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Gruiten
Alte Karte belegt Streit unter Nachbarn

Gruiten: Alte Karte belegt Streit unter Nachbarn
Wer kann aus dieser Skizze etwas herauslesen? Lothar Weller konnte - und belegt mit seiner Forschung, dass Nachbarschaftsstreit schon vor mehr als 280 Jahren ein Thema war. FOTO: Gruitener Archive
Gruiten. Eine alte Karte. Ein Weg. Ein Streit. Und mittendrin zwei Nachbarn, die sich - hätte es so etwas damals schon gegeben - wohl lautstark über den Gartenzaun hinweg gestritten hätten. Von Sabine Maguire

Grund für die Debatte: Der eine wollte dem anderen verbieten, das Brennholz für seinen Kalkofen über den eigenen Verbindungsweg hinweg von der Landstraße auf den Hof zu transportieren.

Was soviel hieß wie: Der Besitzer des Hofes "Postdüssel" konnte zwar in seinem Ofen guten Kalk brennen. Aber ihm fehlte das Brennholz, weil zwar viele Wege nach Rom führen, aber nur der des Nachbarn vom Hof "Große Düssel" zur Landstraße. Und ohne den kam kein Brennholz bei ihm an. Warum das ganze Theater? Die Gründe scheinen banal gewesen zu sein: Besagter Kalk wurde auf beiden Höfen gebrannt. Und um sich einen unliebsamen Konkurrenten vom Hals zu schaffen, entzog der eine Nachbar dem anderen kurzerhand das Wegerecht.

"Es drängt sich der Gedanke auf, der Postdüsseler könnte schon damals erkannt haben, dass auf seinem Besitz links der Düssel besonders guter Kalkstein liegt", glaubt Lothar Weller vom Haaner Geschichtsverein. Zweihundert Jahre später sei er dort sogar industriell abgebaut worden. Besonders die Grube 7 sei dafür ein unübersehbares Zeugnis gewesen. Aber wie ist der Hobbyhistoriker den beiden Streithähnen überhaupt auf die Schliche gekommen? Schließlich liegt die besagte Debatte bereits 300 Jahre zurück. Und gestritten wurde damals vermutlich ständig irgendwo über irgendwas. Die Erklärung ist kurios - und dennoch läuft es so ziemlich oft, wenn es um Geschichte und Geschichten geht. "Im Archiv Breidbach liegt seit vielen Jahren eine handgezeichnete Karte. Darauf sind zwei Kalköfen und die Wege dargestellt, auf denen Brennmaterial zu den Öfen und gebrannter Kalk von dort zu den Abnehmern transportiert wurde", erzählt Lothar Weller.

Bislang habe damit nicht viel anfangen können. Weder das Alter der Karte noch der Zweck, dem sie diente, seien bekannt gewesen. Nun jedoch seien zwei Schriftstücke aus dem Archiv entschlüsselt worden. Und die wiederum hätten die fehlenden Puzzleteile geliefert, um sagen zu können: Die Karte wurde etwa 1735 gezeichnet. Und sie gehörte zu den beiden Streitschriften, die mit augenscheinlicher Wut im Bauch das ganze Dilemma widerspiegelten.

Erst wollte der eine einen Weg sperren, dann wollte es ihm der andere gleichtun. Wie die ganze Sache ausging und ob die Hofnachbarn jemals wieder ein freundliches Wort miteinander gesprochen haben? Wir wissen es nicht. Eines hingegen weiß man nun: Es lohnt sich, bei der Suche in Archiven nicht die Geduld zu verlieren.

Quelle: RP
 
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