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Hilden
Arbeitsmarktzahlen: Wie ein Index irritieren kann

Hilden. Bei einer Präsentation der Arbeitsagentur sah Hilden gar nicht gut aus. Die RP ist der Sache nachgegangen. Von Christoph Schmidt

Bei der Jahrespressekonferenz der Agentur für Arbeit Mettmann präsentierte deren Leiter Marcus Kowalczyk dieser Tage gute Nachrichten (so viele Jobs wie noch nie im Kreis). Eine Grafik sorgte allerdings für Irritationen. Bei der Entwicklung der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung (sie ist aktuell auf einem Allzeithoch) schnitt Hilden ziemlich schlecht ab. Mit 103,5 Prozentpunkten lag Hilden deutlich unter dem Durchschnitt der Arbeitsagentur Mettmann (106,53 Prozentpunkte von 2007 bis 2015) und dem Durchschnitt in NRW (119,31).

Schwer zu verstehen: Denn der Hildener Wirtschaft geht es gut, viele Firmen investieren (deshalb sind allerdings die Gewerbesteuer-Einnahmen der Stadt hinter den Erwartungen zurückgeblieben). Mit 6,0 Prozent (Dezember 2015) hat Hilden/Haan nach Langenfeld/Monheim (5,9) nach wie vor die niedrigste Arbeitslosenquote im Kreis. Die Arbeitsagentur Mettmann konnte sich die Sache nicht so recht erklären, räumt Sprecher Christoph Löhr ein: "Möglicherweise hat ein großes Unternehmen seinen Hauptsitz aus Hilden verlegt.

Die sozialversicherungspflichtig Beschäftigten würden dann tatsächlich noch in Hilden arbeiten, aber dort nicht mehr gezählt." Wirtschaftsdezernent Norbert Danscheidt hat sich die absoluten Zahlen angeschaut: "In NRW kommen 362 sozialversicherungspflichtige Beschäftigte auf 1000 Einwohner, im Kreis Mettmann 370 und in Hilden 392. Das zeigt: Hilden liegt auf jeden Fall über dem Durchschnitt in Kreis und Land.

" Im Juni 2007 wurden in Hilden 20.511 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte gezählt, im Juni 2014 20.363 (-148) und im März 2015 21.534. "Hilden ist 2007 auf einem vergleichsweise hohen Niveau gestartet und der Zuwachs über sieben Jahre war mit rund 1000 Beschäftigten begrenzt", analysiert Danscheidt. In anderen Kreisstädten wie Langenfeld und Ratingen sei der Zuwachs deutlich höher gewesen - auch weil sie 2007 auf einem anderen, niedrigeren Niveau gestartet seien.

Der Index bilde den Zuwachs ab. Das verzerre das Bild. Anderes Beispiel: Nimmt man die Anzahl der Beschäftigten pro Stadtfläche, sei Hilden mit 830 Beschäftigten pro Quadratkilometer "die Nummer eins im Kreis": "Da ändert sich die Relation vollständig." Langenfeld habe beispielsweise nur 635 und Monheim 570 Beschäftigte pro Quadratkilometer. Das sei aber auch dem Umstand geschuldet, dass Hilden mit knapp 26 Quadratkilometern ein ziemlich kompaktes Stadtgebiet habe.

Zweifelsfrei lässt sich jedoch ein Trend erkennen: Deutlich mehr Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte arbeiten in Teilzeit. In Hilden wurden vor sieben Jahren 17.291 Voll- und 3215 Teilzeit-Beschäftigte gezählt: Heute (März 2015) sind es 16.765 Voll- und 4769 Teilzeit-Beschäftigte. Im Kreis Mettmann ist die Zunahme der Teilzeitarbeit noch deutlicher: von 25.508 auf 38.687. Das bedeutet ein Plus von 36 Prozent von 2010 bis 2015.

Die Vollzeitarbeit ging von 2007 bis 2015 von 139.139 auf 138.242 zurück. Löhr von der Arbeitsagentur weist darauf hin: Wer statt fünf Tagen in der Woche nur noch vier arbeitet ("das kommt immer häufiger vor"), wird als Teilzeit-Beschäftigter geführt: "Hinzu kommen die Wiedereinsteiger, die meist Teilzeit arbeiten." 42 Prozent aller Frauen beispielsweise arbeiten in Teilzeit.

Quelle: RP
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