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Kreis Mettmann
Brexit - Immer mehr Briten wollen deutschen Pass

Kreis Mettmann. Immer mehr Engländer, die auf dem europäischen Festland leben, fürchten den Brexit. Die Zahl der Briten, die im Kreis Mettmann bereits die Einbürgerung beantragt haben, ist in diesem Jahr stark gestiegen. Von Joachim Preuss

Das bestätigte auf Anfrage der RP die Kreisverwaltung in Mettmann. Bei den im Kreis lebenden Briten sei die Verunsicherung sehr groß, sagte Rita Bondsfield-Atteln. Sie betreibt seit zehn Jahren in Wülfrath den England-Laden "Mrs. Bondsfield", ein Shop für typisch englische Artikel mit Sprachschule.

Sie selbst hat lange in England gelebt und in Cambridge studiert. Ihr Sohn Arlen sei im Alter von acht Jahren mit nach Deutschland gekommen. Er mache sich nun Sorgen um die Zukunft nach dem Brexit: "Er hat noch den britischen Pass, will ihn auch behalten, möchte aber nun die doppelte Staatsbürgerschaft beantragen." Die Bedenken in der englischen Gemeinde im Kreis seien alle gleich: Man befürchte Probleme zum Beispiel bei der Bürokratie, wenn es etwa um Rentenfragen oder Arbeitslosigkeit geht. "Wenn man über die Grenzen lebt, wird das künftig schwierig", so Bondsfield. Sie befürchtet, dass der Papierkrieg sogar noch schlimmer werde als je zuvor. Das hätten alle geahnt, jedenfalls sei ihr kein Brite vor Ort bekannt, der für den Ausstieg Großbritanniens aus der EU gestimmt habe.

Kaum war über den Brexit abgestimmt worden, meldeten sich Engländer bei den Behörden. "Im Jahr 2016 wurden kreisweit bisher 26 Briten eingebürgert, der Großteil im zweiten bis vierten Quartal", so Arne Sauter vom Büro des Landrats. Die Zahl der Antragsteller sei damit im Vergleich zu den Vorjahren stark angestiegen. Das Referendum zum Austritt des Vereinigten Königreichs aus der Europäischen Union (EU) war am 23. Juni. Die Wähler stimmten mit 51,89 Prozent für den Austritt, den Brexit.

"Die Gründe für den Wunsch einer Einbürgerung sind häufig die durch einen Austritt aus der EU zu befürchtenden Nachteile für die Bürger", so Sauter weiter.

Derzeit würden Briten unter Hinnahme von Mehrstaatigkeit eingebürgert: "Das bedeutet, dass sie neben der deutschen Staatsangehörigkeit ihre britische Staatsangehörigkeit behalten dürfen. Wie die Regelungen sein werden, wenn der Austritt aus der EU vollzogen ist, kann man jetzt noch nicht absehen. Auch aus diesem Grund wollen viele Briten noch möglichst schnell eingebürgert werden, um ihre britische Staatsangehörigkeit behalten zu können", so Sauter weiter.

Als Ausländer hat man einen Anspruch auf Einbürgerung, wenn man seit mindestens acht Jahren rechtmäßig in Deutschland lebt. Unter bestimmten Voraussetzungen ist eine Einbürgerung schon vorzeitig möglich, zum Beispiel, wenn man mit einem Deutschen seit zwei Jahren verheiratet ist und seit drei Jahren einen rechtmäßigen Aufenthaltstitel besitzt. Den Antrag auf Einbürgerung muss man im Bürgerbüro der jeweiligen Stadtverwaltung stellen - in Mettmann ausschließlich im Standesamt und in Ratingen und Velbert in den Kreis-Service-Centern. Der Einbürgerungsantrag wird vor Ort vervollständigt und an die Kreisverwaltung Mettmann weitergeleitet. Die Gebühr für eine Einbürgerung pro erwachsener Person beträgt 255 Euro.

Quelle: RP
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