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Auf Ein Wort Robert Eiteneuer
Brauchen wir die Kirche(n)noch?

Hilden. Stellen Sie sich vor, ich wäre Radio- oder Zeitungsreporter bei einer Passantenbefragung in der Mittelstraße oder im Itter-Karrée und würde Ihnen diese Frage stellen! Was würden Sie antworten? "Kirche - was is'n das?" oder "Kirche, Religion - Opium für das Volk" oder "Für die Armen und für die Menschen in der Dritten Welt vielleicht. Aber hier bei uns? Uns geht es doch gut." oder "Die Kirchen sind als Kulturträger unverzichtbar: schöne klassische Musik, bedeutsame Baudenkmäler" oder "Ich gehe regelmäßig in den Gottesdienst. Das gibt mir Kraft"?

Vielleicht finden Sie sich in einer der fünf Antworten wieder. Vielleicht hätten Sie aber auch ganz anders geantwortet. Ich möchte Ihnen ein paar Fakten nennen. Die Kirchen unterhalten Kindertagesstätten, Schulen, Hochschulen, Familienbildungsstätten, Krankenhäuser, Senioreneinrichtungen, Sozialstationen, Beratungsstellen, Einrichtungen der Berufsförderung und der stationären Jugendhilfe usw. Oft ist die kirchliche Kindertagesstätte die einzige am Ort. Im Sozialwesen sind die Kirchen sehr aktiv und nicht zu ersetzen. Sie nehmen staatliche Aufgaben wahr und werden dafür teilweise oder überwiegend vom Staat refinanziert.

Okay! Das soziale Engagement der Kirchen mag ja sinnvoll sein. Aber brauchen wir die Kirchen heute noch als moralische Instanz? Brauchen wir die Kirchensteuer, mit welcher der Staat die Kirchen finanziert und das kirchliche Personal? Brauchen wir theologische Fakultäten an staatlichen Hochschulen und Universitäten? In anderen Ländern gibt es das alles nicht, aber dennoch leben dort Christen, gibt es dort Kirchen.

Die Kirchen verlassen in letzter Zeit die Deckung und beziehen Stellung. In der Flüchtlingsfrage etwa hat die kath. Kirche deutlich Position bezogen, und viele Christen engagieren sich freiwillig und unentgeltlich in der Betreuung der Menschen, die ihre Heimat unfreiwillig verlassen mussten und hier bei uns Zuflucht suchen. Auch in Fragen der Christlichen Soziallehre hat die christliche Ethik das Zusammenleben und Zusammenarbeiten in unserer Gesellschaft geprägt. Turbokapitalismus, Ausbeutung der Schwachen, die Forderung nach weitestgehender individueller Mobilität und Flexibilität vertragen sich nicht mit dem christlichen Glauben. Hier etwa ist das Zeugnis der Kirchen und der Christen unverzichtbar.

Auch wenn die Zahl der sonntäglichen Gottesdienstbesucher in beiden großen Kirchen weiterhin rückläufig ist, so ist der Sonntagsgottesdienst, die Mitarbeit in der Gemeinde, das Engagement für Menschen in Not für viele Christen unverzichtbar. Die Mitfeier der Liturgie und die gemeinsame Bibellektüre geben diesen Menschen Mut, Kraft und neue Ideen.

Fazit: Wir brauchen die Kirche(n) noch. Heute mehr denn je.

ROBERT EITENEUER, PASTORALREFERENT IN HILDEN, HAAN UND IM LANGENFELDER KRANKENHAUS

Quelle: RP
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