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Haan
Bedrückter Start in die Osterferien

Düsseldorf. Abschied nahmen gestern 240 Kinder vom Grundschulhaus Mittelhaan. Auch betagte Haaner, die als Erste in dem 82 Jahre alten Gebäude eingeschult wurden, erwiesen ihm die letzte Ehre. Es weicht dem 7,7 Millionen Euro teuren Neubau für die Grund- und Musikschule. Von Stefanie Mergehenn

Ein passenderes Wetter hätte Petrus den Kindern und Lehrern der Grundschule Mittelhaan gestern nicht organisieren können. Denn nicht nur der Himmel weinte dicke Tränen am definitiv letzten Schultag in dem 82 Jahre alten Schulgebäude an der Dieker Straße. "Bist du auch traurig, dass unsere Schule abgerissen wird?" fragt Jeremy die Redakteurin. Wie seine 240 Mitschüler hat der Zweitklässler eine Karte beschriftet – mit den guten Erinnerungen an die alte und seinen Wünschen für die neue Schule.

Doch bevor die an Gasballons geknoteten Karten in den trüben Himmel steigen, wird erstmal der Frühling herbei gesungen. "I like the flowers", schallt es über den Schulhof, bevor Schulleiterin Gabriele Steven Gebäudemanagerin Ute Eden und dem Technischen Beigeordneten Matthias Buckesfeld für die Verwaltung sowie dem Vize-Bürgermeister Klaus Mentrop stellvertretend für den Rat dankt, dass der Grundschul-Neubau an gleicher Stelle nun doch Wirklichkeit werden soll. "Darauf habe ich hingearbeitet", betont die Rektorin gegenüber der RP. Ihre Wehmut verhehlt die 63-Jährige nicht. "Viele Kinder haben mir erzählt, dass schon ihre Eltern, Großeltern und teils sogar Ur-Großeltern hier zur Schule gegangen sind."

Einer der ersten Schüler, der 1928 in dem Gebäude eingeschult wurde, war Willy Tabert. Der heute 88-Jährige hat es sich nicht nehmen lassen, trotz Dauerregen zur Abschiedsfeier auf den Schulhof zu kommen. "Ich bin schon ein bisschen traurig", sagt der Ur-Haaner, der sich von seinem alten Schulhaus "einen Stein mitnehmen" möchte. Vier Jahre habe er im Parterre sein Klassenzimmer gehabt – "bei Fräulein Wagner". Ob sie nett gewesen sei? "Na ja, sie war ziemlich nationalsozialistisch angehaucht", erinnert sich Annegret Schüller, die zwei Jahre später eingeschult wurde. Auch sie findet es "nicht schön, dass das Gebäude abgerissen wird". Von ihrer Wohnung aus habe sie immer auf ihr altes Schulhaus blicken können. "Auch meine Kinder und Enkel sind hier alle zur Schule gegangen." Bei ihrem ehemaligen Mitschüler werden derweil Erinnerungen wach. "Die Hilfsschule war ja nebenan. Die hatten einen Lehrer, der ist ab 1935 nur noch in SA-Uniform zur Schule gekommen." Seinen Musiklehrer hat Willy Tabert in besserer Erinnerung: "Das war der Lehrer Hochscherf. Knalldotz haben wir den genannt. Der hat mit uns Mundharmonika gespielt – das mach' ich heute noch!"

"Die nächsten anderthalb Jahre werden für euch eine spannende Zeit", will Mentrop, der den Gewinnern des Schwimmfestes noch Urkunden überreicht, den Kindern Lust auf das Provisorium machen. "Ich hoffe nur, dass es an der Blücherstraße nicht so kürmelig wird", murmelt eine Mutter. Sascha Molitor hingegen ist froh, dass seine Tochter Pia die nächsten knapp dreieinhalb Jahre nicht mehr in dem alten Gebäude verbringen muss. "Ich bin selbst hier zur Schule gegangen, und schon damals roch es nach Schimmel." Die Kinder werden hingegen "den großen Schulhof und das Klettergerüst vermissen". Das steht zumindest auf vielen Karten, die nun gen Himmel schweben. Und als ein Drittklässler sein Kärtchen vorliest – "Liebe Schule, es war schön mit dir. Ich hoffe nur, dass die alten Bäume stehen bleiben" –, da verdrückt nicht nur der Himmel einige Tränchen.

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Quelle: RP
 
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