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Hilden
Alte Fabrik wird Awo-Zentrum mit Café

Hilden. Die Arbeiterwohlfahrt Bezirksverband Niederrhein investiert drei Millionen Euro in ein Inklusionsprojekt. Von Christoph Schmidt

Der Notarvertrag ist unterschrieben, die Finanzierung steht. Werner Eike, Leiter des Wohnverbundes der Arbeiterwohlfahrt mit Sitz im Fritz-von-Gehlen-Haus, ist einen großen Schritt weitergekommen. Der Awo-Bezirksverband Niederrhein hat die alte Fabrik an der Walder Straße 24 gekauft. Der Hildener Architekt Christof Gemeiner wird sie zu einem Zentrum für Beratung, Freizeit und Arbeit umbauen. Sobald die Baugenehmigung vorliegt (Mitte des Jahres), soll es losgehen. Eike rechnet mit einer Bauzeit von 12 bis 14 Monaten. Kosten: rund drei Millionen Euro. Die Bank für Sozialwirtschaft übernimmt die Finanzierung. Die Stiftungen Wohlfahrtspflege und "Aktion Mensch" wollen das Projekt finanziell unterstützen.

Mit dem neuen Zentrum in der alten Fabrik will die Arbeiterwohlfahrt ihre Angebote für psychisch kranke Menschen zusammenfassen und ausbauen. Die Awo betreibt in Hilden bereits das Fritz-von-Gehlen-Haus, ein Wohnheim für chronisch psychisch kranke Menschen mit 21 Plätzen. Vom Stadtrand aus werden auch 40 Klienten in ihren Wohnungen betreut. Die Ergotherapie ist derzeit noch nach Langenfeld ausgelagert. Der Fahrdienst (dreimal am Tag) für die 21 Nutzer ist aufwendig.

Die alte Fabrik biete durch ihre verkehrsgünstige Lage, optimale Größe und den großen Außenbereich "perfekte Bedingungen", schwärmt Eike: "Wir wollen einen gemeinsamen Sozialraum für Menschen mit und ohne Behinderung schaffen." Im Erdgeschoss ist ein öffentliches Café geplant. Bis zu 40 psychisch kranke Menschen sollen dort stundenweise arbeiten. Dazu sind Räume für die Ergotherapie, Büros und drei barrierefreie Wohnungen für Klienten vorgesehen. Baurechtlich gibt es keine Einwände gegen das Projekt.

Klaus Dupke, Vorsitzender des Behindertenbeirates, hält das Inklusionsprojekt für einen Gewinn für Hilden. Die Stadtverwaltung sieht das ähnlich. Das "attraktive Modell" mache den Stellenwert und die Chancen der Inklusion deutlich.

Architekt Christof Gemeiner hat schon einiges über die Vergangenheit der alten Fabrik von 1852 in Erfahrung gebracht: "Dort war früher eine Gravur-Anstalt untergebracht, die Walzen für das Bedrucken von Modestoffen hergestellt hat - ein hoch spezialisierter Betrieb. Die Mitarbeiter durften im Obergeschoss wohnen. So wollte man sie an den Betrieb binden." Die Geschäfte liefen so gut, dass um 1900 nebenan eine Villa für die Inhaber errichtet wurde. Dieses Gebäude hat Gemeiner gekauft, renoviert und dort sein Büro untergebracht. Die Ziegelfassade der alten Fabrik sei in einem guten Zustand und bleibt erhalten: "Da sieht man, wie gut Klinker altern können."

 

Quelle: RP
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