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Hilden
Altenheim-Leiter unter Beschuss

Hilden. Ein anonymes Schreiben an die Ratsfraktionen ruft den Aufsichtsrat der Seniorendienste auf den Plan. Von Gökçen Stenzel

Der Vorgang, der hinter den Kulissen gerade die halbe Stadt beschäftigt, ist "beispiellos", wie Hans-Werner Schneller es nennt - und aus seinem Mund hat diese Einordnung Gewicht. Immerhin ist der Ratsherr und stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende ein alter Hase in der Hildener Lokalpolitik. Jetzt ist er als Aufsichtsratsvorsitzender der "Gemeinnützigen Seniorendienste der Stadt Hilden" gefordert und als solcher hat er eine außerordentliche Sitzung des Gremiums einberufen. Einziger Tagesordnungspunkt: die Aufklärung der Vorwürfe gegen Holger Reinders.

Dem 64-jährigen Geschäftsführer der Seniorendienste GmbH, einer hundertprozentigen Tochter der Stadt, wird in einem anonymen Schreiben unkorrektes Verhalten bis hin zur persönlichen Bereicherung und Vetternwirtschaft vorgeworfen. Das Schreiben ist - unter anderem - an fast alle der im Stadtrat vertretenen Fraktionen gegangen. Zu den Seniorendiensten gehören die Häuser am Erikaweg und an der Hummelsterstraße sowie die Tagespflege am Fliederweg; Reinders führt seit 16 Jahren die Geschäfte.

"Anonym oder nicht - wir müssen auf die Vorwürfe reagieren", sagt Schneller, "sie müssen aufgeklärt werden, wir werden offensiv damit umgehen." Das soll in der nichtöffentlichen Sitzung, die für den 29. August anberaumt wurde, geschehen. Schneller und sein Stellvertreter, der CDU-Ratsherr Michael Deprez, sind sich einig: Das Vorgehen diene auch dem Schutz der Person Reinders, der sich gegen einen - im übertragenen Sinne - Heckenschützen zur Wehr setzen müsse. Anonym Vorwürfe zu erheben, sei schlicht unseriös und feige, meint auch CDU-Chefin Marion Buschmann, deren Fraktion den Schrieb ebenfalls bekommen hat. "Es ist eindeutig, dass es sich um einen Mitarbeiter oder auch einen ehemaligen Mitarbeiter Reinders' handeln muss, denn er hat auch interne Mails in Umlauf gebracht."

Welche Vorwürfe stehen im Raum? Erstens soll Reinders seiner Tochter eine Arbeit als Altenpflegerin "beschafft" haben. Klar ist, "dass wir händeringend nach Pflegekräften suchen", so Deprez. "Der Markt ist leer gefegt." Zweitens soll Reinders seine Ehefrau als "Blumenfee" auf 450-Euro-Basis eingestellt haben. Diesen Vorgang kennt wiederum Buschmann: Die Frau, die sich vorher um die Blumen gekümmert hat, mache die Arbeit nicht mehr. Die Ehefrau sei eingesprungen, "so wie mein Sohn mir gerade hilft, denn ich finde in Mettmann niemanden, der mir fürs Open-Air-Kino die Leinwand aufbaut". Für die Ratsfrau ist klar: "Hier soll der Ruf eines Menschen ruiniert werden." Drittens sei das Amt für Arbeitsschutz der Bezirksregierung Düsseldorf wegen fehlender Pausen, Lohnzuschläge und Ruhezeiten der Mitarbeiter mehrmals in den Seniorenzentren vorstellig geworden. "Richtig", sagt Schneller dazu, "und es hatte nichts zu beanstanden." Geschäftsführer und Prokuristin sollen zudem ihre Getränke und Brötchen nicht bezahlt haben, zum Schaden der Häuser - und genügend privat Diffamierendes enthält das Schreiben darüber hinaus.

Holger Reinders: "Da wirft einer mit Schmutz und hofft, dass irgendetwas hängen bleibt!" Der 64-Jährige hat bereits seine Stellungnahme in der Sitzung des Aufsichtsrats angekündigt. Bis dahin will er zu den Vorwürfen nicht konkret Stellung nehmen. Nur so viel: "Es handelt sich hier um eine üble Verleumdungskampagne, gegen die ich auch juristisch vorgehen werde und mich dazu anwaltlich beraten lasse", sagt Reinders der Rheinischen Post. "Ich sammele gerade die nötige Unterlagen zusammen, mit denen ich die Vorwürfe glasklar widerlegen kann. Es wird nichts hängenbleiben."

Quelle: RP
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