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Hilden
Behinderte als Spezialisten in eigener Sache

Hilden: Behinderte als Spezialisten in eigener Sache
Sie wissen, worauf es bei Transportfahrzeugen ankommt. Von links: Melanie Glücks, Kristina Dörr, Alex Moll, Hakki Yavuzyasar, Frank Rösner und Ullrich Ohlmann. FOTO: Ralph Matzerath
Hilden. Gemeinsam engagiert für Bewegung: Die Hildener Firma Kadomo zeigt sich jetzt zusammen mit DRK Mobil bei der Messe Rehacare. Von Natascha Plankermann

Menschen mit Behinderung darin zu unterstützen, mobil zu bleiben oder zu werden - das ist den Unternehmen Kadomo aus Hilden und DRK Mobil aus Solingen ein Anliegen. In beiden Firmen arbeiten Menschen mit Handicaps. Jetzt hat sich eine fruchtbare Zusammenarbeit entwickelt. So entstehen - unterstützt vom Landschaftsverband Rheinland - maßgeschneiderte Fahrzeuge, die Menschen mit eingeschränkter Mobilität bewegen. Wie das funktioniert, ist ab heute bis zum 1. Oktober bei der Messe Rehacare für die Bedürfnisse von Menschen mit Behinderungen in Düsseldorf zu sehen.

Vier Gurte sind notwendig, um einen Rollstuhl richtig in einem Transporter zu sichern. Außerdem muss neben dem Fahrer noch eine geschulte Person mit an Bord sein, die beispielsweise weiß, wie die Hebebühne des Fahrzeugs bedient wird. Nur so kommen Menschen mit Behinderung ohne Risiko von A nach B, also etwa von zu Hause zum Arzt, zum Friseur oder zu einem ausgedehnten Shopping-Ausflug in eine Mall, das weiß Hakki Yavuzyasar genau: "Wer, wenn nicht ich?" fragt der Mann mit den warmen dunklen Augen. Und er deutet auf den Rollstuhl, in dem er sitzt.

"Hakki", wie er allerseits nur liebevoll genannt wird, ist Verkaufsleiter bei der Hildener Firma Kadomo und einer von neun Menschen mit Behinderung unter den 22 Mitarbeitern. Er ist als Spezialist in eigener Sache unterwegs, wenn es darum geht, Kunden zu beraten und ihnen dabei zu helfen, eine individuelle Lösung für ihren fahrbaren Untersatz zu finden.

Einer dieser Kunden ist jetzt der Fahrdienst DRK Mobil aus Solingen. Auch hier arbeiten Menschen mit Behinderung - und gemeinsam wollen die beiden Firmen alte und akut erkrankte Menschen sowie Menschen mit Assistenzbedarf wieder ein gutes Stück mobiler machen. Das Besondere daran: Ein privatwirtschaftliches Unternehmen wie Kadomo, das eine Integrationsabteilung hat, arbeitet mit einem sozialwirtschaftlichen Partner zusammen. Ein Projekt, das vom Dezernat Soziales und Integration des Landschaftsverbandes Rheinland finanziell unterstützt wird. Kadomo steht für "und du kannst doch mobil sein" - was bedeutet, dass Geschäftsführer Frank Rösner und sein Team über viele Jahre Erfahrungen darin gesammelt haben, Fahrzeuge maßgeschneidert nach speziellen Bedürfnissen umzubauen. Rösner: "Wir können zum Beispiel das Gaspedal von rechts nach links verlegen, sollte jemand nach einem Schlaganfall ein entsprechend ausgerüstetes Auto brauchen."

Für ihn ist eine Behinderung eine Zusatzqualifikation seiner Beschäftigten, was sich bei seinem Verkaufsleiter exemplarisch zeigt. Dafür nimmt er in Kauf, dass solche Mitarbeiter aufgrund gesundheitlicher Probleme öfter fehlen können. Weil sie ja etwa ein Leben ohne Beine führen müssen und deshalb zeitweilig ärztliche Hilfe benötigen. Gibt es Probleme, vermittelt Mentorin Monika Noack. "Auf das Engagement der Leute im Job kommt es an", sagt Rösner.

Ein Zusammenkommen zweier Firmen wie Kadomo und DRK Mobil findet Melanie Glücks vom Landschaftsverband Rheinland "vorbildlich". Schließlich möchten die meisten Unternehmen keine Behinderten einstellen, sondern stattdessen lieber eine Ausgleichszahlung an die Agentur für Arbeit leisten oder maximal einen Diabetiker beschäftigen.

Melanie Glücks ist beim Landschaftsverband in der Abteilung Integrationsbegleitung für Integrationsunternehmen wie DRK Mobil und Kadomo zuständig - insgesamt 121 von ihnen gibt es derzeit im Rheinland. Und der gemeinsame Einsatz für Menschen mit Behinderung wird gefördert: Integrationsprojekte erhalten einmalige und dauerhafte laufende Zuschüsse in Summe von jährlich etwa zehn Millionen Euro vom Landschaftsverband.

Quelle: RP
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