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Kreis Mettmann
Bauboom in NRW - Kreis hinkt hinterher

Kreis Mettmann: Bauboom in NRW - Kreis hinkt hinterher
Im Kreis Mettmann müssten mehr Mehrfamilienhäuser gebaut werden. Unser Bild entstand beim Richtfest ein Haus mit Wohnungen für fünf junge Erwachsene mit Handicap an der Friedrichstraße 48. FOTO: Olaf Staschik
Kreis Mettmann. Der Wohnungsbau im Land ist insgesamt um 22,3 Prozent gestiegen. Im Kreis Mettmann sinkt die Rate um 18,8 Prozent. Von Oliver Wiegand und Christoph Schmidt

In gesamten Bundesland Nordrhein-Westfalen wurden im vergangenen Jahr 55.805 Wohnungen zum Bau freigegeben. Das waren 10.175 Wohnungen, bzw. 22,3 Prozent mehr als 2014. Wie Information und Technik NRW als statistisches Landesamt mitteilt, fiel die Zunahme damit um fast zehn Prozentpunkte höher aus als von den Statistikern noch Mitte März vermutet.

Der Bauboom ist im Kreis Mettmann allerdings nicht angekommen. Ganz im Gegenteil: Die Zahl der neu gebauten Wohngebäude ist statistisch gesehen sogar um 18,8 Prozent gesunken. Wurden im Jahr 2014 in den zehn Städten des Kreises noch 485 neue Häuser gebaut, waren es im vergangenen Jahr nur noch 394. Interessant: Von diesen 394 gebauten Häusern sind 307 Einfamilienhäuser. Große Mehrfamilienhäuser mit bezahlbaren Wohnungen - wie sie überall im Kreis dringend nötig sind - , werden kaum noch gebaut. "Der Kreis Mettmann braucht 4,6-mal so viele Wohnungen wie bislang jährlich überhaupt neu gebaut wurden", sagte vor kurzem Matthias Günther, der Leiter des Pestel-Instituts, das eine Studie zu Wohnraum im Kreis herausgegeben hat. Vor allem der sogenannte Soziale Wohnungsbau rechnet sich für Investoren nicht mehr. Sie setzen lieber auf Reihenhaussiedlungen und Doppelhäuser, die sich gewinnbringend an den Mann bringen lassen. So wundert es kaum: Die Statistik weist für 2015 lediglich 62 neue gebaute Mehrfamilienhäuser mit 672 Wohnungen in den Städten des Kreises aus. Das sind zwar sieben neue Häuser mehr als ein Jahr vorher, doch für den tatsächlichen Bedarf reicht das bei weitem nicht aus. Vor allem die geduldeten Asylbewerber suchen nach preiswertem Wohnraum in der Nähe und werden auf dem Markt nicht fündig. Wer aber einen Blick auf den Immobilienmarkt im Kreis wirft, stellt schnell fest: Der Markt boomt, die Preise explodieren.

In Haan wurden im vergangenen Jahr rund 100 Häuser und Wohnungen fertigt gestellt, berichtet Planungsamtsleiter Peter Sangermann. Das Hildener Rathaus konnte gestern keine Zahlen liefern. Nur ganz wenige Mitarbeiter haben Zugriff auf die erteilten Baugenehmigungen. Und die waren gestern alle nicht im Haus, bedauerte Arnold Hoff von der Bauverwaltung.

Aber dass viel gebaut wurde, konnte jeder Hildener mit eigenen Augen sehen. Hilden hat mit 26 Quadratkilometern ein sehr kompaktes Stadtgebiet. Grundstücke sind deshalb rar und enorm teuer. So teuer, dass die städtische Wohnungsbaugesellschaft Hilden nur noch dann bauen kann, wenn die Stadt ihr ein Grundstück kostenfrei zur Verfügung stellt. Für Neubauwohnungen an der Robert-Gies-Straße wurden im vergangenen Jahr 12 Euro Kaltmiete verlangt - und bezahlt.

Im vergangenen Jahr wurden im Kreis Grundstücke und Immobilien im Wert von mehr als 869 Millionen Euro erworben. Das ist gegenüber 2014 ein Plus von 18 Prozent. Niedrige Zinsen und steigende Mieten auf dem Wohnungsmarkt lassen immer mehr Menschen zum Häusle- oder Wohnungsbesitzer werden. Doch auch hier gibt es ein großes Aber: Denn wie der Vorsitzende des Gutachterausschusses. Wolfgang Schwandke, vor kurzem sagte: "Der Markt bei den Mehrfamilienhäusern stagniert." Dazu kommt: In punkto Verkäufe ist der Kreis Mettmann quasi zweigeteilt. Im Norden herrscht absolute Stagnation, je näher es an den Rhein geht, desto eher werden Häuser und Grundstücke gekauft. Die große Herausforderung in allen Städten bleibt der Bau von Mehrfamilienhäusern, in denen auch preiswerter Wohnraum zur Verfügung steht.

Quelle: RP
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