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Hilden
Azubi-Vertrag geht bei Postcon verloren

Hilden: Azubi-Vertrag geht bei Postcon verloren
Erwartungsfroh hatte die 16 Jahre alte Sophie (Name von der Redaktion geändert) wie auf diesem Symbolbild ihre Bewerbungsunterlagen zusammengestellt. Auf den Ausbildungsvertrag wartete sie jedoch vergeblich. Und auch eine Einladung zum Bewerbungsgespräch kam bei ihr viel zu spät an. FOTO: dpa
Hilden. Vergeblich wartete eine 16 Jahre alte Hildenerin auf ihre Papiere. Damit setzt sich der Ärger um Postzustellungen fort. Von Alexandra Rüttgen

Acht Tage lang schaute die 16 Jahre alte Sophie in den Briefkasten. Und täglich wurde ihre Sorge größer: Bei der Arbeitsagentur in Mettmann hatte die Jugendliche erfolgreich ein Bewerbungsgespräch absolviert. Die Agentur wollte Sophie als Auszubildende einstellen. Daher sandte sie der Hildener Jugendlichen einen Ausbildungsvertrag zu. Problem nur: Der kam nie an. Das junge Mädchen, das seinen Namen in der Öffentlichkeit nicht genannt wissen will, fasste sich schließlich ein Herz und rief ihren künftigen Arbeitgeber an. Der schickte den Arbeitsvertrag ein zweites Mal los. Doch auch dieser Brief kam nie an. Beauftragt mit dem Versand war in beiden Fällen der Dienstleister Postcon. Und dieser Dienstleister sorgte in derselben Hildener Familie fast zeitgleich für weiteren Ärger: Auch bei der Stadtverwaltung Mettmann hatte sich Sophie beworben. Die wollte sie zu einem Bewerbungsgespräch einladen. Doch der von der Behörde ebenfalls per Postcon versandte Brief erreichte sie erst zwei Wochen später. Die Rückmeldefrist für das Bewerbungsgespräch war da schon längst verstrichen.

Sophie ist sauer. "Das finde ich nicht gut", sagt die Jugendliche: "Es ist mittlerweile so schwer, einen Ausbildungsplatz zu finden." Aus diesen Worten spricht ihre Angst, dass die verschwundenen und verspäteten Briefe ihr selbst zur Last gelegt werden und mögliche Arbeitgeber sie für unordentlich und unzuverlässig halten.

Regina Wallau, Sprecherin der Mettmanner Arbeitsagentur, hat Verständnis für die Jugendliche. "Das ist für alle Seiten eine sehr unangenehme Geschichte", sagt sie. Es sei nicht das erste Mal, dass es Ärger gebe: "Dass es mit dem Versand unserer Briefe fünf bis zehn Tage dauert, das ist schon öfter vorgekommen", berichtet Wallau. Auf die Auswahl des Dienstleisters habe die Arbeitsagentur nur begrenzten Einfluss: "Wir müssen öffentlich ausschreiben und dann das wirtschaftlichste Angebot annehmen. Wir haben als Agenturen vor Ort kein Mitspracherecht."

Die Postcon mit Sitz in Ratingen hat sich auf den Versand von Geschäftspost spezialisiert und ist eine 100-prozentige Tochtergesellschaft der niederländischen Firma PostNL. Eigenen Angaben zufolge ist die Postcon zweitgrößter Briefdienstleister Deutschlands und bearbeitet mehr als eine Milliarde Sendungen pro Jahr. "Unsere erste Recherche zeigte keine Auffälligkeiten oder Unregelmäßigkeiten", sagt Sprecherin Jeannine Böhrer-Scholz. "Wir können uns in diesem Fall leider nur entschuldigen." Wo Menschen arbeiten, "passieren leider ab und zu Fehler. Zudem gibt es Zeiten hoher Krankenstände, oder es kommt aufgrund unerwartet hoher Zusatzmengen einmal zu personellen Engpässen", weist Böhrer-Scholz auf Fehlerquellen hin.

Sophie hat den Ausbildungsvertrag zwischenzeitlich gemeinsam mit ihrer Mutter abgeholt - und unterschrieben. Die Ausbildungsstelle ist ihr damit gottlob sicher. Doch auch die Mutter ist noch ärgerlich: "Das war echt unangenehm, das muss ich ganz ehrlich sagen."

Quelle: RP
 
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