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Hilden
Automobilzulieferer in modernem Heim

Hilden: Automobilzulieferer in modernem Heim
Maschinenführer Ludwig Duch am neuen Produktionsstandort. Aktuell arbeiten zehn Mitarbeiter im Zwei-Schicht-Betrieb, ab Oktober soll rund um die Uhr gearbeitet werden. FOTO: Olaf Staschik
Hilden. Brüninghaus und Drissner, Hildens ältestes Familienunternehmen, hat sich eine neue Produktionsanlage gegönnt. Von Ilka Platzek

Firmensitz ist - noch - die Itterstraße. Da dort aber kein Platz mehr ist, wird der Betrieb Zug um Zug an die Heinrich-Hertz-Straße verlagert. Dort hat Brüninghaus und Drissner 5000 Quadratmeter Land erworben und eine knapp 3000 Quadratmeter große Produktionshalle auf die grüne Wiese gebaut. Ein Zukauf von weiteren 7,5 Hektar Land ist möglich. Inhaber Marc-Oliver Köhler und sein Produktionsleiter und Prokurist Frank Nitsch sind ganz begeistert von ihrem neuen Schmuckstück. Schon vor der meterhohen Einfahrt gerät die Führung ins Stocken: "Hier können Lkw trocken beladen werden", schwärmt der eine. "Die Konstruktion aus Stahl und Holz haben wir nicht nur wegen der Optik, sondern wegen des Brandschutzes gewählt", sagt der andere. "Holz brennt nicht so schnell."

Brüninghaus und Drissner wurde 1889 gegründet. Der Hildener Familienbetrieb fertigte zuerst Menagen (Ständer) für Pfeffer und Salz/Essig und Öl an, wandte sich aber schon bald seinem Kerngeschäft zu: der Produktion von Blech- und Metall-Bauteilen - überwiegend für die Automobilindustrie. Seit 2014 gehört B&D der MTK Management GmbH von Tanja und Marc-Oliver Köhler - Tochter und Schwiegersohn von Elke und Jürgen Drissner. Sie sitzen zusammen mit Jürgen Drissner in der Geschäftsleitung. B&D beschäftigt aktuell 160 Mitarbeiter und sucht weitere (siehe Info).

Ende 2015 wurde das Herzstück der neuen Produktionsstätte, ein hochmoderner Servo-Umformautomat im Wert von rund 3 Millionen Euro, geliefert. Es folgten Wochen des Aufbaus und weitere der Mitarbeiterschulung. "Die Steuerung der Anlage ist hochkompliziert. Sie wird nur von unseren besten Maschinenführern bedient", sagt Produktionsleiter Nitsch. Der Automat wird auf der einen Seite mit Stahlblechen gefüttert, die direkt von Coils abgewickelt werden. Diese Bleche werden dann in zehn Produktionsschritten unter viel Getöse zum gewünschten Endstück geformt. Aktuell spuckt das meterhohe Ungetüm 10.000 Bremspedale pro Tag aus. Das entspricht 15 Tonnen Stahl. Der Anpressdruck beträgt 240 Tonnen. "630 Tonnen Anpressdruck wären möglich. Ziel ist es, 24 Tonnen Stahl pro Tag zu verarbeiten - eine komplette Lkw-Ladung eines 40-Tonners ", rechnet der Produktionsleiter vor.

Brüninghaus und Drissner ist auf Expansionskurs. In der neuen Fertigungshalle ist Platz für fünf weitere Pressen beziehungsweise Umformautomaten. An der neuen Maschine arbeiten aktuell zehn Mitarbeiter im Zwei-Schicht-Betrieb. Ab Oktober soll rund um die Uhr im Drei-Schicht-Betrieb gearbeitet werden. Weitere Mitarbeiter sitzen an elf Stanzautomaten in der neuen Halle, produzieren etwa kabelbinderähnliche Schellen und Halterungen. Die Auslastung der Firma ist gut. Sie fertigt "300 verschiedene Artikel", sagt Inhaber Marc-Oliver Köhler, darunter viele Spezialhalterungen, Bremsen, Getriebeteile, Schutzkappen und Batteriehalterungen für Elektroautos. Auftraggeber sind alle bekannten Autobauer. Sie geben kurzfristig Bestellungen hoher Stückzahlen auf, die der Produktionsleiter möglichst ebenso kurzfristig realisiert: "Ich bestelle das benötigte Material, lasse es liefern, die Teile produzieren, besorge Verpackungsmaterial und unsere eigene Logistikabteilung macht die Endabnahme und verpackt die Ware, die direkt hier verladen wird", erklärt Frank Nitsch.

"Sieben bis zehn Jahre" hat Marc-Oliver Köhler eingeplant, um die beiden Firmenteile am neuen Standort komplett zusammenzuführen. Parallel dazu will er weiter investieren. "Zurzeit machen wir etwa 22 Millionen Euro Umsatz im Jahr. 2020 sollen es 30 Millionen sein." In fünf Bereichen bildet sie Firma aus. Eigentlich sind alle Lehrstellen fürs aktuelle Ausbildungsjahr vergeben, aber Köhler kann sich durchaus vorstellen, "bei entsprechender Eignung" doch noch weitere Leute einzustellen.

Quelle: RP
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