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Hilden
Armin Laschet rockt das Brauhaus

Hilden: Armin Laschet rockt das Brauhaus
Applaus für Armin Laschet (Mitte). Links: Kandidatin Claudia Schlottmann aus Hilden, rechts Tim Brühland vom Stadtverband Monheim. Im Hintergrund links: Landrat Thomas Hendele. FOTO: Matzerath
Hilden. CDU-Spitzenkandidat macht Wahlkampf in Monheim - einziger Auftritt in der Region. Claudia Schlottmann ist auch da. Von Thomas Gutmann

Das Ehepaar ist in den Siebzigern, und es dürfte an diesem Abend eine Rarität sein im pickepackevollen Monheimer Festsaal mit dem kinoleinwand-großen Wahlplakat der CDU und den "Wahlmampf"-Chipstüten auf den Tischen. Nicht vom Alter her, auch wenn gleich neben ihnen drei junge Männer sitzen, mit orangefarbenen Westen ("CDU-Team") - Wahlkampfhelfer der JU aus Hilden. "Wir sind Wechselwähler", sagt Walter Sack (75). Seine Frau Ute (73) nickt.

Warum sie hier sind? "Wir kennen die Landespolitiker zu wenig und wollen uns mal einen Eindruck verschaffen von einer maßgeblichen Person", sagt der Monheimer. "Und wir wünschen uns Argumente", sagt seine Frau.

Besonders mit der Bildungspolitik in Nordrhein-Westfalen hadern sie, mit dem vielen Unterrichtsausfall und den "gesunkenen Anforderungen". Bei ihnen (Abi 1961 und '63) sei das noch anders gewesen als bei ihren Kindern und Enkeln. "Da war das Gymnasium noch anspruchsvoll."

Dann wird der CDU-Spitzenkandidat für die Landtagswahl am 14. Mai angekündigt. Rockige Musik erklingt, und fast alle erheben sich. Unter rhythmischem Klatschen der gut 200 im Saal zieht Armin Laschet ein. Mit einem Mikro unterm Mundwinkel, die Hände frei, steht er vor seinem riesig plakatierten Konterfei ("Nah bei den Menschen") und zeigt sein bekanntes Armin-Laschet-Strahlen. "Umfragen glauben wir nicht", sagt er bald. "Wobei: Der Sonntag war schön."

Der ganze Saal lacht - es wird nicht das letzte Mal sein. Die Umfrage im Auftrag des WDR, die die CDU erstmals gleichauf mit der regierenden SPD sieht, hat den Christdemokraten spürbar Auftrieb gegeben. "Wir haben Spaß im (Wahlkampf-) Bus, aber auch an den Ständen", betonte Wahlkreis-Kandidatin Claudia Schlottmann bereits bei ihren Aufwärm-Worten vor Laschets Einzug. "Es war oft saukalt. Trotzdem!"

Der Spitzenkandidat mit freundlich-blauer Krawatte erinnert an das unglaubliche 6:1 des FC Barcelona gegen Paris in der Champions League mit drei Toren in den Schlussminuten und an den Dreifach-Torschützen Neymar. Er habe nachgeguckt, was "Neymar" auf deutsch heißt: "Annegret Kramp-Karrenbauer." Wieder tobt der Saal. Drei Tage vor der Landtagswahl im Saarland sei ein Kopf-an-Kopf-Rennen prognostiziert worden, "am Wahlabend lag die CDU zehn Prozentpunkte vorne", sagt Laschet. Und macht deutlich: Auch er will in die Staatskanzlei. "Wir spielen nicht auf Platz. Ich will Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen werden!"

Warum? "Die Leute sagen uns: Es reicht uns mit den Staus, mit der Bildungspolitik, mit dem Herrn Jäger als Innenminister." Dessen Sicherheitspolitik nimmt der bisherige Oppositions-Mann besonders aufs Korn, spricht von Einbrüchen ("fünfmal so viele wie in Bayern"), von "No-go-Areas", dem "Fall Amri" und der Kölner Silvesternacht: "Ich bin mir sicher, dass die bayerische Polizei das nicht geduldet hätte."

Rot-Grün in NRW wende sich überdies gegen die Einstufung nordafrikanischer Staaten als sichere Herkunftsländer. Laschets Plädoyer für einen härteren Kurs in der Asylpolitik findet Zustimmung im Saal. Der Name "Angela Merkel" fällt in den Reden kein einziges Mal. 2015, das Jahr der offenen Grenzen, scheint viel länger als nur 16 Monate weit weg zu sein.

Eine dreiviertel Stunde redet der 56-Jährige aus "Aachen, einem kleinen Ort bei Würselen", beweist Entertainer-Qualitäten, auch mit der Gestik. Die Hände führt er oft wie ein Dirigent, hin und wieder steht der Zeigefinger, sparsam die geballte Faust, die Merkel-Raute allenfalls um 90 Grad gedreht. Nach einer viertel Stunde Fragen aus dem Publikum zieht Laschet aus. Abermals applaudieren die Zuhörer stehend. Dem Ehepaar Sack aus Monheim hat's gefallen. "Das war sehr unterhaltsam, zum Teil wie politisches Kabarett", sagt er. "Ein Fakten-Check wie bei Plasberg wäre auch noch gut gewesen", findet sie.

Quelle: RP
 
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