgrößte Glocke, die St. Jacobus geweiht ist. Sie klingt in der Tonlage e'. Und 850 Kilo wiegt die Glocke, die dem Heiligen Antonius von Padua geweiht ist, dem zweiten Pfarrpatron. Diese Glocke klingt in der Tonlage fis'. Mit diesen Tönen lässt sich das Geläutemotiv von "Pater noster", also des "Vater unser" bilden - ein sehr häufiges Geläutemotiv christlicher Kirchen.

Glocken haben in Deutschland eine bewegte Vergangenheit. Im Ersten und Zweiten Weltkrieg wurden sie oft abgenommen, um sie für die Rüstung umzuschmelzen. Auch mit den Glocken von St. Jacobus war das so. Die beiden großen wurden sehr zur Bestürzung der Gemeinde im April 1942 beschlagnahmt und abtransportiert. Nur die dritte, die kleinste Glocke verblieb im Turm.

Doch die Hildener hatten Glück. Sie suchten nach ihren Glocken und entdeckten sie nach Kriegsende in einem Hamburger Lager. Von dort wurden sie am 30. September 1947 nach Hilden zurück gebracht; erst per Bahn zum Bahnhof Benrath, dann per Pferdegespann zur Kirche, begleitet von einer feierlichen Prozession. Zwischenzeitlich "hätte die Gemeinde gerne noch eine vierte Glocke eingebracht, aber das war aus Platzgründen nicht möglich", erzählt Peter Groß. Und so ist es bei den drei Glocken von St. Jacobus geblieben, die manchmal auch in einem Radiogottesdienst zu hören sind - oder im Internet.

Übrigens sorgen für das Glockengeläut längst ein Computer und Elektrik: "Das manuelle Läuten der Glocken über einen Seilzug im Turm wurde aufgrund fehlender Ehrenamtler immer schwieriger", erzählt Groß. Daher beschloss die Gemeinde die Umstellung auf ein elektrisches Läutwerk, das am 12. Februar 1925 erstmals in Betrieb ging. Die Zeiten, in denen die Glöckner am Glockenseil in die Höhe gehoben wurden, waren damit vorbei.

Quelle: RP
 
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