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Hilden
Alkohol: Ex-Fußballprofi erzählt Jugendlichen seine Sucht-Geschichte

Hilden. Der Ex-Fußballprofi und trockene Alkoholiker Uli Borowka (53) war jetzt zu Besuch bei verhaltensauffälligen Jugendlichen der Graf-Recke-Stiftung. Er berichtete ihnen über seinen Aufstieg als Fußballprofi, seinen Absturz als Alkoholiker und den Ausweg. Von Tina Virnich

Durch die Sucht hat er seine Familie und sein ganzes Geld verloren. "Doch damals war mir nur wichtig, wo ich meinen Suff herbekomme",erzählt Borowka mitreißend. "Ich habe am Tag eine Kiste Bier, eine Flasche Wodka und eine Flasche Whisky gesoffen. Aber ich habe nie gedacht, dass ich ein Problem habe. Außerdem habe ich mir nichts sagen lassen, denn ich dachte immer, dass ich der Größte bin." Da er Versagensängste hatte und als "Held" nicht über seine Gefühle reden konnte, ertränkte er seine Sorgen im Alkohol. Sein starker Wille und Ehrgeiz haben ihm später geholfen, nicht rückfällig zu werden. "Der Alkohol ist der Tod - und den hole ich mir nicht mehr freiwillig", sagt der "die Axt" genannte Verteidiger von einst. Da die Jugendlichen am Ende viel fragten, hat Borowka es geschafft, sie mit seinem Vortrag zum Nachdenken zu bringen.

Die Fachaufsicht der Graf-Recke-Stiftung in Hilden, Heinz Josef Neunzig, hatte den Exprofifußballer im Fernsehen gesehen und sich gedacht, dass Uli Borowka die Jugendlichen mit seiner Geschichte aufklären und somit zu ihrer Förderung beitragen könnte. "Das Problem mit der Sucht ist, ihre Gefahren zu vermitteln", sagt der Geschäftsbereichsleiter, Michael Mertens.

Jahrelang verheimlichte Uli Borowka sein Doppelleben. 16 Jahre war er Alkoholiker und später auch medikamentenabhängig. Erst zwei Jahre nach seinem Abschied aus der Bundesliga gelang ihm im Jahr 2000, nach viermonatiger stationärer Therapie, der Ausstieg aus der Alkoholsucht. Freunde hatten ihn ohne sein Wissen in einer Suchtklinik in Bad Fredeburg angemeldet.

Borowka erklärt den Jugendlichen, dass es nicht "schwach" ist, Nein zu Alkohol zu sagen. Seiner Meinung nach ist das "stark". Das Problem ist aber, dass viele Jugendliche noch nicht so weit denken und die Gefahr nicht erkennen können. "Die Alkoholkrankheit ist eine anerkannte Krankheit, aber wenn man sie in Deutschland hat, ist es schlecht. Ich habe versucht, als Jugendtrainer in den Profifußball zurückzukehren. Ich habe 20 Bewerbungen geschrieben, aber nur Absagen erhalten", sagt der Ex-Spieler von SV Werder Bremen. Zwischendurch liest er aus seiner Biographie mit dem Titel "Volle Pulle" vor. Den Zuhörern wird klar, was Alkohol anrichten kann und in welch schlimmer Lage er sich befand.

Quelle: RP
 
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